Die Hälfte aller Männer (über)trägt das Humane Papillomvirus

Das Humane Papillomvirus (HPV) gehört zur Gruppee der dopelsträngigen DNA-Viren und geisterte vor einigen Jahren durch die Berichterstattung, als erstes krebsauslösendes Virus, gegen welches ein Impfschutz entwickelt wurde.  In dieser Famielie gibt es rund 40 Verterter und nur einige davon scheinen für die Entstehung von Krebs verantwortlich zu sein. Inzwischen wird empfohlen, Mädchen und junge Frauen vor dem Beginn der sexuellen Aktivität durch eine Impfung vor der Infektion zu schützen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen kann.

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Humanes Papillomvirus (Wikipedia)

Da das Virus ausgiebig in Frauen untersucht wurde, aber praktisch keine Daten über die männlichen Überträger vorhanden waren, hat eine Grosstudie sich diesem Manko nun angenommen – mit interessanten Ergebnissen. Die Forscher aus Tampa in Florida rekrutierten insgesamt 4000 Männer aus Brasilien, Mexiko und Florida. Aus dieser Kohorte wurden nun erste Ergebnisse von rund 1000 Individuen veröffentlicht. Sie zeigten, dass sich die Viren alle bedeutend länger als erwartet im Organismus der Männer aufhielten und diese somit zu potentiellen Überträgern machten. Die Verweildauer der verschiedenen Virustypen unterschied sich zum Teil sehr stark, was den Schluss auf unterschiedliche Aktivitäten und Immunausweichstrategien zulässt. Alles in allem verliefen die Infektionen asymptomatisch, das heisst, dass der Infizierte keine Krankheitserscheinungen zeigt und sich seiner Viruslast nicht bewusst ist.  Speziell bei  HPV 16, das Virus, welches die meisten Fälle von Gebärmutterhalskrebs auslöst, und welches von beiden kommerziellen Impfstoffen abgedeckt wird, konnte eine im Schnitt 12-monatige Verweildauer nachgewiesen werden. Der infizierte Mann ist also prinzipiell ein Jahr potentieller Überträger.

Ausserdem scheinen häufig wechselnde Sexualpartner die Anzahl an HPV-Infektionen enorm zu steigern. So wurden bei Männern, die nach eigenen Angaben bis zu 10 Partner pro Jahr hatten, mehr als doppelt so viele HPV-Infektionen nachgewiesen, als bei Männern mit gleichbleibenden Partnern. Beschneidung und der Gebrauch von Kondomen schien keinen grossen Einfluss auf die Infektionsrate mit HPV zu besitzen.

Diese langen Infektionsdauern waren relativ überraschend und zeigten, dass eine Impfung von Männern ebenfalls Sinn machen würde, um die potentielle Übertragung an ein nicht-immunisierte Frau zu unterbinden. Ausserdem können einige Vertreter dieser Virusfamilie Genitalwarzen auslösen, was mehr als unangenehm klingt.
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Prof Anna R Giuliano PhD a Corresponding AuthorEmail Address, Ji-Hyun Lee DrPH a, William Fulp MS a, Prof Luisa L Villa PhD b, Prof Eduardo Lazcano PhD c, Mary R Papenfuss MS a, Martha Abrahamsen MPH a, Jorge Salmeron MD c, Gabriella M Anic MSPH a, Dana E (2011). 10.1016/S0140-6736(10)62342-2 LANCET, Early Online Publication, 1 March 2011 : 10.1016/S0140-6736(10)62342-2

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