Mann versus Frau

Autor: UliBB

Immer wieder heiss diskutiert wird das Thema der Geschlechterverteilung in einzelnen Berufen und Positionen. So auch in der Wissenschaft. Während es füher noch als reine Männersache galt sich den Naturwissenschaften zu widmen, so gibt es dort heutzutage unzählige Frauen. Komischerweise zeigen alle Statistiken allerdings, dass in der beruflichen Karriere Frauen zu einem sehr geringen Anteil in führenden Positionen vertreten sind.

 Mann versus Frau
Street Art in Berlin: ein Aufruf zum Ausbruch aus den traditionellen Geschlechterrollen. Quelle: Wikipedia

Tobias von Weitergen hat Ende letzten Jahres in seinem Blog bereits versucht Meinungen dazu einzuholen. So zitiert er die Anstrengungen der Europäischen Organisation für Molekularmedizin (EMBO)
Frauen zu fördern (hier), ebenso wie das 2008 erstellte Professorinnenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Antworten bekam er leider viel zu wenige und recht zurückhaltende. Es wurden wieder die Punkte angesprochen dass solche Förderprogramme ja nicht nötig seien, da Kompetenz und nicht das Geschlecht ein Auswahlkriterium sein solle. Dieser Meinung war Tobias auch als er zuvor einen Artikel über dieses Thema schrieb, besann sich dann aber eines Besseren und meinte `Die Tatsache, dass deutlich weniger Frauen Führungspositionen inne haben ist trotzdem gegeben und die Frage warum das so ist, ist nicht einfach zu beantworten.´

Diese Frage soll hier noch einmal aufgeworfen werden. Woran liegt es denn, dass Frauen unterrepräsentiert sind in führenden Positionen? Liegt es daran dass Frauen möglicherweise Kinder bekommen?

Hilf Frauen in der Wissenschaft zu bleiben?!

Bereits im September 2007 schrieb the Scientist wie man Frauen helfen könne in der Wissenschaft zu bleiben (help woman stay in science). Angeregt wird mit ein paar Tipps und Tricks wie man das erreichen kann wie beispielsweise: `Call a woman scientist from time to time, to chat about science, a recent breakthrough, your puzzling results, their puzzling results. Even better, call one once a week´. Haben die Frauen das nötig? Ja und nein. Nein weil sie selber gross sind und es irgendwie komisch anmutet dass sich jemand in dieser Weise um einen `kümmern´muss. Ja, weil es offensichtlich ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern beim Arbeitsmarkt und auch in der Bezahlung gibt, die möglicherweise daher ruht, dass Männer eher Männer einstellen, vorschlagen, sie als Gesprächs- oder Beratungspartner hinzuziehen. Und da Männer das vorherrschende Geschlecht in führenden Positionen sind, kann es kaum zu einem natürlichen Ausgleich kommen.

Daher die vielen Anstrengungen Frauen in den entsprechenden Positionen zu etablieren. Daher die Professorinnenstellen, die Frauen-only Auszeichnungen etc. etc.

Kinder als Grund für den Ausstieg aus der Wissenschaft?

Ende letzten Jahres erschien ein Artikel im The Scientist über eine Umfragen des Zentrum für amerikanischen Forschritt (Center for American Progress), die doch tatsächlich ergab, dass Frauen möglicherweise aus der Wissenschaft aussteigen, weil sie Nachwuchs bekommen. In einem vorherigen Artikel wurde Ähnliches berichtet und für ein paar Wochen mehr Mutterschutz pläderiert. Doch auch den sollten sich dann all die Betroffenen nehmen dürfen, denn die Rechte sind leider nicht gleich verteilt – je nach Stellung der Wissenschaftlerin. Unsichere Arbeitsverträge führen oft dazu, dass eine Wissenschaftlerin, die am Anfang ihrer Karriere steht, diese noch einmal überdenkt, sollte sie ein Kind bekommen. Da man als Wissenschaftlerin durch das lange Studium ja ohnehin oft mit über 30 erst Kinder bekommt und dann in eben solch einer unsicheren Anstellung steckt, ist dies wieder eine verzwickte Situation.
Ausserdem kann jede Frau die ein Kind auf die Welt gebracht hat bestätigen, dass auch die vorgeschlagenen 6 Wochen kaum ausreichen um dann wieder voll arbeiten und leistungsfähig sein zu können. Selbst jeder Vater wird das auch bestätigen können, denn er wird zwar nicht gefragt, leidet aber ebenfalls unter der Schlaflosigkeit und der 100% Lebensumstellung und wird sicher nicht so leistungsfähig sein in den ersten Monaten und möglicherweise auch danach nicht. Dennoch gilt das Vater-sein im Allgemeinen nicht als `negatiges´Kriterium bei der Einstellung oder Förderung.

