Physiker und Pilosoph in China

sascha 285x300 Physiker und Pilosoph in China

 

 

Sascha Vongehr studierte Philosophie, Mathematik, Chemie und Physik und ist als Research Fellow am National Laboratory for Solid State Microstructures an der Universität von Nanjing in der Volksrepublik China tätig. Er kollaboriert unter anderem mit der Philosophischen Fakultät in der Abteilung `Philosophie der Wissenschaften´ an derselben Universität.


 


Sein Weg zur Wissenschaft

`Ich habe mich seit dem ich mich erinnern kann für wenig anderes als die exakten Wissenschaften interessiert´, beginnt Sascha seine Eräuterungen. Es erschien ihm damals sogar, als ob die interessanten Fragen in der Philosophie, insbesondere der Ontologie, erst einmal die Bewältigung der Relativitättheorie und der Quantenmechanik benötigten. Daher habe er Physik studiert. Eigene Erkrankungen haben ausserdem zum Interesse an der Medizin und der Chemie beigetragen. Eigenen Angaben zufolge hat er Asberger-nahe Probleme, denen er ein frühes Interesse an der Psychologie, Anthropologie, und Soziologie zuschreibt. `Wie dem auch sei´, fügt er hinzu,`es hat für mich nie eine Alternative zur Wissenschaft gegeben´.

Wo stehst Du jetzt?

Der Forscher ist nicht dort angekommen, wo er ich sich gesehen hatte. Er ist in China, allein dieser Umstand war für ihn völlig unerwartet. Er stellt die Frage, warum seine Laufbahn einer thermischen Molekularbewegung gleicht? Zum einen müsse man als Wissenschaftler sehr flexibel sein. Man könne sich nicht aussuchen wo in der Welt sich die besten Gelegenheiten böten. Der Grund für seinen Lebensweg war sein Interesse an diversen Wissenschaften. Diese wollte er soweit wie möglich studieren, auch um gewisse Grundfragen überhaupt erst erörtern zu können. Eine normale Laufbahn hätte ihm dies nicht ermöglicht. `Man muss sich früh spezialisieren´, erklärt er, ` und insbesondere in der akademischen Welt, bald anfangen mehr ein Manager und Schriftsteller neben dem Forscher zu sein´. Er beschreibt den Wissenschaftsbetrieb als ein `Rattenrennen nach Forschungsgeldern, Anstellungen und Veröffentlichungen´, die kaum Zeit für die Forschung liessen. Ihm hätte vor allem auch die Zeit gefehlt, um `über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen´. Er habe sich daher immer jene Positionen gesucht, die ihm am meisten Zeit und Gelegenheit boten, um frei zu forschen. Dies prägte seinen Lebensweg  durch die Welt: 15 Jahre als Student in England und den USA, 6 Jahre in Postdoctoralen Anstellungen, und nun als Research Fellow in China. Seine aktuelle Position erlaube ihm fast uneingeschränkte akademische Freiheit, welche er in dieser Form an einem anderen Ort nicht finden konnte.

Wissenschaftliche Errungenschaft

Als er an der Stringtheorie arbeitete ist es ihm gelungen gewisse schwarze Löcher in Theorien mit zwei Zeitdimensionen zu konstruieren. `Dies erlaubte zum ersten mal ein sogenanntes BTZ Schwarzes Loch in eine flache (ungekrümmte) Raumzeit einzubetten´, erklärt er. Als er dann in der experimentellen Nanotechnologie arbeitete, sei es ihm gelungen alkalische Metalle auf ultrakalten, superfluiden Heliumtropfen aggregieren zu lassen, `etwas das zuvor zum Teil für unmöglich gehalten wurde´, fügt er hinzu. Als er sich auf die Kosmologie konzentrierte, habe er ein unendliches `Lindquist-Wheeler Gitter´ entworfen. Dies würde belegen, `dass die lokale Einstein Mikrokausalität tatsächlich auch in einem inhomogenen Universum mit der globalen Expansion konsistent ist´, berichtet er.
Seine grösste Errungenschaft sei für ihn aber eine, die er erst kürzlich gemacht habe. Sie beantworte zum Teil eine Frage, welche er seit bereits 20 Jahren verstehen wollte. `Ich habe, zugegeben mehr oder weniger zufällig, ein Viele-Welten-Model (many worlds model) gefunden, welches anschaulich macht, wie die Nichtlokalität im Einstein-Podolsky-Rosen Paradox sich direkt aus der Tatsache ergibt, dass die Quantummechanik ein sogenannter Modal-Realismus mit Extra-parallel-Welten ist´, beschreibt er begeistert seine Entdeckung. Solch philosophische Einsichten wären das was ihn obsessiv zur Wissenschaft treibe, alles andere seien technische Kleinigkeiten welche auch anders sein könnten.

