Schimpansen leiden auch an AIDS!

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Autor: Fee
Das humane Immundefizienzvirus (HIV) stammt von einer eng Verwandten Gruppe von Lentiviren, die in verschiedenen Affenpopulationen in Afrika vorkommen, ab. Von diesen SI-Viren (Simian Immunodeficiency Virus) gibt es mehr als 40 verschiedene Subtypen, von denen zwei die Speziesbarriere übersprangen und sich zu HIV Typ1 und Typ2 entwickelten. Seit Jahrzehnten dachte die HIV-Forschergemeinde, dass Affen, die mit dem HIV-verwandten SIV infiziert sind, keine mit der humanen Krankheit AIDS (acquired immunodeficiency syndrome) vergleichbaren Symptome entwickeln. Diese Annahme basierte auf Ergebnissen mit den natürlichen Wirten dieser Lentiviren wie zum Beispiel Schwarzmangaben und Grünen Meerkatzen, die schon lange coexistieren und keine Krankheitssymptome entwickeln. Schimpansen sind allerdings wie auch Menschen erst seit relativ kurzer Zeit mit diesem Virustyp konfrontiert, was ein möglicher Grund des verheerenden Krankheitsbildes des HIV ist. Doch dies in Schimpansen aufzuklären wurde durch vielfältige Probleme bei der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Virus und Wirt behindert. Deshalb wurde vor ca. 9 Jahren zu diesem Zweck eine sehr enthusiastische Studie in der Wildnis des Gombe Nationalparks gestartet. Dabei wurden insgesamt 94 Schimpansen aus zwei sozialen Gruppen untersucht.

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Im Gombe Nationalpark, fanden auch die Anfänge der Schimpansenverhaltensforschung mit Jane Goodall in den 60ern statt, die ebenfalls Co-Autorin dieser Studie ist. Dort wurden weitreichende neue Testsysteme entwickelt um Anhand von Stuhl- und Urinproben die verschiedenen freilebenden Tiere unterscheiden zu können und den Infektionsstatus mit SIVcpz, dem direkten Vorgänger des HIV-1, zu bestimmen. Über neun Jahre beobachteten die Forscher die Tiere im Nationalpark und stellten fest, dass zwischen 9 und 18% der Primatenpopulation mit dem SIV infiziert war. Die ausgewachsenen infizierten Tiere zeigten eine 10-16 mal höhere Sterblichkeit im Vergleich zu nicht-infizierten Tieren aufwiesen. Diese Raten wurden natürlich mit dem Alter korrigiert. Ausserdem hatten SIV-infizierte Weibchen eine verringerte Geburtenrate und auch die Sterblichkeit ihrer Jungtiere, die mit SIV infiziert zur Welt kamen, war deutlich erhöht.
Dann entdeckten die Forscher ein Schimpansenweibchen, dass innerhalb von drei Jahren nach der Infektion mit SIVcpz verstarb und AIDS-ähnliche Symptome zeigte. Sie war geschwächt und teilnahmslos. Die Autopsie zeigte eine starke Depletion ihrer Immunzellendann und eine verheerende Dichte an sekundären Parasiteninfektionen, die ihre Organe stark angegriffen hatten.
Daraufhin wurden gesammelte Milz- und Lymphknoten-Gewebeproben von verstorbenen Tieren mit und ohne SIV-Infektion untersucht. Die Forscher entdeckten in den SIV-infizierten Proben ebenfalls eine Verringerung der Immunzellen und speziell der CD4-positiven T-Zellen. Diese bilden eine Subpopulation der Immunzellen, die massgeblich an der Verteidigung gegen invasierende Krankheitserreger beteiligt ist. Diese CD4-positiven T-Zellen werden auch im Menschen von HI-Viren angegriffen, was die Immunabwehr der Betroffenen stark schwächt und an den Symptomen des humanen AIDS beteiligt ist.
Zusammengefasst zeigen diese Ergebnisse, dass das SIV einen substantiellen Einfluss auf die Sterblichkeit und die Geburtenrate freilebender Schimpansen ausübt und eindeutig mit AIDS-ähnlichen Symptomen assoziiert werden konnte.
Diese Studie ist mit Sicherheit die umfassendste dieser Art und der erbrachte Arbeitsaufwand war mit gewaltig. Alleine die Etablierung der verschiednen Testsysteme um die Untersuchungsobjekte in ihrem natürlichen Lebensraum zu identifizieren und zu typisieren ist beeindruckend. Beatrice Hahn, die verantwortliche Forscherin, plädiert ausserdem noch dafür, diese überaschenden Ergebnisse nicht als Rechtfertigung für die Wiederaufnahme der gestoppten Versuche mit SIV-Infektion in gefangenen Schimpansen zu verwenden. Sie ist vielmehr der Meinung, dass weitere Untersuchungen an wild lebenden infizierten Tieren und deren nicht-infizierten Gruppengenossen viel weitreichendere Einblicke in die Dynamik dieser Viruserkrankung erbringen können.

Keele, B., Jones, J., Terio, K., Estes, J., Rudicell, R., Wilson, M., Li, Y., Learn, G., Beasley, T., Schumacher-Stankey, J., Wroblewski, E., Mosser, A., Raphael, J., Kamenya, S., Lonsdorf, E., Travis, D., Mlengeya, T., Kinsel, M., Else, J., Silvestri, G., Goodall, J., Sharp, P., Shaw, G., Pusey, A., & Hahn, B. (2009). Increased mortality and AIDS-like immunopathology in wild chimpanzees infected with SIVcpz Nature, 460 (7254), 515-519 DOI: 10.1038/nature08200

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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