Muttermilch oder Arbeit?

Ausserdem fragt man sich doch wie die heiss beworbene Fütterung des Neugeborenen mit Muttermilch funktionieren soll, wenn diese nicht anwesend ist. Sie könnte natürlich ständig abpumpen, sollte sie so viel Milch produzieren, oder sich das Kind hinterhertragen lassen, was einen enormen organisatorischen Aufwand mit sich bringt und meist auch gar nicht aus den räumlichen Gegebenheiten möglich ist. Oder könnt Ihr Euch vorstellen wie eine frisch gebackene Mutter im Labor (mindestens Sicherheitsstufe 1, sprich unbefugtes nicht geschultes Personal dürfte es eigentlich gar nicht betreten) das Kind anlegt? Soll sie lieber ins Büro? Dummerweise haben nur die Gruppenleiter so etwas, und da gibt´s ja kaum noch Frauen, oder sie sind aus dem Alter des Fortpflanzens bereits raus. Mindestens 3-4 Monate Muttermilch werden empfohlen, um dem Kind das best mögliche Immunsystem mit auf den Weg zu geben. Demnach sollte auch der verlangte Arbeitseinsatz an die Frau an diese Zeit angepasst werden. Sprich Halbtags, Stundenweise pausieren oder wie sie es am besten regeln kann. Mindestens in der Wissenschaft, aus der diese Erkenntnisse stammen, sollte diese Regelung doch gang und gäbe sein?

Und wer kümmert sich dann um das Kind? Auch das wird in der oben benannten Tippliste als einer der Punkte aufgeführt: `Support the development of a child care center at your university or college. Women produce babies and they need the day care.´

Nachwuchs bedeutet immer einen zeitlichen Ausfall bei der Arbeit

Aber sollte das tatsächlich ein Kriterium sein um jemanden weniger zu fördern? Und um vom tatsächlichen Kinder kriegen weg zu kommen – warum impliziert man automatisch dass jede Frau ein Kind bekommen wird und bietet ihr damit schlechtere Berufschancen? Welche Garantie hat man, dass der Mann nicht ebenfalls aus irgendwelchen Gründen ausfallen könnte oder tatsächlich produktiver ist?

Des Weiteren werden immer mehr Programme geschaffen, um Gelder für Personal verfügbar zu machen, das in der Zeit, in der die Mutter freigestellt ist, einspringen kann. Aber auch das ist nur eine Zwischenlösung, denn in vielen Berufen, so auch in der Forschung, ist die Thematik so speziell, dass nicht mal kurz jemand Neues für ein paar Monate eingestellt werden kann, um alles am Laufen zu halten. Eine Einlernphase wäre von Nöten, doch die wird im Allgemeinen nicht gefördert.

Ein weiteres Problem des Kinder kriegens ist die schlechte zeitliche Planung wie das Beispiel von May C. Morris zeigt, einer Wissenschaftlerin die sich für eine Gruppenleiterposition bewarb und dummerweise genau an dem stattfindenden Interviewtermin den voraussichtilchen Geburtstermin hatte. Sie wurde immerhin vor die Wahl gestellt es darauf ankommen zu lassen das Baby während des Interviews zu bekommen, die Geburt fühzeitig zu induzieren um kommen zu können, oder eben ihre Bewerbung zurückzuziehen. Es sei nämlich unfair den anderen Bewerbern gegenüber den Termin zu verschieben. Anträge werden oft in einem grossen zeitlichen Abstand zu dem wichtigen Termin gestellt.
Beispielsweise bietet man der Universität die Möglichkeit, dass Studenten im Labor ihre Diplomarbeit durchführen können, doch bis diese(r) ein Jahr später endlich kommt ist man schwanger oder hat das Kind gerade erst bekommen?

Kinder sind tatsächlich schwer mit einer Karriere zu verbinden. Dennoch kann die Familie und die Arbeit verknüpft werden, was immer eine enorme Herausforderung für die Eltern darstellt. Sollte das System nicht auch Menschen die sich fortpflanzen wollen eine Karriere ermöglichen? Denn das ist ja das was die Politik angeblich will und braucht – mehr Kinder, auch von Menschen mit einer fundierten langwierigen Ausbildung und guten beruflichen Aussichten.

