Profil eines Wissenschaftlers: Miquel Porta

Über den Menschen im Kittel…

Miquel Porta ist ein Mann, der einem auf der Strasse vielleicht gar nicht so ins Auge stechen würde und den man sicher nicht als Forscher einstufen würde. Als Mediziner eher, gut gekleidet, mit konzentriertem immer wachem Gesichtsausdruck. kittel1 e1266341115617 Profil eines Wissenschaftlers: Miquel Porta Etwas streng wirkt er, doch dann dreht er sich um und sieht einen offen an, so als sei man auf dem gleichen Niveau, so als gäbe es nichts Anderes, nichts Wichtigeres in diesem Moment als das Gespräch das er gerade mit einem führt. Eben noch am Telefonieren und Organisieren schweift sein Blick nun verträumt ab, wandert über die Regale voller wissenschaftlicher Publikationen und Bücher, hält kurz auf der Pinnwand inne, an der ein für ihn sehr wichtiges Zitat seines Lieblingspoeten Borjas hängt. Etwas unruhig wirkt er aufgrund der vielen anstehenden Termine, das Kamerateam für das nächte Interview steht schon fast vor der Tür. Und dennoch scheint er in sich zu ruhen und verliert sich entspannt und mit wachsender Begeisterung in den eigenen Erzählungen über seinen Werdegang, seine Erfolge, seine Forschung und Dinge die er gerne anders sehen würde. `Ich bin nicht hier um Spanien zu ändern – das machen Andere´, sagt er salopp, nachdem er das Spanische Wissenschaftssystem kritisiert, weil es immer noch lange nicht auf dem Niveau ist, auf dem es sein sollte und könnte.

Über seinen wissenschaftlichen Werdegang…

Dieser Mediziner mit Schwerpunkt Epidemiologie betreibt seit 1981 Forschung am IMIM in Barcelona und Lehre an der Autonomen Universität in Barcelona, ebenso wie an vielen anderen Orten Weltweit. Als frisch gebackener Biologe ging er für 4 Jahre in die USA, um dort als Master Student und später als Postdoktorand und Professor ein ganz anderes Wissenschaftsystem kennen zu lernen. Ihm zufolge war es eine m porta Profil eines Wissenschaftlers: Miquel Porta aussergewöhnlich wichtige Erfahrung diese Jahre durchlebt zu haben. `Ich kann es Jedem nur empfehlen, zum Einen der persönlichen Erfahrung halber, zum Andern für die wissenschaftliche Weiterentwicklung´. Er beschreibt die wissenschaftliche Kultur des angelsächsischen Systems mit der gleichen Begeisterung wie es die meisten Wissenschaftler tun, vor allem diejenigen, die erfolgreich waren und von diesem System profitieren konnten. Bei ihm war Beides der Fall. Generosity und Competitiveness sind die Stichworte die immer wieder fallen. Grosszügigkeit also, die es ihm bereits als jungen Postdoktorand ermöglichte, die Aufgaben eines Professors auszuüben, eine Chance, die er dankend und voller Begeisterung annahm. `Der gute Student wird geschätzt, ihm wird viel zugetraut und ermöglicht. Das ist normal in den USA´, meint er mit vielsagendem Gesichtsausdruck, `ganz im Gegenteil zu Spanien, hier wäre so etwas niemals passiert, oder zumindest nur in ganz seltenen Fällen´. Dennoch weist er auf den sehr kompetitiven Zustand an den Forschungseinrichtungen hin, die so Manchem das Leben schwer gemacht haben und für ein fluchtartiges Verlassen dieser Toplabore geführt haben. Er erklärt das hohe Niveau und den damit einhergehenden Druck, mit dem starken Einfluss den die Industrie in den USA schon lange auf die Wissenschaft ausübt. Er wünscht sich dennoch, sieht es gar als Notwendigkeit an, dass leitende Wissenschaftler eine solche Erfahrung mit sich bringen, “dann wären sie entspannter”, fügt er grinsend hinzu.

