Ich erkenne mich also bin Ich…

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Autor: fee
Das Erkennen des eigenen Körpers im Spiegel ist gar nicht so trivial, wie sich das im ersten Moment anhört und die meisten Lebewesen auf diesem Planeten schaffen das nicht! Bisher war diese Fähigkeit den höhere Säugetieren vorbehalten, Neben Menschen und Menschenaffen, war es nur von Spezies bekannt, die als ausgesprochen intelligent gelten, wie zum Beispiel Delphine (Grosse Tümmler, Tursiops truncatus) und Elephanten. Nun gesellt sich ein unerwarteter Vertreter in diese kleine aber feine Elite, die Elster (Pica pica). Diese sozialen Vögel, die zur Familie der Rabenvögel (Corvidae) gehören, gelten schon länger als die intelligenteren unter ihren Klassengenossen, den Vögeln (Aves).

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Photo von Uli1001

Zum Beispiel gibt es Vertreter der Rabenvögel, die sich angewöhnt haben schwer zu knackende Nüsse von einer Ampel vor vorbeifahrende Autos zu werfen um danach die aufgebrochenen Leckerbissen einzusammeln. Eine solche Entwicklung wird grundsätzlich als zu schnell für eine evolutionäre Anpassung angesehen und gilt daher als Beweis für Intelligenz. Weiter habe ich in einem Fernsehbericht einmal einen Raben gesehen, der einen geraden Draht zu einem Angelhaken bog um einen kleinen Henkelkorb aus einer Röhre zu angeln. Auch das Benutzen und vor allem Herstellen von Werkzeugen war bisher den Menschen und ihren nächsten Verwandten, den Menschenaffen vorbehalten.
Um dies zu testen gibt es ein klar definiertes Experiment, den sogenannten Spiegeltest, bei dem die Probanden mit einem Spiegel konfrontiert werden und dann an einer für sie unsichtbaren Stelle mit einer Farbmarkierung gekennzeichnet werden. Führt die Erkennung der Markierung im Spiegel zu eindeutigen Reaktionen, wie Kratzen und untersuchenden Blicken der entsprechenden Stelle, wird dies als Selbsterkennung interpretiert. Selbst menschliche Babies meistern diese Hirnleistung erst ab dem zweiten Lebensjahr.
Dieses Experiment wurde von Helmut Prior (Goethe Universität, Frankfurt) mit Elstern durchgeführt und drei von fünf Tieren zeigten die charakteristischen Reaktionen (H. Prior et al. Aug 2008, PLoS Bio). Die Namen der entsprechenden Tiere gefielen mir besonders und zeigen wiedereinmal, dass Forscher eben doch Menschen sind: Gerti, Goldie und Schatzi bestanden den Test, während Lilly und Harvey durchfielen.
Grundsätzlich sind solche Experimente kompliziert zu interpretieren, aber es scheint tatsächlich enger zu werden im Olymp der selbsterkennenden und damit intelligentesten Wesen dieser Erde.

Helmut Prior, Ariane Schwarz, Onur Güntürkün, Frans de Waal (2008). Mirror-Induced Behavior in the Magpie (Pica pica): Evidence of Self-Recognition PLoS Biology, 6 (8) DOI: 10.1371/journal.pbio.0060202

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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