DIE grösste wissenschaftliche Errungenschaft

Eine einzige zu nennen, würde seiner Meinung nach unzureichend sein. Wenn man lang vergangene Zeiten vernachlässige und sich auf die Errungenschaften beschränke, welche auch für unsere Zukunft die bedeutensten und folgeschwersten seien, dann sind dies seine top 4: Die generelle Evolutionstheorie (Darwinismus im weitesten Sinne), die Theorie der Quantenmechanik, die Nanotechnologie und Computer.

Frage an die Wissenschaft

`Ist die Quantenmechanik tatsächlich komplett linear?´, fragt er sich. Diese Frage sei der Angelpunkt am Fundament und sei unter anderem auch mit dem `Diosi-Penrose Criterion´ verwand. Dies habe`mit der Realität von quantum Boltzmann Gehirnen und wahrscheinlich, zumindest indirekt, auch mit der phenomenalen Existenz von (subjektivem) Bewustsein zu tun´, erörtert er. Solche Fragenkomplexe hätte er gerne beantworted.

Die andere Wissenschaft

Er wünscht sich: `dass die Wissenschaft weniger als Ersatzreligion auftritt, Wissenschaftler selbstkritischer sind, es weniger ein System von Geschäftsverbindungen und Seilschaften ist, weniger aber dafür besser publiziert wird, weniger Pseudowissenschaft überlebt und wichtige Kritik nicht wissenschaftsintern zensiert wird´zählt er auf.
Seiner Erfahrung nach würden die Menschen im englischsprachigen Raum der Wissenschaft immer weniger vertrauen, obwohl immer mehr Technologie-verliebt seien. Seines Erachtens seien die Wissenschaft und die Wissenschaftler selbst dafür verantwortlich. Diese aber würden behaupten, dass es nur eine Vertrauenskrise und die Schuld anderer sei. Die Schuld läge demnach bei erz-konservativen Politikern, bei den populistischen Oportunisten, bei den Religiösen, den schlechten Schullehrern, den Medien, dem dummen Bürger. Alle seien Schuld, nur die Wissenschaft nicht. Seiner Meinung nach sei es aber die Wissenschaft selbst, die in einer Krise stecke. Dies läge insbesondere an den Peer-reviewing Prozessen und der Publish-or-Perish Kultur, die einen verrheerend korrosiven Einfluss hätten. Die Bürger seien gar nicht mehr so dumm. Sie wüssten immer mehr darüber was in der Wissenschaft vorgehe, auch was in der Wissenschaft als sozialer Struktur wirklich passiere. Er meint, dass die Situation noch schlechter werde, solange es innerhalb der Wissenschaft keine grundlegenden Veränderungen gäbe. `Eine arrogante Wissenschaft und Wissenschaftsfeindlichkeit sind gefährlich in einer technologischen Welt, die demokratischen Entscheidungsprozessen unterliegt´, beendet er seine Ausführungen zu dieser Frage.

