Fledermaus übernachtet in fleischfressender Kannenpflanze
Felix Bohne | Jan 26, 2011 | Kommentare 1
Normalerweise stellt man sich Fledermäse, nachtaktive Insektenjäger, in grossen Gruppen tagsüber kopfüber von einer Höhlendecke baumelnd vor – richtig? Nicht immer. Es gibt da wohl die verschiedensten Spielarten, manche mehr oder weniger ausgefallen. Die neueste wurde nun auf Borneo entdeckt, wo die tropischen Ökologen Ulmar Grafe und MIchael Schöner von der University Brunei Darussalam in Gadong einem Gerücht folgten.
Demnach sollten Fledermäuse der Art Kerivoula hardwickii hardwickii in den kannenförmig verlängerten und dem Insektenfang dienenden Blättern der Kannenpflanze Nepenthes rafflesiana aufzuspüren sein. Nach ersten positiven Funden wurde das Phenomen etwas genauer durchleuchtet und mit Hilfe von kleinen Peilsendern, die vorübergehend an den Fledemäusen befestigt wurden, untersucht. Dabei stellte man fest, dass bis zu 29% der “Kannen” tagsüber von Fledermäusen besiedlet waren. Anscheinend falten sich die Fledertiere zusammen und gleiten in die Röhre, gelangen jedoch nicht in die Tiefe, wo die Pflanze ein Bad mit Verdauungsflüssigkeit für die gefangenen Insekten bereithält. Die Untersuchung zeigte, dass die Fledermäuse trotz eines reichen Angebotes an alterativen Unterschlupfmöglichkeiten ausschliesslich in den oberen Blättern der einen einzigen Spezies der Kannenpflanzen tagsüber “nächtigten”. Ausserdem scheinen die Blätter Anpassungen an die Fledermäuse vorzunehmen, was deren Erfolg beim Insektenfang einschränkt, sie aber möglicherweise attraktiver für die Fledemäuse macht. Doch was hat die fleischfressende Pflanze davon? Eine mögliche Erklärung sind die stark stickstoffhaltigen Exkremente der Fledermaus, die der Pflanze einen Wachstumsvorteil verschaffen könnten und Messungen zeigten tatsächlich, dass Pflanzen die Fledermäuse beherbergt hatten, eine erhöhte Konzentration eines Stickstoffisotopes aufwiesen, dass auf eine Diät aus den höheren Gliedern der Nahrungskette hinweist und deutlich unterschiedlich war im Vergleich zu Pflanzen, die sich nur von Insekten ernährt hatten.
1. T. Ulmar Grafe1, 2. Caroline R. Schöner, 3. Gerald Kerth, 4. Anissa Junaidi, & 5. Michael G. Schöner (2011). A novel resource–service mutualism between bats and pitcher plants Biology Letters : 10.1098/rsbl.2010.1141
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Dass die Exkremente der Fledermäuse von Vorteil für die Pflanzen sind ist leicht verständlich. Stellt sich nur die Frage, ob für die Fledermäuse nur der Vorteil eines an sie angepassten Unterschlupfes entscheidend ist, oder eher der eines Nahrungsangebots von in der Pflanze gefangenen Insekten.
Aber egal was nun der Vorteil der Fledermäuse ist, es bleibt ein wirklich faszinierendes Phänomen…Coevolution mal nicht am Beispiel von Insekten und Blumen.
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