Virologe und Kommunikator

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Felix Bohne ist promovierter Biologe, der als Assistent und Postdoc am Institut für Virologie der Technischen Universität München und am Helmholtz Zentrum München arbeitet. Er ist Mitbegründer und Autor dieser Wissenschaftskommunikationsseite und bei der Verwirklichung von A Scientist a day mit beteiligt.


Sein Weg zur Wissenschaft

Nach dem Abitur -er hatte Biologie in der Oberstufe abgewählt!- ging es zum Zivildienst und anschließend absolvierte er eine Schreinerausbildung. `Da mich natürliche Vorgänge schon immer interessiert hatten, bewarb ich mich parallel auf einen Studienplatz für Biologie´erinnert sich der heutige Biologe. Natürlich hatte er dabei auch das Bild von Diane Fossey und Jane Goodall im Geiste. Die Liebe zur Natur hatten ihm nicht zuletzt seine Mutter und Oma bereits in frühen Jahren beigebracht, die aus ihm einen fachkundigen Botaniker machten. Als er dann eine Zusage für das Studium in Konstanz erhielt, konnte es losgehen mit der Karriere als Wissenschaftler.

Der richtige Weg

Im Großen und Ganzen ist der Forscher dort wo er sich von Anfang an gesehen hat. `Ich hatte eigentlich immer eine akademische Laufbahn vor Augen´erinnert er sich. Nur den konkreten Inhalt seiner Arbeit hatte er nicht vorausgesehen. Er ist in der Virologie mit klinischer Relevanz tätig und nicht auf Beobachtungstour von Primaten im Dschungel Afrikas.

Seine größte wissenschaftliche Errungenschaft

Während seines Postdocs in Barcelona hat er sich mit Lebertransplantationspatienten beschäftigt. In diesen Patienten ist es möglich, die immunsuppressiven Medikamente schrittweise abzusetzen und in ca. 20 Prozent der Patienten führt dies zu einer medikamentfreien Toleranz des transplantierten Organes. Bei der Untersuchung dieser Patienten hat er Hinweise auf eine Beteiligung des Eisenstoffwechsels an der Ausbildung der Toleranz entdeckt. `Dies war vollkommen neu und wird mich hoffentlich/vielleicht den Rest meines wissenschaftlichen Lebens begleiten´erklärt er begeistert.

DIE größte wissenschaftliche Errungenschaft

Das sei schwer zu beantworten, da es eine Vielzahl gäbe. Um nur ein paar zu nennen zählt er die Evolutionstheorie, die Entdeckung der DNA, oder die Entwicklung medizinischer Neuerungen wie Insulin, Antibiotika oder Impfungen auf, die Millionen Menschen das Leben gerettet haben. `Aber auch aktuelle Errungenschaften wie die antiretrovirale Therapie Bei HIV oder die letzten Herbst zugelassenen spezifischen Medikamente zur Behandlung der chronischen HCV-Infektion sind bahnbrechend´sagt der fachkundige Immunologe/Virologe.

Der/Die größte WissenschaftlerIn

Bohne nennt prompt Charles Darwin, weil dessen Formulierung der Evolutionstheorie mit den damals zur Verfügung stehenden Daten und unter den damals herrschenden religiösen Einschränkungen eine unheimliche Leistung war. Die Theorien Darwins sind bis heute einer der Motoren der modernen biologischen Forschung.

Frage an die Wissenschaft

Felix fragt sich ob wir eines Tages die ganze Komplexität des organischen Zusammenspiels und der Wechselwirkungen von Erbinformationen, Umwelteinflüssen und Kultur soweit auflösen können, dass jede beliebige Änderung im System zu einer vorhersagbaren Reaktion führt.
`Bis jetzt ist jeder denkbare wissenschaftliche Versuchsaufbau nur eine Simulation der Wirklichkeit mit so stark vereinfachten Bezugsgrößen, dass sich ein messbares Resultat ableiten lässt´, erklärt er. Dies spiegele sich auch in Studien mit `echten´ Patienten wieder, die immer wieder zu unerklärlichen oder nicht-reproduzierbaren Ergebnissen führten. Das liege daran, dass das Modell Mensch mit all den genannten Einflussgrößen unsere Messsysteme schlicht überfordere.

Die andere Wissenschaft

`Ich bin gerne Wissenschaftler, der Job macht mir eine Menge Spaß´ sagt der Biologe. Dennoch lasse ihn die zunehmend beklemmende Situation in Deutschland und der ganzen Welt was Beschäftigungsverhältnisse und Finanzierung angeht, manchmal über Alternativen nachgrübeln. Auch wenn diese ihm eigentlich nicht besonders erstrebenswert vorkommen. `Aber eine finanzielle Absicherung ist eben doch ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden´schliesst er.

Seine Vision für die Wissenschaft der Zukunft

Abgesehen von den zuvor genannten Sicherheiten die er für erstrebenswert hält, stellt er sich die Wissenschaft der Zukunft phantastisch vor. Die Weiterentwicklung und Verbesserung bekannter Methoden und die neue Entwicklung von noch unbekannten Methoden geht im Moment so rasant von statten, dass wir bis in einigen Jahren in ungeahnte Tiefen der Datenanlyse vordringen sollten. Und dies könnte zur Klärung seiner Frage an die Wissenschaft durchaus beitragen.

Felix Bohne ist Autor auf Science-meets-society.com und dem gleichnamigen Blog auf Scienceblogs.

 

Du kannst auch bei A Scientist a day teilnehmen, mehr Information dazu gibt es hier.

You can also participate in A Scientist a day, find more information in english here.

 

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Kategorie: A Scientist a dayFeatured

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