Die Grossen Fehler

Für Sascha ist es  im Moment eindeutig die Publish-Or-Perish Kultur. `Wir Wissenschaftler hängen fast 100% unserer Zeit vor dem Computer und schreiben, schreiben, schreiben´, erklärt er. Ausserdem würde ein Wissenschaftler ja auch noch unendlich viel Zeit damit verbringen, Forschungsanträge zu schreiben, Lehre zu betreiben,  Studenten zu betreuen, administrative Sachen zu erledigen, all die Karriere-Spielchen und was dazu gehört mitzuspielen und Konferenzen  zu besuchen. `Es ist einfach kaum Zeit mehr da, um wirklich zu lesen, weiter zu studieren, tiefer zu denken, und insbesondere selbst-kritisch zu hinterfragen´, bedauert Vongehr. Das Problem dabei sei, dass die Wissenschaft immer mehr und komplizierteres Wissen ansammelt, die Wissenschaftler aber immer weniger Zeit hätten sich damit auseinanderzusetzen.
Weitere Informationen über den Wissenschaftler und seine Arbeit gibt es auf seiner Wissenschafts Kolumne und auf Science2.0. Seinen Arbeitsplatz und Laboratorium beschreibt er hier ebenfalls.

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  1. Vielen Dank an Euch mich teilnehmen zu lassen. Leider habt Ihr viel von dem was ich sagte so “transformiert”, es ist weder meine Meinung noch sieht es selbst-konsistent aus. Insbesondere, Wissenschaft muss als ein evolvierendes System gesehen werden. Diese Position laesst meine Meinung wesentlich weniger politisch motiviert erscheinen als es hier aussieht, aber obwohl es mir sehr wichtig war, jene Position ist komplet aus allen Antworten verschwunden. Warum?
    Ich habe mir erlaubt auf Science2.0 noch mal mehr von dem was ich tatsaechlich geschrieben hatte zu veroeffentlichen:
    http://www.science20.com/alpha_meme/blog/science_meets_society_interviews_sascha_vongehr-89891

    [Antwort]

  2. uli Brandt-Bohne sagt:

    Lieber Sascha, liebe Leser,
    natürlich werden die Texte editiert und in Form gebracht um sie einem einheitlichen Stil anzupassen.
    Da Du Sascha Dich hier missverstanden fühlst und ich Deine Kommentare und Zitate nur bedingt nachvollziehen kann (da einiges von Dir tatsächlich auch falsch zitiert und wiedergegeben wird), füge ich im Folgenden Deinen Originaltext ein. Somit sind Deine Aussagen 1:1 wiedergegeben und wir sparen uns weitere Zitierungen und Verwirrungen.
    Grüsse UBB

    Original Info von Sascha Vongehr:
    Sascha Vongehr, geboren 1971 (alter 41), mänlich, Research Fellow am National Laboratory for Solid State Microstructures, unter anderem kollaborierend mit der Philosophie Fakultät, Philosophie der Wissenschaften Abteilung, beides an der Universität of Nanjing, Volksrepublik China.

    1. Wie sind Sie zur Wissenschaft gekommen – die Entstehungsgeschichte…
    Ich habe mich seit dem ich mich erinnern kann für wenig anderes als die exakten Wissenschaften interessiert. Es erschien mir damals sogar als ob die interesanten Fragen in der Philosophy, insbesondere Ontologie, erst die Bewältigung der Relativitäts Theory und Quantum Mechanik benötigten. Daher habe ich Physik studiert. Einige schwere Erkrankungen mögen Interesse an Medizin und daher Chemie beigetragen haben und meine Asberger-nahen Probleme haben möglicherweise ein frühes Interesse an der Psychologie, Anthropologie, und Soziologie erweckt. Wie dem auch sei, es hat für mich nie eine Alternative zur Wissenschaft gegeben.

