Selbstvaskularisation – Eine Wachstumsstrategie des Krebs?

Vor über 40 Jahren wurde erstmals erkannt, dass das Wachstum von Tumoren von der Energieversorgung durch Blutgefässe abhängig sein sollte, und ein Aushungern der Wucherung durch das Unterbinden der Blutzufuhr möglich sein sollte.

Eine Klasse von Pharmazeutika wurde erdacht, die die Vaskularisation, also die Neubildung von Tumorinfiltrierenden BluTgefässen unterdrücken sollten. Es dauerte aber noch 30 Jahre, bis die ersten Angiogense-Inhibitoren, Medikamente wie Avastin, die die Bildung von Blutgefässen unterdrücken, zur Erforschung kamen. Trotz aller Hoffnungen, zeigten diese Wirkstoffe letztendlich aber leider nur wenig Einfluss auf die Lebenserwartung der betroffenen Patienten.

150px Glioblastoma   MR sagittal with contrast Selbstvaskularisation   Eine Wachstumsstrategie des Krebs?

Glioblastom Bild:Wikipedia

Nun sind Forscher aus den USA und Italien auf eine mögliche Erklärung gestossen. So berichten die beiden Grupen unabhängig, dass sie Beweise für die Abstammung der Blutgefässe von den Tumorzellen gefunden hätten. Dies ist nicht der erste Bericht von Blutgefässen, die genetisch vom Tumor abstammen, doch Ergebnisse aus dem Jahr 1999, waren uneindeutig und konnten die beobachteten Effekte nicht vollständig erklären.

Bei der Unetrsuchung von Patienten mit agressiven Gehirntumoren, sogenannten Glioblastomen ist aufgefallen, das die Zellen der Blutgefässe genetische Marker enthielten, die mit gefundenen Markern der Krebszellen übereinstimmten. Dies widerspricht dem gängigen Dogma, dass der Tumor durch externe Kommunikation den Körper dazu veranlasst, ihn mit Blutgefässen zu versorgen. Ausserdem könnte es erklären, warum die Angiogense Inhibitoren so wenig Wirkung zeigen, denn die Laborbehandlung von im Tumor gefundenen stammzellähnlichen Zellen, die sich in Blutgefässvorläuferzellen umwandeln können, zeigte keinen Einfluss auf diesen Prozess. Die Weiterentwicklung zu Blutgefässzellen wurde jedorch unterdrückt. Es bleibt also noch viel Kausalität zu erforschen. Und möglicherweise öffnet diese Entdeckung ein neues Feld von Angiogense Inhibitoren, die spezifisch die vom Tumor gebildeten Blutgefässe angreifen oder deren Bildung verhindern können.

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Wang, R., Chadalavada, K., Wilshire, J., Kowalik, U., Hovinga, K., Geber, A., Fligelman, B., Leversha, M., Brennan, C., & Tabar, V. (2010). Glioblastoma stem-like cells give rise to tumour endothelium Nature DOI: 10.1038/nature09624
Ricci-Vitiani, L., Pallini, R., Biffoni, M., Todaro, M., Invernici, G., Cenci, T., Maira, G., Parati, E., Stassi, G., Larocca, L., & De Maria, R. (2010). Tumour vascularization via endothelial differentiation of glioblastoma stem-like cells Nature DOI: 10.1038/nature09557

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