Über seine wissenschaftlichen Fragestellungen

Mediziner und Epidemiologe und aktiv als Forscher am IMIM in Barcelona tätig.

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Seine wissenschaftlichen Fragestellungen befassen sich mit dem Einfluss unserer Umgebung auf den Menschen. Seine drei Hauptforschungsrichtungen sollen folgende Gebiete erkunden:

1) Klinische und molekulare Epidemiologie von Pankreaskrebs und Krebs des Extrahepatischen Biliären Systems. Gen-Umwelt Interaktion mit Organochloriden Bestandteilen in der Etiopathogenese von Pankreatischen Krankheiten.

2) Screen, frühe klinische Detektion und `diagnostische Verzögerung´ bei Krebs.

3) Einschätzung des Einflusses von persistenten organischen Schadstoffen (persistant organic pollutant=POP) auf die menschliche Gesundheit.

Über Dinge die er gerne ändern würde

So einiges würde dieser vor Energie sprühende Wissenschaftler gerne ändern, beeinflussen und bewegen. Vor allem findet er dass jeder einmal ins Ausland gehen sollte im Laufe seiner Karriere, dann wären alle etwas entspannter und weltoffener. Zu lernen wie die Regeln und Gepflogenheiten in einem anderen Land sind, wie die gesellschaftlichen Strukturen, finanziellen Mittel und Einstellungen auch die Wissenschaft beeinflussen, könne man erst verstehen wenn man es erlebt habe.

Manchmal wünscht er sich Zeit zu haben um sich zurück zu lehnen und zu registrieren was gerade geschieht. Zeit um den schnellen Lauf der Dinge kurz anzuhalten, kreativ zu denken und diese neuen Ideen in die Arbeit, in die Forschung einzubringen. `Wir Wissenschaftler sind immer so beschäftigt, so schrecklich beschäftig´ sagt er und blickt in die Ferne, `das sollte nicht so sein, wo bleibt die Kreativität? Ich mag das Bild eines schrecklich beschäftigten Wissenschaftlers nicht´.

Über Dinge die er mag

Der Poet Borja scheint für den Wissenschaftler eine wichtige Persönlichkeit zu sein. Mehrfach zitiert er ihn, beschriebt ihn als den Menschen der die richtigen Worte findet.

Jazzmusik mag er auch. Er kann zwar kein Instrument spielen, dennoch war es die Liebe zur Musik die ihn verleitete in Interviews und Artikel eine Metapher zu verwenden, die besser zur DNA passt als die bisherigen Worte Baustein und Buch. Er zieht den Vergleich zu einem Akkord vor. `Die Noten sind die Gleichen´ sagt er, `nur die Art und Weise wie sie gespielt werden, kann aus Ihnen etwas sehr unterschiedliches und Einzigartiges machen´.

Über Dinge auf die er stolz ist

dictionary of epidemiology 193x300 Profil eines Wissenschaftlers: Miquel Porta Mächtig stolz ist Miquel Porta zu Recht darauf, seit 2008 Editor des offiziellen Nachschlsgwerkes im Bereich Epidemiologie `A dictionary of epidemiology´zu sein. Die grosse Ehre wurde ihm zuteil, nachdem er über seine gesamt Karriere hinweg, Artikel für dieses Nachschlagwerk schrieb und langsam aber sicher sein Beitrag immer mehr Gewicht bekam. Er löste damit den von ihm hoch verehrten kanadischen Epidemiologen John M. Last ab, der aber als Berater weiterhin tätig ist.

Miquel Porta hat noch viel vor, wir sind gespannt was er neben der Familie, seinen eigenen Bedürfnissen und seiner Karriere noch alles hinbekommt. Immerhin ist er Autor von hunderten von Publikationen, kümmert sich usätzlich sehr um die Wissenschaftskommmunikation auf diversen Ebenen und versucht immer und überall eine Lücke zu schliessen und somit das Verständnis über die Epidemiologie ein bisschen besser, ein bisschen vollständiger zu gestalten.

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Kategorie: FeaturedWissenschaft und Gesellschaft

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