Leben mit Arsen statt Phosphor – das ist schon eine Sensation!

Jetzt ist es raus: Bei der NASA-Pressekonferenz ging es nicht um ausserirdisches sondern um irdisches Leben. Dieses war aber so aussergewöhnlich anders, es substituiert Phosphor mit Arsen, dass es die astrobiologische Suche nach ausserirdischem Leben durchaus beeinflussen könnte.

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Das Halbmetall Arsen, Bild: Wikipedia

Was die Forscher entdeckten, indem sie in dem eher giftigen Mono See in Californien herumrührten ist: eine Bakterienstamm, der unter den stark Arsen belasteten Verhältnissen leben kann. Das ist an sich schon bemerkenswert. Doch bis zu einem gewissen Mass war das als möglich bekannt, denn es gibt Organismen, die giftige Arsenverbindungen veratmen und somit als Energiequelle nutzen können. Doch bei GFAJ-1, so heissen die Kerlchen, wird Arsen als zusätzlicher Baustein für biologische Makromoleküle verwendet. Und das ist sensationell und noch nie zuvor beobachtet worden.

Normalerweise setzt sich alles irdische Leben aus den sechs chemischen Bausteinen Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Schwefel, Stickstoff und Phosphor zusammen. Diese bilden alle biologischen Grundbausteine, die DNA und RNA, Proteine und die Zellmembranbestandteile, die Phospholipide. Durch die Anordnung im Periodensystem der chemischen Elemente sind Arsen und Phosphor prinzipiell chemisch kompatibel, doch genau das macht auch die Toxizität dieses chemischen Elementes aus.

Auf jeden Fall hat es GFAJ-1 irgendwie geschafft diese Barriere, die bislang als grundsätzlich betrachtet wurde, zu durchbrechen und hat damit eine völlig neue Welt der Biochemie erschlossen. Solche Entdeckungen gehören mit Sicherheit zu den wichtigsten eines ganzen Forscherlebens. Ausserdem verändern sie tatsächlich die Herangehensweise zukünftiger Suchen nach Beweisen für extraterrestrisches Leben.
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Wolfe-Simon, F., Blum, J., Kulp, T., Gordon, G., Hoeft, S., Pett-Ridge, J., Stolz, J., Webb, S., Weber, P., Davies, P., Anbar, A., & Oremland, R. (2010). A Bacterium That Can Grow by Using Arsenic Instead of Phosphorus Science DOI: 10.1126/science.1197258

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RSSKommentare (4)

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  1. [...] habe hier am 3.12.2010 über die Pressenkonferenz der NASA berichtet, bei der ein Bakterium vorgestellt [...]

  2. [...] Hier gibt es einen kurzen, eher euphorischen Bericht über die Studie auf deutsch. [...]

  3. topi sagt:

    Man sollte das Leben in seiner Vielfalt eben nicht unterschätzen. Gerade gelesen : Das ILL (europäischer Neutronenforschungsreaktor und stärkste Neutronenquelle der Welt) hat im Lagertank für Brennstäbe Mikroalgen entdeckt : http://www.ill.eu/nc/quick-links/news/news-single-view/tous/2010/09/article/2/a-new-micro-alga-discovered-at-the-ill-which-resists-high-radiation-doses-and-concentrates-metal-rad/

    [Antwort]

    Felix Bohne Antwort vom Januar 14th, 2011 12:51 pm:

    Danke für den link, super interessant! ich liebe ja solche extremophilen BUGS! Wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb ich mich sehr enthusiastisch zu dieser später so hart kritisierten Geschichte geäussert habe!

    [Antwort]

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