Bisher genaueste Untersuchung des H1N1-Genoms der “Schweinegrippe”

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Autor: Fee
Aktuell liegen 6552 mögliche und nachgewiesene Infektionen mit H1N1 in den USA vor und es gibt Spezialisten, die von bis zu 100 000 Infizierten ausgehen. Im Moment sind die Neuinfektionen fallend, das heisst aber nicht, das die Infektionswell vorüber ist. Doch die anfänglich postulierte Pandemie blieb bislang aus. Doch das ist auch immer eine Frage der Definition. Im Moment liegt die offizielle Pandemierisikoeinschätzung der WHO bei 5 auf einer Skale bis sechs.

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Bild: Wikipedia

Und jetzt gibt es die bisher genauesten Untersuchungen zur genomischen Zusammensetzung des aktuellen Schweinegrippevirus H1N1 die zeigen, dass es sich aus Bauteilen zusammensetzt, die teilweise schon seit der “Spanischen Grippe” von 1918 vorkommen. Gängige Vakzine scheinen unwirksam zu sein, doch einer Produktion eines neuen Impfstoffes steht nichts im Wege und wird auch schon mit Hochdruck bearbeitet.
Das Genom, d.h. die gesamte genetische Information, der Influenzaviren besteht aus 8 RNA-Einheiten, die insgesamt 10 Proteine kodieren. Zu diesen gehören, neben den bekannten Proteinen Hemaglutinin (H) und NEuraminidase (N), noch weitere Nukleoproteine (NP), die Polymerase Proteine (PB1, PB2, PA), die Matrixproteine (M1, M2), und nicht-strukturelle Proteine (NS). Kommt es nun zur Mehrfachinfektion einer Zelle mit verschiednen Typen von Influenzaviren, d.h. Trägern unterschiedlicher RNA-Einheiten, können diese unter den entstehenden Nachkommenviren ausgetauscht werden und bringen Viruspartikel mit neuen Eigenschaften hervor. Zusätzlich unterliegen die RNA-Einheiten bei der Replikation einer ständigen Mutation, da die viruseigenen Polymerasen nicht gerade die Genauesten sind.
Bei den nun publizierten Untersuchungen wurde festgestellt, dass einige der RNA-Einheiten auf ziemlich alte Ursprünge zurückreichen. So stammt das Hemaglutinin (H) des aktuellen H1N1 zum Beispiel vom Erreger der “Spanischen Grippe” und geistert seitdem in Schweinepopulationen herum. Viel hat sich an dem entsprechenden Gen nicht verändert, was Forscher mit der “relativen” Kurzlebigkeit der Fleischlieferanten erklären. Das Neuraminidase Gen scheint eng mit einer eurasischen Variante verwandt zu sein, die um 1979 von Vögeln auf Schweine übertragen wurde. Insgesamt unterscheidet sich das neue Virus in 21 von 387 Aminosäurebausteinen von H5N1 (Vogelgrippe) und der “Spanischen Gripe” von 1918. Genetische Veränderungen, die für die Adaptation dieser Viren an den Menschen verantwortlich gemacht werden und deren Gefährlichkeit wahrscheinlich steigerten, konnten in dem neuen H1N1 nicht gefunden werden. Und auch die ersten Mutationen seit Ausbruch der H1N1 infektionswelle wurden beschrieben, die sich an der Proteinoberfläche des Neuraminidaseenzyms zeigten, was eine mögliche Anpassung an spezifische Antikörperantworten des Immunsystems der Infizierten zeigt. Doch die Zielregionen dieses Enzyms für antivirale Medikamente blieben bislang unmutiert und somit wird der Wirkung dieser Pharmaka, zumindest bislang nicht entgegengewirkt.

Garten, R., Davis, C., Russell, C., Shu, B., Lindstrom, S., Balish, A., Sessions, W., Xu, X., Skepner, E., Deyde, V., Okomo-Adhiambo, M., Gubareva, L., Barnes, J., Smith, C., Emery, S., Hillman, M., Rivailler, P., Smagala, J., de Graaf, M., Burke, D., Fouchier, R., Pappas, C., Alpuche-Aranda, C., Lopez-Gatell, H., Olivera, H., Lopez, I., Myers, C., Faix, D., Blair, P., Yu, C., Keene, K., Dotson, P., Boxrud, D., Sambol, A., Abid, S., St. George, K., Bannerman, T., Moore, A., Stringer, D., Blevins, P., Demmler-Harrison, G., Ginsberg, M., Kriner, P., Waterman, S., Smole, S., Guevara, H., Belongia, E., Clark, P., Beatrice, S., Donis, R., Katz, J., Finelli, L., Bridges, C., Shaw, M., Jernigan, D., Uyeki, T., Smith, D., Klimov, A., & Cox, N. (2009). Antigenic and Genetic Characteristics of Swine-Origin 2009 A(H1N1) Influenza Viruses Circulating in Humans Science DOI: 10.1126/science.1176225

Maurer-Stroh, S., Ma, J., Lee, R., Sirota, F., & Eisenhaber, F. (2009). Mapping the sequence mutations of the 2009 H1N1 influenza A virus neuraminidase relative to drug and antibody binding sites Biology Direct, 4 (1) DOI: 10.1186/1745-6150-4-18

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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