Der Neugierologe

christoph Larssen  285x300 Der Neugierologe

 

 

Der Biologe und Wissenschaftsredakteur Christoph Larssen ist nach eigenen Angaben auch Wissenschaftskommunikator, Presse-Mann, Dozent, Social-Media-Nutzer und vor allem ein Neugierologe. Sein Beruf und auch seine Berufung ist: die Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben und zwar so, dass sie Verstanden wird.


 

Sein Weg zur Wissenschaft

`Ich bin damals ziemlich blauäugig nach dem Abi ins Studium gepurzelt´, erinnert sich Larssen. Er wollte etwas machen, was ihm Spaß macht und liegt. Gedanken darüber, ob man damit wohl auch später vielleicht Geld verdienen kann, hatte er sich zu diesem Zeitpunkt noch keine gemacht. Bei der Wahl zwischen Architektur und Biologie hatte letztere gesiegt.

Wo bist Du jetzt?

`Wirkliche Visionen, was ich mit so einem Studium mal später machen kann – habe ich nie entwickelt´, erklärt er. Erst nach dem Grundstudium, habe er sich konkrete Gedanken darüber gemacht, in welche Richtung es weiter gehen sollte. Ihm Rahmen seiner Diplomarbeit entschied er sich für die Immunologie.
Kurz nach Beginn seiner Promotion merkte er jedoch, dass er nicht ewig vor dem Mikroskop hängen mochte. Die Faszination, die er beim Betrachten der Fluoreszenz-Bilder empfand, wollte er jedoch weitergeben. `Leider kann man in unserem System nicht nur als Dozent in der Lehre tätig sein, der Laborsklavendienst ist ein unausweichlicher Bestandteil´, beschreibt er kritisch die Situation.

Eine in der Forschung typische Situation führte zum Umdenken. Es war eine Poster-Session, bei der viele ihre Daten in `schierer Trostlosigkeit´, wie er es beschreibt, präsentierten. `DinA2-Poster mit 8-Punkt großer Schrift, vielleicht noch zwei mit Daten vollgepfropfte Statistiken, das war und ist leider immer noch oft normal´, fasst er zusammen. Er war entsetzt. `Unser Poster dagegen hatte ein paar schöne (Fluoreszenz-)Fotos, ein klares und (fast) ohne Beschriftung verständliches Schema und wenig Text, dafür in einer augenfreundlichen Größe´, beschreibt er vergleichend seine Präsentation. Hier habe er seine Berufung entdeckt und in einer Weiterbildung zum Wissenschaftsredakteur mit dem nötigen Handwerkszeug untermauert. Das sei bereits acht Jahre her. In dieser Zeit habe sich, zum Glück, sehr viel im Bereich der Wissenschaftskommunikation getan.

Wissenschaftliche Errungenschaften

Die Entdeckung der Antibiotika seien sicherlich maßgeblich gewesen, so Larssen. Das sei auch gleichzeitig immer sein Lieblings-Beispiel, dass Forschung auch auf Fehlern basiert: `Die Bakterien-Platten von Alexander Fleming waren mit Schimmelpilzen versaut´, erklärt Christoph und meint dass somit Fleming `einen Fehler gemacht hatte, denn die Platten waren eigentlich Müll´.

Größte WissenschaftlerIn

`Kinder´, sagt er sofort, `Kinder, die noch nicht trainiert worden sind, ihre Neugier gegen ein Nachbeten von eingepauckten Automatismen einzutauschen´.  Für ihn sind Kinder Forscher, die vollkommen uneingenommen und offen die Welt erkunden und forschend lernen, wenn man sie denn lasse. Er zitiert Neill deGrasse Tyson der so schön sagte: `Was sind Wissenschaftler? Es sind Leute, die nie aufgehört haben, Kind zu sein´.

Was sollte an der Wissenschaft anders sein?

Viel zu oft erlebe er Wissenschaftler, die sich zu fein seien, um mit der Öffentlichkeit zu reden. Interviewanfragen einer Zeitung würden abgelehnt werden, weil das keine Reputation ergäbe. Da eine Tageszeitung keinen Impactfactor habe, interessiere sie auch nicht. Seine Kritik ist daher, dass bei den Drittmittelgebern eine Kommunikation seitens der Wissenschaftler viel mehr eingefordert werden müsse. `Wenn es bei der Vergabe von Fördergeldern von Vorteil ist, eine umfangreiche Liste an Interviews vorweisen zu können, wenn es Extrapunkte für einen Blog, eine hohe Anzahl an Tweets und Followern gäbe – dann würde sich einiges ändern´, fasst er das zusammen, was inzwischen immer mehr denken.

Die Wissenschaft der Zukunft

`Wissenschaftler zu sein, dass ist in der Öffentlichkeit der Zukunft wieder etwas tolles´, beginnt er. Forscher seien  nicht mehr nur die Freaks aus der Serie `Bing Bang Theory´. Es seien normale Menschen, die in der Bevölkerung akzeptiert sind. `In der Zukunft´, so stellt sich Larssen es vor, ` ist die Wissenschaft auch im allgemeinen, öffentlichen Verständnis der Schlüssel zur Bewältigung der Zukunftsprobleme, und nicht nur das schwarze Loch am LHC oder die vermeintlich gefährlichen Gen-Pflanzen´.

Das größte Manko der Wissenschaft

`An vielen Stellen haben sich die Wissenschaftler eingeigelt und die normale Welt, den Rest um sie herum ausgegrenzt´, so der Biologe.  `Hätte etwa der normale, heutige Nicht-Wissenschaftler ein besseres Verständnis von Genetik, hätte Theo nicht so viele Bücher voller Unwissen verkaufen können und die Bürger hätten keine Phobie vor den Buchstaben G E N´, fasst er kritisch zusammen.

Artikel von Christoph Larssen finden sich auf seinem blog bei Scienceblogs: Erklärfix

 

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