    2. Sind sie dort gelandet, wo Sie sich anfangs gesehen haben? Wo sind Sie jetzt und warum?
    Ich bin nicht dort wo ich mich auch nur gesehen haben könnte. Ich bin jetzt in China, allein dieser Umstand ist völlig unerwartet. Warum gleicht meine Laufbahn einer thermischen Molekularbewegung? Zum einen muss man als Wissenschaftler sehr flexibel sein. Man kann sich halt nicht aussuchen wo sich in der Welt die besten Gelegenheiten bieten wenn man sie braucht. In meinem Falle ist es allerdings extrem. Der Grund ist: Ich bin sehr an diversen Wissenschaften interessiert und will diese soweit wie möglich studieren auch um gewisse Grundfragen überhaupt erst erörtern zu können. Eine normale Laufbahn macht soetwas leider unmöglich. Man muss sich halt früh spezialisieren und dann auch bald, insbesondere in der akademischen Welt, anfangen mehr ein Manager und Schriftsteller und so weiter zu sein. Der Wissenschaftsbetrieb ist ein Rattenrennen nach Forschungsgeldern und Anstellungen und natürlich Veröffentlichungen; es bleibt kaum Zeit, Forschung zu betreiben und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich habe immer nach derjenigen Position gesucht die mir am meisten Zeit und Gelegenheit gibt frei zu erforschen was immer ich will. Dies hat mich durch die ganze Welt gebracht, so ungefähr 15 Jahre als Student in England und den USA, 6 Jahre in Postdocturalen Anstellungen, und nun als „Research Fellow“. China erlaubt mir fast uneingeschränkte akademische Freiheit welche ich so woanders in meiner jetzigen Situation nicht finden kann. Daher bin ich jetzt hier.

    3. Was ist Ihre grösste wissenschaftliche Errungenschaft?
    Als ich in der Stringtheorie arbeitete ist es mir gelungen gewisse Schwarze Löcher in Theorien mit zwei Zeitdimensionen zu konstruieren. Dies erlaubte zum ersten mal ein sogennantes BTZ Schwarzes Loch in eine flache (ungekrümmten) Raumzeit einzubetten. Als ich dann in der experimentellen Nanotechnology arbeitete, ist es mir gelungen alkalische Metalle auf ultrakalten, superfluiden Helium Tropfen aggregieren zu lassen, etwas das zuvor zum Teil für unmöglich gehalten wurde. Als ich mich dann auf Kosmologie konzentrierte, habe ich ein unendliches „Lindquist-Wheeler Gitter“ entworfen um so weiter zu belegen das lokale Einstein Mikrokausalität tatsaechlich auch in einem inhomogenen Universum mit der globalen Expansion konsistent ist. Die grösste Errungenschaft aber ist für mich persönlich eine die ich kürzlich gemacht habe, weil sie zum Teil eine Frage beantworted, welche ich seit vielleicht 20 Jahren verstehen wollte. Ich habe, zugegeben mehr oder weniger zufällig, ein Viele-Welten-Model (many worlds model) gefunden, welches anschaulich macht wie die Nichtlokalität im Einstein-Podolsky-Rosen Paradox sich direkt aus der Tatsache ergibt, dass die Quantummechanik ein sogenannter Modal-Realismus mit „Extra-parallel-Welten“ ist. Solch philosophische Einsichten sind was mich obsessiv zur Wissenschaft treibt, alles andere sind technische Kleinigkeiten welche auch anders sein könnten.

    4. Was ist Ihrer Meinung nach DIE grösste wissenschaftliche Errungenschaft/Neuerung?
    Eine einzige zu nennen würde unzureichend sein. Wenn wir mal lang vergangene Zeiten vernachlässigen und uns auf die Errungenschaften beschränken welche auch für unsere Zukunft die bedeutensten und folgeschwersten sind, dies sind ohne Zweifel generelle Evolutionstheorie (Darwinismus im weitesten Sinne) und Quantummechanik in der Theorie, und Nanotechnologie und Komputer praktisch. Wir könnten uns auch in einer nicht-relativistischen parallel-Welt gefunden haben, aber Quantummechanik modifiziert die gerade oft wissenschaftlich angenommene direkte Realität und Nanotechnologie zusammen mit künstlicher Intelligenz und generellem Darwinismus machen uns Menschen zu Dinosauriern. Was Quantummechanik und Evolution wirklich bedeuten ist den meisten Menschen, auch den allermeisten Wissenschaftlern, noch überhaupt nicht aufgegangen.

