Erklärung für altersselektive Infektion durch das “Schweinegrippevirus” H1N1!

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Autor: Fee
Die humanen Influenzaviren gehören meisstens zu den Influenza A oder B Viren, das “neue” Schweinegrippevirus ist ein Gruppe A Stamm. Schon viel wurde spekuliert über das Schweinegrippevirus (der Name gefällt mir rein gar nicht!) und auch eine Menge Sensationsberichterstattung konnte man in den letzten Wochen auf sich niederprasseln lassen. Das Meisste davon fand ich persönlich sehr weit hergeholt und auch die Panikbuschtrommel wurde meines Erachtens viel zu früh angeworfen. Nicht das ich diesem Virus das potential einer Pandemie absprechen möchte, aber der oft zitierte Vergleich zu den verheerenden Auswirkungen der spanischen Grippe fand ich doch ein wenig zu krass, denn die damaligen Lebensumstände der Menschen (sehr viele schlecht ernährte und kasernierte Soldaten im zweiten Weltkrieg), die Haupttodesursache einer Sekundärinfektion mit Bakterien, die heute zum Glück immer noch einigermassen erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden können und die schlicht und einfach nicht vorhandenen spezifischen Medikamente, lassen diese Rückschlüsse meines Erachtens einfach nicht zu.

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Influenza A Viren (Wikipedia)

Dazu gibt es einen sehr guten Beitrag von Philipp auf Weissbier&Wissenschaft mit einem Paper zur Thematik (Gallaher W. et al, Virology Journal 2009). Dazu ein Quote von Philipp, der alles sagt:

Der Autor fasst die bisherigen Ereignisse zusammen (nicht ohne eine Prise Ironie) und kritisiert dabei das Verhalten der Weltöffentlichkeit bzw. einiger Regierungen. Da sind ja inzwischen die besten Sachen passiert -
Afghanistan hat sein einziges Schwein in Quarantäne gesetzt, Ägypten möchte all seine Schweine töten lassen und Serbien, China, Russland den Import von Schweinefleisch verboten – dabei ist man inzwischen der Meinung, das das Virus höchstwahrscheinlich von Wandervögeln und dann von Mensch zu Mensch verbreitet wird.

Doch der Punkt, dass vornehmlich junge und “gesunde” Menschen infiziert werden, liess doch bisher die Frage nach einem Grund offen. Ich habe in den Komentaren von Tobias heiss diskutiertem Beitrag auf Weitergen einen interessanten Punkt mit einem zitierten Link zu Aetiology von Alexander entdeckt, der einen sogenannten Cytokine Storm, also die überbordende Aktivierung des Immunsystems mit einer unkontrollierten Ausschüttung proinflamatorischer Zytokine, als mögliche Begründung der Altersselektivität der H1N1 Mortalität angibt. Fand ich sehr interessant, denn wenn man sich noch an die sogenannte “englische Studie” erinnert, bei der diese armen Teufel einer Phase I Pharmastudie mit einem immunaktivierenden Superagonist Antikörpern behandelt wurden und damals auch fast an einem solchen Cytokine-Storm gestorben sind.
Doch eine neue Studie im wöchentlich herausgegebenen Morbidity and Mortality Weekly Report des CDC legt nun eine sehr einfache Erklärung nahe, das Vorhandensein protektiver Antikörperantworten aus zeitlich lange zurückliegenden Influenzainfektionen. Dies stellte sich heraus, als Forscher um Anne Schuchat die Blutproben von 359 Patienten untersuchten, die zwischen 2005 und 2009 an einer Vakzinierungsstudie teilgenommen hatten. Dabei stellte sich heraus, dass 30% der Patienten über 60 Jahren Antikörper besassen, die eine Kreuzreaktivität gegen Epitope des aktuellen Virus zeigten. Dagegen besassen nur 6%-9% der 18-60 jährigen Patienten eine vergleichbare Immunantwort. Es scheint also, dass ein langes Leben mit multiplen Viruskonfrontationen die Wahrscheinlichkeit hebt, eine protektive Immunantwort gegen neu auftretende Viren bereits zu besitzen und somit bessere Chancen zu haben, nicht oder nicht so hart von ihnen getroffen zu werden. Im Prinzip kann sich das menschliche Immunsystem sich auf jedes denkbare Antigen einstellen (von einigen sehr gemeinen Erregern wie HIV oder HCV/HBV abgesehen, die diesen Schutz unterwandern), doch dafür benötigt er eben Zeit (plus/minus eine Woche) und wenn diese nicht ausreicht sieht es schlecht aus.

Das ganze kann nachgelesen werden unter: Centers for Disease Control and Prevention. Morb. Mortal. Wkly Rep. 58, 521–524 (2009)

Gallaher, W. (2009). Towards a sane and rational approach to management of Influenza H1N1 2009 Virology Journal, 6 (1) DOI: 10.1186/1743-422X-6-51

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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RSSKommentare (4)

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  1. Tobias sagt:

    Hola,
    das häufigste Influenzavirus das beim Menschen Grippe auslöst ist aus Influenza A und nicht C, glaube ich.

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  2. fee sagt:

    Danke, ist korrigiert! Falsch abgeschrieben!!

    [Antwort]

  3. Alexander sagt:

    Stimmt, das ist auf jeden Fall die einfachere Erklärung. Soweit ich mich erinnere ist das auch der Grund, warum selbst Zellen von alten Leuten heute problemlos mit dem 1918er Virus fertig werden.

    [Antwort]

  4. fee sagt:

    Genau richtig. Über das Thema hab ich damals hier auch was geschrieben (http://blog.science-meets-society.com/?p=158).
    Ein überzeugendes Langzeitgedächtnis!

    [Antwort]

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