Power-Paare in der Wissenschaft! Ist das möglich?

powerpaare 1 Power Paare in der Wissenschaft! Ist das möglich?Im “The Scientist” ist ein herrlicher Artikel über “erfolgreiche Power-Paare” in der Wissenschaft erschienen. Dabei werden drei Paare anhand ihrer Publikationsanzahl und Zitationshäufigkeit vorgestellt. Alle haben sie die eine oder andere “Head of…”, “Director” oder “CEO” Position inne und zusätzlich noch Kinder grossgezogen. Dazu geben zum Beispiel die Nabels, beide hohe Tiere am NIH und am Brigham Hospital in Boston, Lebensbewälltigungstipps wie:

Pay for childcare, if possible

“We decided early on that we would always keep family as our first priority,” says Elizabeth, so money always went to education and nannies before other expenses. They hired a nanny to take care of their first son while they were completing residency and postdoc fellowship training, and continued employing nannies for all three children. “There were some years in Ann Arbor when we had three nannies who rotated schedules so we had coverage on evenings and weekends as well as after school,” says Elizabeth.

Also: Bezahle eine Nanny dafür, deine Kinder zu erziehen. Und wenn deine Karriere gut genug abgeht, dann kannst du gleich mehrere Nannies anstellen, die einen Rotationsplan ausführen, der die Erziehung deiner Kinder auch Abends, am Wochenende und zu ansonsten undenkbaren Zeitpunkten gewährleistet.
Dann gibt es noch: “Incorporate work into family time.” Ohne Kommentar!

Mal ehrlich, ist das erstrebenswert? Ich habe eine kleine Tochter im Alter von 14 Monaten, und bin unter der Woche schon tief betrübt, sie nur morgens und abends jeweils eine Stunde zu erleben. Dafür hab ich aber das Wochenende, dass ich mir, bis auf absolute Notfälle wie Meetings, rigoros freihalte. Ich kann das nicht verstehen. Aber vielleicht macht es ja aus der Sicht eines Hardcore-Wissenschaftlers Sinn, denn die evolutiv wichtigste Angelegenheit des Kinderkriegens, nämlich die erfolgreiche Weitergabe des eigenen Erbgutes, hat man ja zum Zeitpunkt der Geburt im Prinzip erfüllt. Doch so einfach ist das nicht, denn auch der Nachwuchs sollte das Erbgut wiederrum weitergeben, sonst ist das ganze eine Sackgasse. Und ob ein traumatisiertes (ist jetzt bewusst etwas krass ausgedrückt!), von einer Unzahl Nannies aufgezogenes Wesen das auch zufriedenstellend hinbekommt, ist fraglich. Somit sollte man sich vielleicht mal einen Blick in die Zukunft gönnen und fragen, ob die eigene Karriere das wert ist.

Das zweite Power-Paar lebt und arbeitet in der italienischen Schweiz. Da keine Kinder vorhanden sind, beziehen sich die Tipps mehr auf Zusammenarbeit und Konkurrenz.

Das dritte Power-Paar aus England dagegen schlägt andere Töne an und hat es geschafft, trotz laufender Karrieren sich selbst und der Familie mehr oder weniger treu zu bleiben. Da klingen auch die Tipps schon etwas vernünftiger:
“Keep weekends sacred”, “Take couple time” und “Take turns sacrificing”. Also “Heilige Wocheneden”, “Paarzeit” und “Abwechseln beim Opfern”, schon eher.
Also was ist da los?
Ist es tatsächlich der Unterschied zwischen USA und Europa, wie in den Kommentaren diskutiert wird? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Ich bin mir sicher, das man auch entsprechende geographische Beispiele mit exakt umgekehrten Ansichten finden könnte. Es steht zwar ausser Frage, dass die USA an den Unterstützungen für Mütter und Eltern etwas ändern sollten, doch auch die sehr grosszügigen Regelungen im nördlichen Europe zeigen seit ihrer Einführung keinen potentiell positiven Effekt auf die Geburtenraten. Das Problem ist also sicherlich um ein vielfaches komplexer. Ich denke abschliessend muss das jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler für sich entscheiden, Kinder? Ja oder Nein. Und wie wirkt sich das dann auf die Karriere aus?
Das Thema “Gender in Research” wurde hier schon von Uli behandelt.
Und hier ist der Artikel auf The Scientist.

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Kategorie: FeaturedWissenschaft und Gesellschaft

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RSSKommentare (1)

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  1. Andreas B. sagt:

    Ich finde, wenn man sich für Kinder entscheidet, dann sollte man die nicht die ganze Zeit von einer Nanny betreuen lassen. Unter der Woche mag das ja in Ordnung sein – obwohl spätestens ab drei Jahren eine Betreuung gemeinsam mit mehreren Kindern vorteilhafter wäre – aber am Wochenende sollte man sich schon Zeit für die Kinder nehmen. Ich denke, wenn ich Kinder hätte, wäre es mir auch wichtig, Zeit mit ihnen verbringen zu können.

    [Antwort]

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