“STEALTH-Tigermotte” verunsichert jagende Fledemäuse!

rb2 large gray STEALTH Tigermotte verunsichert jagende Fledemäuse!
Autor: Fee
Die Bezeichnung “Stealth”, die man von den amerikanischen Tarnkappenbombern kennt ist in diesem Kontext eigentlich etwas irreführend, da in diesem Fall eine besondere Oberflächenbeschaffenheit die Erfassung mittels Radar weitestgehend verhindert. Doch die resultierenden Auswirkungen sind durchaus vergleichbar. Fledermäuse jagen ihre Beute, meis Insekten, in der Nacht und sie orten sie, mangels Sicht durch Ultraschallortung. Dazu wird ein Schrei im Ultraschallbereich abgegeben und das zurückkehrende Echo wird von den Sinnesorganen der Fledermaus in ein Bild mit räumlichen Lageinformationen umgesetzt. Das ermöglicht den Fledertieren ein erstaunlich exaktes Manövrieren bei absoluter Dunkelheit. Ich habe einmal einen Fernsehbeitrag gesehen, bei dem eine Fledermaus durch einen Raum mit einem hauchdünnen Drahtraster flog, dabei waren die hauchdünnen Drähte abwechseln horizontal und vertikal mit einem Abstand von ca 30cm im Raum von Wand zu Wand, bzw. vom Boden zur Decke gespannt. Die Infrarotkamera zeigte, das es der Fledermaus keinerlei Probleme bereitete Berührungslos durch diesen Hindernisparkur zu steuern und dabei noch eine Beute zu jagen.

180px Bat capture moth STEALTH Tigermotte verunsichert jagende Fledemäuse!
Bild: Wikipedia

Nun war es Forschern schon länger bekannt, dass eine amerikanische Mottenart (Bertholdia trigona) Klicklaute im Ultraschallbereich produzieren kann, und dass diese eine Verringerung der Fledermausattacken bewirken, da Motten, die nicht mehr klicken können wieder mit der üblichen Frequenz erbeutet werden. Um dies zu erklären bieten sich unterschiedliche Ansätze an. Es könte sich um ein Erschrecken der Fledermäuse handeln, in diesem Fall sollten sich die Tiere allerding innerhalb einer gewissen Zeit adaptieren und keinen Fangquotenverlust mehr erleben. Desweiteren könnte es sich um einen Warnhinweis auf Unverträglichkeit durch beispielsweise Gift, oder zumindest ein Mimikri desselben Mechanismus handeln. Die nächste Möglichkeit wäre der aktive Schallgegenangriff, der klar mit der Echoortung der Jäger interferiert.

Um dies genauer zu untersuchen, beobachteten die Forscher in 9 aufeinanderfolgenden Nächten das Jagdverhalten von Fledermäusen mit demobilisierten Tigermotten, indem sie diese Szenen sowohl mit Infrarotkamera als auch mit einem Ultrschallmikrofon aufzeichneten. Die Gift-Hypothese wurde ausgeschlossen, da die Tiere anhaltend versuchten die Tigermotten zu erbeuten, obwohl ihnen dies nur in 20% der Fälle gelang. Ausserdem erbeuteten sie bis zu viermal soviele Motten, wenn diese nicht klicken konnten und kamen zurück um weitere zu erbeuten, also mundeten sie ihnen sichtlich. Die Ultraschallaufzeichnungen lieferten schleisslich die Erkenntnis. Im Jagdverlauf der Fledermäuse kommt es bei Annäherung an die Beute zu einer Frequenzzunahme der ausgestossenen Schreie, bis hin zu 200 pro Sekunde, um in der finalen Phase genaueste Ortungsdaten zu erhaten. Doch in eben dieser finalen Phase erhöht auch die Tigermotte ihre Klickfrequenz auf bis zu 4500 Klicks pro Sekunde. Dieser Schallangriff der Motten führte rückwirkend zu einer Verringerung der Frequenz der Fledermäuse, was eindeutig auf eine aktive Störung der Echoortung hinweist. Wie dieser Störmechanismus genau funktioniert ist weiterhin unbekannt, doch die Forscher vermuten, dass das Störsignal möglicherweise direkt mit der Verarbeitung der zurückkehrenden Echos interferiert, die der Fledermaus als Entfernungsmessung dienen. Dabei verliert die Fledermaus ihre Ortungsergebnisse und schaltet wieder auf Normalbetrieb, was sich in der Verringerung ihrer Schreifrequenz nach dem Klick-Schallangriff der Motte zeigt.

Corcoran, A., Barber, J., & Conner, W. (2009). Tiger Moth Jams Bat Sonar Science, 325 (5938), 325-327 DOI: 10.1126/science.1174096

Popularity: 3% [?]

Ähnliche Artikel:

  1. Die Konvergenz der Echoortung!
  2. Fledermaus übernachtet in fleischfressender Kannenpflanze

Kategorie: Wissenschaftsnews

Tags:

RSSKommentare (0)

Trackback URL

Einen Kommentar hinterlassen