Doktorand der Neurobiologie

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Florian Diehl hat an der Universität in Ulm sein Biologiediplom abgeschlossen und ist nun Doktorand an der University of Pennsylvania in Philadelphia. Er arbeitet im Bereich der Neurobiologie und bloggt über Wissenschaft und Sonstiges.


 


Entwicklungsgeschichte

Während seines Austauschjahres in den USA (1999/2000) wurde ihm klar, dass er sich in Richtung Biologie spezialisieren wollte. `Die Biologie hat mich auch während meiner Zeit als Abiturient immer stärker fasziniert´, sagt Diehl. Die Entscheidung zum Studium und der `klick´, wie er es beschreibt, kam letztendlich durch einen ehemaligen Mitschüler, der einen kurzen Vortrag über die Hot Topics in der Biologie hielt. Im Rahmen dieses Vortrages wurde ein Video gezeigt, in dem eine lange Polysachharidkette an einen Teil der Na+/K+ Pumpe hybridisiert wurde. Dieses Experiment erbrachte den  Nachgeweis, dass diese Pumpe wie eine Art Schraube funktioniert und Protonen durch die Zellmembran schleust. Das Video zeigte eine mikroskopische Aufnahme von der Pumpe mit der Polysachharidkette an einem Ende, und diese Kette rotierte wie ein Propeller, da die Pumpe sich ja wie eine Schraube in der Zellmembran drehte. Da war es um Florian geschehen. Er war so fasziniert von der Idee, dass mechanische Vorgänge auch auf so kleinen Maßstäben funktionieren, dass er auch in diesem Gebiet arbeiten wollte.

Spezialisierung

Er hatte nicht sofort eine genaue Vorstellung davon was er werden, oder in welchem Bereich er sich spezialisieren wollte. Da Gentechnik damals sehr „trendy“ war, ging er mit der Erwartungshaltung an das Studium später in diesem Bereich zu arbeiten. Im Lauf des Grundstudiums entwickelte sich seine Faszination für die Neurobiologie, die er zum Hauptfach machte und sich im Bereich der Elektrophysiologie spezialisierte. Sie bietet ihm gegenüber der Genetik die Möglichkeit schon während der experimentellen Messungen Ergebnisse zu sehen.

Er führt seine Versuche an Invertebraten durch, arbeitet also am lebenden Präparat (in vitro als auch in vivo). Die Methodik ist dabei meist das direkte Ableiten eines Stiumulus am Nerven mit Hilfe einer Elektrode,während das System mit verschiedenen Stimuli aktiviert wird. `Wenn einzelne Neurone auf Stimuli reagieren, sieht man das sofort auf der Ableitung; wenn etwas schief läuft merkt man das (meistens) auch sofort´, erklärt der junge Elektrophysiologe. In der mikrobiologischen Arbeitswelt fehlt ihm so ein direkter feedback, der ihm mitteilt ob sein  Experiment erfolgreich ist.

Errungenschaft

`Von Errungenschaft zu sprechen wäre in meiner Phase sicherlich zuviel gesagt´ beginnt er zu berichten.  Er
beschäftige sich mit Invertebraten, die ein klassisches experimentelles Modellsystem darstellen und gut  untersucht sind. Was seiner Meinung nach aber fehlt ist die Verhaltenskomponente. `Wir kennen zwar die Eigenschaften der Neurone im Nervensystem aber wir verstehen z.B. noch nicht warum sie mit diesen oder jenen Neuronen Synapsen ausbilden´erklärt er. Untersuchungen des Verhaltens im intakten Tier könnten seiner Ansicht nach helfen, die neuronale Aktivität im Verhaltenskontext zu untersuchen. Daher hofft er, dass seine Arbeit erfolgreich sein wird, und dass er Kollegen davon überzeugen kann, dass es sinnvoll ist sich das Verhalten dieser Tiere anzuschauen um sie besser zu verstehen. `Wenn ich das erreicht habe, würde ich von einer wissenschaftlichen Errungenschaft sprechen´, schliesst er.

