Kranke Viren?

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Autor: fee
Das war bisher ein Wiederspruch in sich! Viren machen krank, und das auf verschiedendste und teilweise unglaublich “gemeine” Arten und Weisen.
Doch nun wendet sich das Blatt und der erste Krankheitserreger für Viren wurde entdeckt. Hintergrund dieser Geschichte ist die Entdeckung der Mimiviren (wegen der Mimikri eines Bakteriums) im Jahre 2003.

Mimivirus Kranke Viren?

Diese Riesen ihrer Gattung wurden in Amöben in einem englischen Kühlturm entdeckt und zu Beginn fälschlicherweise als eine unbekannte Bakterienart eingestuft. Der Vertreter Acanthamoeba polyphaga besitzt über 900 proteinkodierende Gene und übertrifft damit alle bekannten Viren und selbst einige Bakterien [PubMed]. Ein nun entdeckter neuer Vertreter dieser Monster-Viren (diesmal in einem französischen Kühlturm) übertraf den “Alten” sogar noch in seiner Grösse und wurde daher Mama-Virus getauft (zusätzlich ein klarer Beweis für das vermeintliche Vorhandensein von Humor bei Wissenschaftlern). Die eigentliche Sensation dieser Entdeckung aber war das Auftreten eines sonderbaren kleinen Partikels in den elektronenmikroskopischen Aufnahmen. Dieser Partikel, ebenfalls ein Virus und “liebevoll” Sputnik getauft, wurde als erstes virenbefallendes Virus identifiziert (La Scola, B. et al. Nature, 2008). Erste Daten zeigten, dass es abwartet bis das Mamavirus die Wirtszelle dementsprechend umprogrammiert hat, das diese nur noch Viruspartike produziert, und dann diese Maschinerie kapert und für die eigene Vervielfältigung nutzt. Alleine ist das Virus nicht befähigt sich zu Vervielfältigen. Ausserdem führt dieser Vorgan zu weniger und fehlgebildeten Mamaviruspartikeln, was als “krank” beschrieben werden kann und der Diskussion, ob Viren Lebewesen sind, neuen Brennstoff gibt.
Ein Vergleich des Sputnik-Genoms mit seinen 21 Genen mit einem metagenomischen Sequenzierungsprojekt von Meerwasserlebewesen zeigte nun eine relativ häufige Übereinstimmung mit den Genen des kleinen Sputnik, was die Vermutung nahelegt, dass noch weitere Vertreter dieser Virusparasiten zu erwarten sind. Sei könnten sogar eine grosse Rolle spielen bei der Regulation komplizierter Gleichgewichtsprozesse im Meer und damit den Anfang dieser Hauptnahrungskette mitsteuern.

Bernard La Scola, Christelle Desnues, Isabelle Pagnier, Catherine Robert, Lina Barrassi, Ghislain Fournous, Michèle Merchat, Marie Suzan-Monti, Patrick Forterre, Eugene Koonin, Didier Raoult (2008). The virophage as a unique parasite of the giant mimivirus Nature DOI: 10.1038/nature07218

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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