BAW-Rückblick und WeiterGen

Die brain awarness week war ein voller Erfolg, der vor allem dank der vielen Beteiligten und Interessierten so vielseitig war.

Ein herzliches Danke an alle die Beiträge eingeschickt , ihre brain-Wörter der word cloud zugefügt haben, an alle Leser und die viele Unterstützung.

Die Gehirn Woche hat wohl vor allem bei den Kindergartenkindern der deutschen Schule in Barcelona grossen Eindruck geschunden, denn sie erklären nun alle ihren Spielkameraden was es mit dem Gehirn auf sich hat. Virale Wissenssweitergabe im Kindergarten!!!evolution BAW Rückblick und WeiterGen

Viele haben es leider nicht geschafft uns ihre Beiträge noch rechtzeitig zukommen zu lassen, aber wir freuen uns auch ausserhalb der brain awarness week über Gastbeiträge und Kommentare.

Es wird aber WeiterGen, unter anderem hier in folgendem Gastbeitrag von Tobias Maier.

Er, ein bloggender Biologe aus Barcelona hat ein schöne Rezession zu einem der genannten neurobiologischen Bücher von Jonah Lehrer, “Proust was a Neuroscientist”, geschrieben und bietet sie uns hier als Gastbeitrag an. Vielen Dank Tobi!

Marcel Proust war Neurowissenschaftler, Beitrag von T. Maier von WeiterGen

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Die Neurowissenschaften sind eines der komplexesten und interessantesten aktuellen Forschungsgebiete. Hier eine Rezension des Buches “Proust was a Neuroscientist” von Jonah Lehrer. Der Autor schafft es, Brücken zwischen Literatur, Kunst und Musik zu Forschungsergebnissen aus den Neurowissenschaften zu schlagen.


Ich fange deutlich mehr Bücher an zu lesen, als ich tatsächlich beende. Es ist eine Unsitte und hauptsächlich meiner Ungeduld geschuldet, manchmal auch der Qualität der Texte. Das letzte Buch auf meinem Nachttisch hieß “Proust was a Neuroscientist” von Jonah Lehrer. Ich bin froh, dass ich mich geduldig durch das erste, eher schwache Kapitel gequält habe, danach wurde das Buch beständig besser.

Proust was a Neuroscientist ist ein Buch in acht Kapiteln. Jedes handelt von einem Künstler oder einer Künstlerin, dessen oder deren Ideen, Wirken und Werke bestimme Ergebnisse und Erkenntnisse der Neurowissenschaften und der Gehirnforschung vorausgesehen zu haben scheinen, oder zumindest illustrativ taugen. Dieser rote Faden, der sich mehr oder weniger geradlinig durch die knapp 200 Seiten zieht macht das Buch unterhaltsam und lehrreich zugleich. So sollen populärwissenschaftliche Bücher sein.


Lehrer nutzt Walt Whitman um über die Untrennbarkeit von Körper und Geist zu referieren, Paul Cézanne um zu erklären, wie das menschliche Gehirn visuelle Reize verarbeitet. Auguste Escoffier, der Erfinder der Bouillon, wird zum Entdecker eines neuen Geschmackssinns, Igor Stravinski’s Sacre du Printemps dient der Illustration der Wahrnehmung und neuronalen Verarbeitung von Musik. Gertrude Steins eigene Art zu schreiben (eine Rose ist eine Rose ist eine Rose) nimmt die neurowissenschaftliche Entdeckung einer universellen, angeborenen Grammatik vorweg.

Virginia Woolfs psychoanalytische Sezierungen der Gedankenwelt ihrer Protagonisten dient als Hintergrund um die flüchtige, nicht fassbare Illusion einer Realität neurobiologisch zu erläutern, und ein Ausschnitt aus Marcel Prousts Suche nach der verlornen Zeit (eines der Bücher, die ich nie fertig gelesen habe), in dem es um einen in Tee getauchten Zitronenkekses geht (der Keks hat es bis vorne aufs Buch geschaft, siehe Foto), erklärt einerseits die spezielle Reizverarbeitung von Geruch und Geschmack im menschlichen Gehirn und andererseits Prozesse bei der Erinnerung an Vergangenes: “A memory is only as real as the last time you remembered it. The more you remembers something, the less accurate the memory becomes“.

Im ersten Teil der jeweiligen Kapitel werden die Künstler und ihr Werk vorgestellt, im zweiten Teil werden deren Kunstwerke, Thesen und Ideen vor dem Hintergrund neurobiologischer Erkenntnisse und Forschungsergebnisse erläutert. Lehrer schafft es so, mehrfach plausible Brücken zwischen Kunst, den Geisteswissenschaften, und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu schlagen. Ein wunderbarer Ansatz, der fast durchweg flüssig gelingt, logisch klingt und nicht konstruiert wirkt.

Auf den letzten Seiten des Buches, in der sogenannten Coda, kritisert Lehrer den Postmodernismus: “Too often postmodernism – that most inexplicable of -isms – endulges in cheap disavowels of science and the scientific method” und in der Danksagung nennt er Postdocs die “leidenden Künstler des einundzwanzigsten Jahrhunderts“. Was will man mehr.


Proust was a Neuroscientist ist 2008 auf englisch bei MarinerBooks erschienen und kostet bei Amazon 10,50 Euro BAW Rückblick und WeiterGen Jonah Lehrer, der Autor schreibt übrigens das Blog “Frontal Cortex” bei ScienceBlogs.com. Ein Essay von ihm war hier schon mal Thema bei WeiterGen. Lehrers neues Buch heißt How We Decide BAW Rückblick und WeiterGen.

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Kategorie: FeaturedWissenschaft und Gesellschaft

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