Anti-Aging durch Immunsuppression!

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Autor: Fee
Rapamycin, ein Medikament, dass normalerweise zur Verhinderung einer immunologischen Abwehrreaktion in der Organtransplantation eingesetzt wird, verlängert die Lebensspanne von Mäusen um bis zu 14%.

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Molekülmodell von Rapamycin (Wikipedia)

In der klinischen Organtransplantation besteht immer die Gefahr einer immunologischen Inkompatibilität, die durch pharmakologische Immunsuppression behandelt werden muss. Diese Abstossungsreaktion wird durch ein Erkennen von körperfremden (non-self) Markierungen auf der Zelloberfläche von transplantierten Geweben ausgelöst und ist ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr. Die immunologische Aussage: “Diese Oberflächenmarker gehören zu mir” Ist sehr wichtig um Fremdes oder Entartetes zu erkennen und immunologisch zu bekämpfen und die Grundlagen dafür werden bereits in der Embryonalentwicklung gelegt. Dies ist grundsätzlich so, aber wie so oft bestätigen einige Aussnahmen die Regel. Die eindeutigste Aussnahme ist mit Sicherheit die Schwangerschaft, bei der ein eindeutig als “fremd” identifizierter Organismus im Körper der Mutter heranwächst und dort toleriert wird. Auch im Auge kommt es nur zu geringfügigen, humoralen Antikörperabwehrreaktionen, da eine komplette Aktivierung des Immunsystems die Funktion des Auges zerstören könnte.
In der Organtransplantation gibt es nun eine ganze Reihe von immunsuppressiven Medikamenten, die heutzutage eine vom transplantierten Organ abhängige Lebensspanne des Organs ermöglichen. Eine dieser Substanzen ist das Rapamycin (Sirolimus), das aus dem Bakterienstamm Streptomyces Hygroscopicus aus Bodenproben der Osterinseln (daher auch der Name Rapamycin von Rapa Nui) isoliert wurde. Rapamycin inhibiert eine Reihe von Signalwegen durch Bindung eines Partnerproteins mTOR (mammalian Target of Rapamycin), dessen Namen sich auch von dieser Interaktion herleitet. Diese Bindung blockiert die Aktivierung von T-Zellen, den “Soldaten des Immunsystems”, was wiederum deren Atacke eines transplantierten, fremden Gewebes verhindert.
Es war nun bereits bekannt, das dieses Medikament einen lebensverlängernden Einfluss auf Fruchtfligen und Fadenwürmer ausübt, doch dies konnte nun auch zum ersten Mal in Mäusen gezeigt werden, die dem Menschen doch schon viel näher stehen. Und das herausstechende im Vergleich zu anderen lebensverlängernden Behandlungen wie z. B. Kalorienrestriktion ist, dass die Behandlung mit Rapamycin auch noch in relativ alten Mäusen erfolgreich war. Wurde das Medikament ab einem Alter von 300 Tagen verabreicht, was in etwa einem menschlichen Alter von 60 Jahren entspricht, zeigte sich trotzdem diese eindeutige verlängerung der Lebensspanne. Im ersten Moment klingen rund 15% nicht nach so wahnsinnig viel, doch ein Kommentator ergänzte, das eine erfolgreiche Beseitigung aller Todefälle durch Krebs und Artheriosklerose, ein immer noch etwas geringeres Ergebnis für die Lebenserwartung liefern würde. Umgerechnet auf den Menschen entspräche dies einer Lebensverlängerung von 6 bis 9 Jahren. Der genaue Hintergrund dieses Effektes muss aber noch sehr genau untersucht werden, um eine vollständiges Verständnis der causalen Mechanismen zu erhalten.
Von einer überstürzten Selbsverschreibung sollte man aber noch absehen, da ein Medikament mit einem solchen Wirkungsspektrum natürlich auch Nebenwirkungen mit sich bringt. Eine grundsätzliche Unterdrückung des Immunsystems resultiert natürlich ein einer geschwächten Abwehr gegen alle Arten von Krankheitserregern und auch gegen die Bekämpfung von Krebszellen, da zeigt sich klar, dass eine Labormaus, die in einer kontrollierten und ziemlich sterilen Umgebung aufwächst eben nur bedingt vergleichbar ist.

Harrison, D., Strong, R., Sharp, Z., Nelson, J., Astle, C., Flurkey, K., Nadon, N., Wilkinson, J., Frenkel, K., Carter, C., Pahor, M., Javors, M., Fernandez, E., & Miller, R. (2009). Rapamycin fed late in life extends lifespan in genetically heterogeneous mice Nature DOI: 10.1038/nature08221

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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