Warum gibt es weniger Frauen in Führungspositionen?

Welche Gründe gibt es noch dafür, dass Frauen weniger repräsentiert sind? Ist es mangelnde Intelligenz der weiblichen Kolleginnen? Haben Frauen ein schlechteres wissenschaftliches Denkvermögen? Sind dann die Frauen die es geschafft haben die Ausnahme und eigentlich halbe schlaue Männer? Wenn Frauen nicht das Zeug dazu hätten, wäre das nicht schon längst wissenschaftlich belegt, um der ewigen Diskussion ein Ende zu schaffen? Wären dann nicht all die Bemühungen Frauen zu integrieren vollkommen sinnlos und reine Zeit- und Geldverschwendung?

Manche sagen, dass in Führungspositionen ein gewisser Kampfesgeist von Nöten ist, der im Allgemeinen bei Frauen nicht ganz so stark ausgeprägt ist wie beim männlichen Geschlecht. Kommen dann nur die kampfeslustigen weiter? Tatsache ist, dass eine Frau oft mehr kämpfen muss um das Gleiche zu erreichen. Dann wird sie gerne als Zicke oder streitlustige Person bezeichnet. Ein Mann hingegen, der sich behauptet wird eher als taff und Held der Stunde gefeiert. Sind Frauen so? Sind Chefinnen so viel schlimmer als Männer? Aggresiver oder nicht aggressiv genug? Unfähiger? Unsicherer? Zurückhaltender?

Was ist Deine Meinung/Erfahrung?

All diese Fragen scheinen nicht geklärt zu sein und jeder hat da auch seine ganz eigene Meinung, die interessant zu hören wäre. Will sich jemand dazu äussern, gerne auch direkt an info@science-meets-society.com?!

Für alle Interessenten werden auch Kurse angeboten, die eben dieses Thema behandeln. Sie sind offen für jeden Mann und jede Frau (hier)

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Kategorie: Wissenschaft und Gesellschaft

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  1. Tobias sagt:

    Ein Haufen wahres dran, an dem was du schreibst. Es sind verschiedenste Level der Diskriminierung.
    Ein weiterer Punkt ist die Art Bewerbungen zu schrieben. Männer sind da aggressiver, Frauen vermeiden manchmal sogar zu schreiben, was sie für den Job qualifizieren sollte. Das gleiche gilt bei Bewerbungsgesprächen. Männer sind eher aggressiv und direkt, Frauen zurückhaltend. Oder zumindest – wie du auch schreibst – wird Frauen eine aggressive und fordernde Art schneller als Hysterie ausgelegt als bei Männern.

    [Antwort]

  2. Ulino sagt:

    Hmm, meine Erfahrung mit Bewerbungen in den letzten Jahren ist so: Falls Frau eine Karriere in der Wissenschaft plant, ist das vor allem in D sehr gut moeglich. Gerade wegen des Mangels (Versuch zur Rettung des Genetivs) an fraeulichen Professoren, wird in D sehr verstaerkt das weibliche Geschlecht eingestellt. Von den ca. 10 Faellen, die ich entweder aktiv gesehen oder aus erster Hand erfahren habe, sind Frauen auch bei deutlich schlechterer Publikationsleistung bevorzugt eingestellt worden. Geht so soweit, dass ein Kollege von mir mit ueber sehr guten 50 Publikationen nicht der Vorzug vor einer Frau mit 5 mittelmaesigen Publikationen bekommen hat. Laesst sich streiten, ob das sinnvoll ist oder nicht. Insgesamt ist sowohl die Wissenschaft, als auch D, eine absolute Ausnahme, und ich wuerde allen XX Traeger in der Forschung empfehlen weiter zu machen. Ausser man hat keinen Bock drauf, was auch sehr gut zu verstehen ist, da Forschung in D etliche andere Probleme mit sich zieht. Kinder aufzuziehen und Karriere nebenher zu machen ist mit Sicherheit in allen Fuehrungspositionen extrem schwierig, aber ich denk, das es in der Wissenschaft noch am einfachsten ist. In Fuehrungspositionen in der Wirtschaft ist es unmoeglich.

    [Antwort]

  3. [...] Und wie wirkt sich das dann auf die Karriere aus? Das Thema “Gender in Research” wurde hier schon von Uli behandelt. Und hier ist der Artikel auf The [...]

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