    6. Welche Frage der Wissenschaft würden Sie gerne beantwortet haben?
    Ist die Quantummechanik tatsächlich komplett linear? Diese Frage sitzt als Angelpunkt am Fundament. Dies ist unter anderem auch mit dem „Diosi-Penrose Criterion“ verwand. Es hat mit der Realität von quantum Boltzmann Gehirnen und wahrscheinlich zumindest indirekt auch mit der phenomenalen Existenz von (subjektivem) Bewustsein zu tun. Dies gehört zu dem Fragenkomplex den ich gerne beantworted sehen möchte. Eine gewisse Antwort würde alle anderen Fragen fast überflüssig machen. Wenn die Welt „nur mein Traum“ ist, kann es mir fast egal sein wie ich sie mir im Detail konstruiere.

    8. Was sollte an der Wissenschaft anders sein?
    „Soll“ ist nicht nur immer relativ in Hinsicht auf ein Ziel (welches – Ich weiss es nicht) sondern auch abhängig davon ob unsere Entscheidungen überhaupt Konsequenzen haben können welche mehr als nur unbeabsichtigte Nebenwirkungen sind. Ich mache mir da wenig Illusionen, einfach weil Ko-evolution die effectivste „Konspiration“ überhaupt ist. Trotzdem wünsche ich mir manchmal, dass die Wissenschaft weniger als Ersatzreligion auftritt, Wissenschaftler selbstkritischer sind, es weniger ein System von Geschäftsverbindungen und Seilschaften ist, weniger publiziert wird und stattdessen besser, weniger Pseudowissenschaft überlebt wärend wichtige Kritik nicht Wissenschaftsintern effektiv zensiert wird, … oh so vieles. Ich weiss nicht so recht wie es jetzt in Deutschland ist, aber im Englischsprachigen Raum vertrauen immer weniger Menschen der Wissenschaft, obwohl immer mehr mit Technologie verliebt sind. Meines Erachtens ist die Wissenschaft und sind Wissenschaftler zum Teil selbst dafür verantwortlich. Sie weisen es aber zurück und behaupten, dass dies nur eine Vertrauenskrise ist, und dass es die Schuld anderer ist, der erz-konservativen Politiker, der populistischen Oportunisten, der Religiösen, der schlechten Schullehrer, der Medien, der dummen Bürger, alle nur nicht die Wissenschaft. Aber die Wissenschaft ist selbst in einer Krise, und insbesondere die Art und Weise des Peer-reviewing und die Publish-or-Perish Kultur haben einen verherend korrosiven Einfluss. Die Bürger sind gar nicht mehr so dumm; die wissen immer mehr darüber was in der Wissenschaft vorgeht, auch was in der Wissenschaft als sozialer Struktur wirklich passiert. Solange es dort keine grundlegenden Veränderungen gibt, wird die Situation noch schlechter werden. Eine arrogante Wissenschaft und Wissenschaftsfeindlichkeit sind gefährlich in einer technologischen Welt die demokratischen Entscheidungsprozessen „unterliegt“.

    9. Wie sieht für Sie die Wissenschaft der Zukunft aus?
    Wissenschaft ist auch „nur“ eine emergente Struktur, wobei die Wissenschaft partiel eine Macht stabilisierende und auch von vornherein kognitive Funktion erfüllt, in diesem Falle ist es Teil des selektiven Wahrnehmungsapparates sozialler Systeme (im Sinne der Systemtheorie, zum Beispiel Niklas Luhmanns). Generelle Evolutionstheorie sollte daher mitbedacht werden. Die Wissenschaft der Zukunft wird nicht so aussehen wie wir, nämlich technisch erweiterte humanoide Systeme (individualistisch, semi-autonom), sich vorstellen (können). Die Wissenschaft der Zukunft ist ein wichtiger Bestandteil von dem welches es unmöglich machen wird auch nur rebellieren zu wollen.

