Neue virale Genüberbleibsel in unserem Genom!

Autor: Fee
Von Retroviren war es schon seit längerem bekannt, dass eine nennenswerter Bereich unseres Genoms auf integrierte virale Sequenzen zurückzuführen ist. Das liegt an der Replikationsmethode dieser Viren, die ihr Genom zur Vervielfältigung in das Genom ihres Wirtes integrieren, was bei einer Ei- oder Spermazelle zwangsläufig zur Weitergabe der viralen Elemente führt. Die passiert schon seit beträchtlicher Zeit und hat unser Genom mitgestaltet. Diverse Gene zeigen eindeutige Übereinstimmungen mit retroviralen Sequenzen und auch fremde Sequenzen können auf diesem Weg übertragen werden. Ein ähnliches Phänomen wurde nun auch für einen nicht-retrovirales Virus, das Borna-Virus nachgewiesen. Dazu untersuchten Forscher aus Japan die zur Verfügung stehenden kompletten Genome von diversen Säugetieren und fanden mehrere Segmente, die sich eindeutig den Bornaviren zuordnen liessen.

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Da dieses Virus sein RNA-Genom in den Zellkern der Wirtszellen einschleuss, kann es leicht zu einer zufälligen Integration des DNA-Intermediats kommen und dieser Mechanismus wurde auch in der Zellkultur bestätigt. Die Forscher glauben, dass es sich hierbei nur um die Spitze eines Eisberges handelt und hypothetisieren, dass ein beträchtlicher Teil unseres Genoms aus viralen Quellen stammen könnte und diese somit einen grossen Beitrag zur Diversifizierung unseres genetischen Materials beigetragen haben.

Bibliografie:
Endogenous non-retroviral RNA virus elements in mammalian genomes. (Nature 463, 84-87; 7 January 2010; doi:10.1038/nature08695) Masayuki Horie und Keizo Tomonaga

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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