Hymenopteren-Pornografie!

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Autor: Fee
Viele Orchideenarten immitieren die Geschlechtspartner ihrer angestrebten Bestäuber und verführen diese mit eindeutigen Zeichen zu klar sexuellen Handlungen, bis hin zu tatsächlichen Koppulationsorgien. Das ist bisher nichts neues und grundsätzlich war man der Meinung, dass diese “Täuschung” nur einen geringen Einfluss auf die “Verführten” hat. Doch nun ändert sich dieses Bild drastisch. Australische Forscher haben bei der Studie dieser Hautflüglerpornografie festgestellt, dass das “falsche” Liebesspiel in einem beträchtlichen Anteil der Fälle eine Ejakulation nach sich zieht. Und das bedeutet einen evolutiven Nachteil für den “Verführten”.

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Foto: RetiredAussies.com

Grundsätzlich könnte es zu einer Samendepletion kommen, oder bei der späteren Koppulation mit einem tatsächlichen Geschlechtspartner würde nur noch spermienloses Ejakulat übertragen. Also ein Nachteil, der durch evolutive Vorgänge ausgemerzt werden sollte. Doch dem ist wohl nicht so. Woran könnte das liegen?
Eine mutige, aber ebenfalls verführerische Hypothese begründet sich auf die Eigenschaften des genetischen Geschlechts. Ein überwiegender Teil der bestäubenden Spezies besitzt nämlich eine sogenannte Haplodiploidie, das heisst, dass die Weibchen (vowiegend, mit wenigen Aussnahmen) einen doppelten Chromosomensatz besitzen, während die Männchen meisst nur einen einfachen Satz tragen. Daraus folgt, dass die Weibchen unbefruchtete Eier legen können, die nur einen Chromosomensatz tragen. Dies führt bei den staatenbildenden Insekten dazu, dass die haploiden Männchen dasselbe genom besitzen, wie ihre diploiden Geschwister, die Arbeiterinnen.
Aus diesem Grund ist es nun auch denkbar, dass die Orchideen durch ihre Verführung sogar die Nachwuchsraten zu ihren Gunsten beeinflussen, ohne dabei die Spezies so stark unter Druck zu setzen, dass es zu einer entgegenwirkenden Anpassung der Insekten kommt. In der Folge der geringeren Befruchtung der Weibchen durch Männchen, käme es verstärkt zur Ablage von unbefruchteten Eiern, aus denen sich wiederum Männchen entwickeln, die wiederum zur Bestäubung der Orchideen bereitstehen. Bei einem grundsätzlich noch ausreichenden Level an sexuellen Interaktionen, für die Aufrechterhaltung des weiblichen Anteils der Population, ist eine solche Entwicklung nicht nur denkbar, sondern steigert sogar den Erfolg der Orchideen.

A. C. Gaskett, C. G. Winnick, M. E. Herberstein (2008). Orchid Sexual Deceit Provokes Ejaculation The American Naturalist, 171 (6) DOI: 10.1086/587532

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