    10. Was war/ist der grösste Fehler/ das grösste Manko der Wissenschaft?
    Im Moment ist es eindeutig die Publish-Or-Perish Kultur. Wir Wissenschaftler hängen fast 100% unsere Zeit vor dem Komputer und schreiben schreiben schreiben (mal ganz von der Zeit abgesehen die wir mit Forschungsanträge schreiben verbringen, mit Lehre, Betreuung von Studenten, administrative Sachen, und all die Karriere-Spielchen und was dazu gehört, Konferenzen und so weiter und so fort). Es ist einfach kaum Zeit mehr da um wirklich zu lesen, weiter zu studieren, tiefer zu denken, und insbesondere selbst-kritisch zu hinterfragen. Wärend die Wissenschaft immer mehr und komplizierteres Wissen ansammelt, haben Wissenschaftler immer weniger Zeit sich damit auseinanderzusetzen. Relativ zu den Problemen die Technologie und Wissenschaft mit sich bringen, wissen Wissenschaftler immer weniger. Aber das ist natürlich nur ein „Fehler/Manko“ im romantisch verklärten Sinne. Was wir hier vielleicht wirklich sehen ist einfach eine Folge der Evolution der Wissenschaft als integriertes Organ. Es ist ja das Tier welches seine Welt wahrnimmt, wärend die Zellen seiner Augen gar nichts erkennen, ja sogar in ihrer eigenen Welt leben. Wissenschaftler sind halt nur Bestandteile der Wissenschaft. Wissenschaftler haben wissenschaft gemacht, aber nun macht die Wissenschaft halt die Wissenschaftler.

    Weitere Informationen
    Weitere Informationen über mich und meine Arbeit gibt es auch auf meiner Wissenschafts Kolumne (www.science20.com/alpha_meme) auf Science2.0 (www.science20.com), wo ich seit einem Jahr ein „featured Author“ bin. Meinen Arbeitsplatz und Laboratorium zum Beispiel beschreibe ich hier:
    http://www.science20.com/alpha_meme/blog/science20_workplaces_pilot_mad_scientist_lab_versus_chinese_red_banners-87542
    http://www.science20.com/profile/sascha_vongehr

    [Antwort]

  3. “und ich Deine Kommentare und Zitate nur bedingt nachvollziehen kann”
    Na wunderbar – was immer die Bedingungen sein moegen, Du kannst Sie zum Teil nachvollziehen, was mich freut. Vielen Dank nochmal, and halte nicht zurueck im Falle dass Du uns aufklaeren kannst. Also die Frage (auf meinem Blog) war ja wie man sich am besten erklaert warum es zu gewissen sinnbeintraechtigenden Aenderungen kam. In aller Ernsthaftigkeit wuerde mich (und ich bin mir sicher viele andere) das interessieren; outreach/communication – darum geht es uns ja, von daher ist es bedeutsam Miskommunikation zu analysieren. Da bin ich mir sicher das es auch in Eurem Interesse ist, und wenn auch nur um dem Eindruck vorzubeugen alle Interviews hier sind stark in was immer Richtung “transformiert”. ;-)

    [Antwort]

  4. Smitty sagt:

    Beim Lesen des Artikels dachte ich, es handele sich um eine redaktionelle Zusammenfassung eines mündlich, evtl. telefonisch, geführten, Interviews. Nun sehe ich, das Interview lag bereits schriftlich vor und war auch nicht sehr viel länger als die Zusammenfassung.

    Meiner Ansicht nach hätte das Interview 1:1 abgedruckt werden sollen, was ja auch jetzt geschehen ist. Die redaktionelle Leistung liegt in der Auswahl der Fragen, ggf. noch in der Verbesserung eventueller Tippfehler u.ä.

    Ansonsten sollte sich die Redaktion weiterer Eingriffe enthalten.

    [Antwort]

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