Zukunftspläne

Nach der Doktorarbeit will er in der universitären Forschung bleiben und auch Lehre betreiben. Ob er jedoch eine Karriere in der Forschung machen werde, weiss er noch nicht. Ungern möchte er sich die nächsten 10 Jahre an 3-Jahresverträgen entlang hangeln um dann irgendwann eine Professur zu ergattern, aber das sind ja  momentan die realistischen Aussichten, natürlich ohne Garantie des Erfolges und der ersehnten Professur. Daher werde er möglicherweise auch etwas ganz anderes machen.

Bedeutende wissenschaftliche Errungenschaften

Die nicht-invasiven Bildgebenden Verfahren, welche Medizin und Forschung revolutionieren werden, nennt Florian als bedeutende Errungenschaften. In den letzten Jahren hätten vor Allem spezielle Farbstoffe (spannungssensitiv, temperatursensitiv, Calcium-sensitiv) die Neurobiologie revolutioniert. Er denke daher, dass das noch sehr viel weiter gehen werde, und die Art und Weise wie Experimente an Nervenzellen durchgeführt werden sich Grundlegend ändern wird.

`Es wird sich mehr und mehr durchsetzen, dass man das Nervensystem nicht als starres Gebilde, sondern als dynamisches (sich veränderndes) Netzwerk begreift, erklärt er. Dies würde dazu führen, dass man auch in Experimenten dieses Netzwerk aktiv verändern und manipulieren können werde´.

Größter Wissenschaftler

Charles Darwin fasziniert ihn bereits seit einigen Jahren. `Ich denke seine wissenschaftliche Genialität lag daran, dass er sein Wissen aus seinen Studien der Geologie auf ein völlig anderes Gebiet angewandt hat´sagt Florian begeistert. Auch heute noch entstünden in der Forschung die besten Ideen wenn Menschen aus verschiedenen Fachbereichen konvergieren. `Zum anderen´fügt der Biologe hinzu, `verstand es Darwin seine Ideen erfolgreich zu verbreiten´.

Frage an die Wissenschaft und Benennungen

`Welche Eigenschaften muss ein Gehirn haben um abstrakte Sprache zu erzeugen´fragt sich der Neurobiologe.

Ausserdem Fasziniert ihn die Fähigkeit des Gehirns sich unendlich viel Schwachsinn merken zu können um es in
den ungünstigsten Situationen abzurufen. Seine Benennung dafür wäre: bullshit recapitulitis

Was sollte an der Wissenschaft anders sein?

Das Publikationssystem in der Wissenschaft ist seiner Meinung nach komplett falsch und gehört abgeschafft. Das System sei zu rückständig und wende 500 Jahre alte Technologie auf digitaler Ebene an. Warum werde heutzutage immer noch im PDF Format veröffentlicht? Das sei eigentlich nichts anderes als bedrucktes Papier nur eben digitalisiert, dabei würden jedes Jahr mehrere Millionen Fachartikel veröffentlicht. Die Verlage würden sich damit eine Goldene Nase verdienen. Das Problem sieht er darin, dass in ein paar Jahren die Informationsflut so gigantisch sein wird, dass nur noch ein Bruchteil aller veröffentlichten Daten von anderen wahrgenommen werden könne.` Wir bräuchten dringend ein System das wissenschaftliche Daten sinnvoll indiziert und darstellt´, so der Wissenschaftler. Das sei die große Herausforderung der Wissenschaft in den nächsten Jahren: das gesammelte Wissen sinnvoll zu verwalten. `Die Nationen sollten sich ausserdem zusammen tun und eine sinnvolle gesetzliche Grundlage schaffen, damit die wissenschaftliche Arbeit global vergleichbar und jederzeit abrufbar wird´, findet Florian.

Manko

Seiner Meinung nach wird die Wissenschaft zunehmend vom monetarisierten Denken vereinnahmt. Es würde konstant auf die Forscher eingeprügelt effizienter und wirtschaftlicher zu sein. Dabei vergässen die Leute dass 99% der weltverändernden Technologien und Erkenntnisse durch Grundlagenforschung hervorgebracht wurden, die per Definitionem nicht effizient oder wirtschaftlich ist. `Ich finde dass viele Kollegen den einfachen Weg wählen und sich lieber fügen, eine Stelle bei einem Pharmakonzern annehmen und der universitären Forschung den Rücken kehren´, so Diehl. Dadurch würde jedoch langfristig dem wirklich kreativen Teil der Wissenschaft das Wasser abgegraben.

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