Gehirntumor nach experimenteller Stammzelltherapie!

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Autor: fee
Schlechte Nachrichten für die vielversprechenden therapeutischen Anwendungen von stammzellbasierten Therapieansätzen. Momentan werden massenhaft therapeutische Ansätze für die Verwendung von embryonalen oder adulten Stammzellen erforscht und aussichtsreiche Möglichkeiten für bahnbrechende Behandlungen gibt es genug. Doch wenige tatsächliche Erfolge, sprich wirkliche und langanhaltende Heilungen der behandelten Leiden wurden bisher berichtet. Natürlich gibt es die zum teil bereits sehr erfolgreichen Stammzellbehandlungen für Leukämien und in diesem Feld wurde kürzlich eine wahrscheinliche Heilung eines HIV-infizierten Stammzellempfängers an der Charité in Berlin veröffentlicht. Doch in den meisetn Fällen wird noch viel geforscht werden müssen, um wirklich anwendbare Therapien zu entwickeln.
Ein Patient, der unter einer seltenen rezessiven Erbkrankheit leidet, wurde in Moskau mit einer experimentellen Stammzelltherapie behandelt und entwickelte daraufhin einen Gehrintumor. Die Krankheit, das Louis-Bar-Syndrom oder Ataxia telangiectasia (AT) führt zu einem neurodegenerativen Verlust von Nervenzellen und band den jungen Patienten an den Rollstuhl. Bei der experimentellen Behandlung wurden neuronale Stammzellen, die aus dem Gehirn abgetriebener Föten extrahiert wurden in mehreren Anwendungen transplantiert. Als vier Jahre später der Gehirntumor diagnostiziert wurde, wunderten sich die zuständigen Histologen über die zelluläre Zusammensetzung des Tumorgewebes, dass aus mehreren verschiedenen Zelltypen bestand, was eher untypisch für Gehirntumoren ist, die normalerweise aus nur einem Zelltyp bestehen. Dies legte den Verdacht nahe, dass der Tumor aus den implantierten neuronalen Stammzellen entstanden sein könnte, die sich nach ihrer Umwandlung in maligne wuchernde Zellen noch weiter in verschiedene Zelltypen ausdifferenziert hatten. Um die zu überprüfen wurde die AT-auslösende Genmutation untersucht, die der Patient homozygot, sprich auf beiden Chromosomen trug. Im Tumorgewebe fand sich dagegen nur das normale Gen ohne Mutation. Ein klarer Beweis für den Stammzellursprung des entstandenen Tumors. Ob diese Tumorentstehung nun ein Einzelfall war und mit dem geschwächten Immunsystem des Patienten mit AT zu tun hatte muss weiter untersucht werden. Auf jeden Fall ist nicht auszuschliessen, dass sogenannte “experimentelle Stammzelltherapien” ein enormes Risiko darstellen, da die Mechanismen, die ein erfolgreiches Einnisten und ebenfalls eine erfolgreiche Funktionsübernahme der transplantierten Zellen vermitteln, weit davon entfernt sind, vollkommen verstanden zu werden.
Kliniken, die experimentelle Stammzelltherapien als vielversprechende Anwendungen für die verschiedensten Erkrankungen anbieten schiessen momentan wie Pilze aus dem Boden und die meissten dieser Kliniken sind wahrscheinlich mit Vorsicht zu geniessen. Die Internationale Gesellschaft für Stammzellforschung hat deshalb eine Reihe von Richtlinien veröffentlicht, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Nachtrag (19.02.2009): Gerade habe ich einen Vortrag von Anne Rosser aus Cardiff gehört, die sich mit Stammzelltransplantationen in Parkinson- und Huntington-Patienten bescgäftigt. Was in einem vertrauenerweckenden universitären Umfeld erreicht wurde, überzeugt doch schon viel mehr. Hier ein Link zu ihrem Lab.

Ninette Amariglio, Abraham Hirshberg, Bernd W. Scheithauer, Yoram Cohen, Ron Loewenthal, Luba Trakhtenbrot, Nurit Paz, Maya Koren-Michowitz, Dalia Waldman, Leonor Leider-Trejo, Amos Toren, Shlomi Constantini, Gideon Rechavi (2009). Donor-Derived Brain Tumor Following Neural Stem Cell Transplantation in an Ataxia Telangiectasia Patient PLoS Medicine, 6 (2) DOI: 10.1371/journal.pmed.1000029

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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  1. Tobias sagt:

    Bei der experimentellen Behandlung wurden neuronale Stammzellen, die aus dem Gehirn abgetriebener Föten extrahiert wurden in mehreren Anwendungen transplantiert.
    Sehr wichtig! Und nicht, wie im Spiegel, wo schon wieder ein Stammzellskandal generiert wird. Siehe auch hier: http://faz-community.faz.net/blogs/planckton/archive/2009/02/19/der-falsche-stammzell-skandal.aspx

    [Antwort]

  2. fee sagt:

    Der “Spiegel” eben! Muss eben auch immer nach “VIEL” klingen. Die Tatsachen bleiben da gerne auf der Spur.
    Anne Rosser hat heute auch von einer potentiellen Anwendung der ES Zellen gesprochen und berichtet, wie weit sie da noch von der Entwicklung der entsprechenden Differenzierungsprotokolle entfernt sind! Soviel Ich weiss ist die californische Studie, die kürzlich bewilligt wurde (Behandlung von Querschnittslämung mit ES Zellen) die einzige derzeit anlaufende, die tatsächlich mit ES Zellen therapeutisch arbeitet und das ist eine Sicherheitsstudie, sprich sie dient der Risikoabschätzung!

    [Antwort]

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