Fettleibigkeit: kleines Hirn? kurzes Leben?…

Dass Fettleibigkeit nicht gerade sinnvoll ist für den Körper weiss inzwischen wohl jeder, doch gibt es immer noch sehr viele Menschen, die sich den Folgen von Fettleibigkeit auf ihre Gesundheit nicht bewusst zu sein scheinen.

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BMI laut Wikipedia

Ob jemand als fettleibig eingestuft wird, ist der Abb, in welcher der Body Mass Index der sich aus Gewicht pro Körpergrösse ergibt, zu entnehmen. Auch wenn der BMI heutzutage nicht mehr als Mass aller Dinge betrachtet werden kann, so gibt er doch ganz grob Leitwerte an. Beispielsweise sollte ausser Diskussion stehen, dass ein Körpergewicht von 120 kg bei einer Körpergrösse von 160 cm nicht unbedingt dem Optimum entspricht – abgesehen von der aktuellen Mode und den Schönheitsidealen die gerade die Welt dominieren sollten.

Nicht nur das viele Fett am Körper ist die Folge von Fettleibigkeit!

Die Liste der zu erwartenden Probleme bei Fettleibigkeit ist lang. Abgesehen von den offensichtlichen Problemen wie der Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Atemnot, werden die Gelenke, Knochen und Muskeln belastet. Bluthochdruck stellt sich ein, Zuckerkrankheit ist weitaus häufiger, Herzinfarkte ebenfalls, Organe versagen,  neuronale Erkrankungen treten im Alter früher ein… die Liste ist lang.

In einem Artikel mit der reisserischen Überschrift `viel Speck, wenig Hirn´wurde in Spiegel Online Ende 2009 folgende Forschungsergebnisse zusammengefasst. Je mehr Gewicht ein Mensch auf die Waage bringt, desto leichter ist das Gehirn… Das ergab eine Studie um den Forscher Paul Thompson von der University of California in Los Angeles, der Probanden mit normalem und Übergewicht in Kernspintomografen schob um ihre Gehirne zu vermessen.

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MRI Gehirn

Fettleibigkeit und die Grösse des Gehirns scheinen dieser Studie zufolge zu korrelieren, zumindest ergaben die Daten dass bestimmte Areale bei Übergewichtigen Menschen im Vergleich zu normal gewichtigen verkleinert vorlagen. Von einer Gehirnatrophie, einem verfrühten Sterben von Nervenzellen im Gehirn spricht der Forscher. Besonders bei älteren Menschen sei das deutlich zu beobachten und da Gehirnareale wie der Hippocampus impliziert sind, die für Lern- und Gedächtnisprozesse verantwortlich sind, gerklärt sich warum korpulentere alte Menschen im Vergleich mehr Gedächtnisprobleme haben als ihre dünneren Tischnachbarn.

Fettleibigkeit korreliert nicht mit der Häufigkeit von Glioblastomen

Fettleibigkeit ist aber nicht die Ursache allen Übels. So konnte in einer aktuellen Studie der Verdacht auf eine Korrelation zwischen der Häufigkeit von Glioblastomen (bösartigen Hirntumoren) mit einem hohen BMI nicht gezeigt werden.

Dass sich die Gehirne von unterschiedlich voluminösen Menschen unterscheidet scheint allerdings ein Fakt zu sein. Bleibt die Frage ob die Degeneration bestimmter Gehirnareale eine Folge der Fettleibigkeit ist, oder ob das Absterben der Neurone eine andere Ursache hat und zu Fettleibigkeit führt? Die Reihenfolge: erst dick werden, dann graue Substanz verlieren, scheint nach aktuellem Stand der Forschung allerdings wahrscheinlicher.

Fettleibigkeit bei Kindern führt zu einer verkürzten Lebenserwartung

fat  e1284633467440 Fettleibigkeit: kleines Hirn? kurzes Leben?...Alle wollen wir ewig leben und unsere Generation kann sich entspannt zurück lehnen, denn wir werden ja immer älter. Die gute Ernährung, Sicherheit und medizinische Versorgung ermöglicht es. Doch Fettleibigkeit ist auch bei den Jüngsten ein Thema und kann uns ein Strich durch die `ich werde uralt´-Rechnung machen. Immer wieder wird das Thema Fettleibigkeit von Sendungen wie dieser von Quarks und Co aufgegriffen. Hier werden im Vergleich Kinder von 1960 und 2010 gezeigt, Ihr Bewegungs- und Essmuster im Alltag und schlicht dargestellt dass:

- ein Kind von heute mit weniger Bewegung auch schlechter Knochen und Muskelmasse aufbaut, was zu Haltungstörungen führt

- ein Kind von heute sich nicht nur weniger bewegt, sondern vor dem Fernseher/Computer etc., auch meist mehr sehr Kalorienreiche Nahrung zu sich nimmt, was das Körper -, vor allem das Fettvolumen, immer weiter zunehmen lässt

- durch das erhöhte Körpervolumen das Blutvolumen zunimmt, wodurch das Herz mehr Arbeit zu leisten hat, Bluthochdruck ist hier die Folge und damit haben die Betroffenen ein höheres Risiko an Herz-/Kreislauf Beschwerden zu leiden, gar einen Infarkt zu bekommen.

Mehr Bewegung+gesunde Ernährung

Der heutige Trend ist: sich mehr bewegen, gesünder ernähren und vor allem nicht so viel zwischendurch zu sich zu nehmen. Man hat es heute aber auch schwer, denn bei dem guten Lebensstil und der Reichhaltigkeit aller Nahrungsmittel ist fast jeder mehr oder weniger immer auf Diät.

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Quelle. Wikipedia

Der Ländervergleich zeigt das sicher auch eine gewisse Esskultur eine entscheidende Rolle bei Fettleibigkeit spielt.

Bei Kindern dachte sich die Videospielbranche mit Spielen Erfolg zu haben, die  Bewegung und Körpereinsatz verlangen. Einer Studie zufolge, nach der die Probanden auf Freiwilligenbasis die Spiele nutzen konnten zeigt allerdings traurige Ergebnisse. Blutdruck und sonstige Messwerte beim Spielen entsprachen denen bei einem Krafttraining, so weit so gut. ABER: die Probanden nutzen das Spiel anfangs sagenhafte 30 Minuten pro Woche, während das Interesse nach 4 Wochen bereits bei 0 Minuten lag. So kann natürlich auch der beste Ansatz zunichte gemacht werden…

Noch mehr Zahlen in Kürze bietet dieses eingängige Filmchen des TOBI Projektes:

TOBI steht für Targeting Obesity-driven Inflammation und ist ein von der EU gefördertes Programm, in dem sich Gruppen von Wissenschaftlern zusammen getan haben um sich gemeinsam der Aufgabe zu stellen: Lösungen für eine moderne Epidemie, der Fettleibigkeit, zu finden.

Literatur:
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Jones LW, Ali-Osman F, Lipp E, Marcello JE, McCarthy B, McCoy L, Rice T, Wrensch M, & Il’yasova D (2010). Association between body mass index and mortality in patients with glioblastoma mutliforme. Cancer causes & control : CCC PMID: 20838873

Und ein nur als epub erhältlicher Artikel der in research blogging noch nicht gefunden wird:

Radon K, Fürbeck B, Thomas S, Siegfried W, Nowak D, von Kries R., Feasibility of activity-promoting video games among obese adolescents and young adults in a clinical setting. J Sci Med Sport. 2010 Sep 11. [Epub ahead of print]

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