Trüffelgenom sequenziert!

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Autor: Fee
Der schwarze (Tuber melanosporum) und der weisse (T. magnatum) Trüffel gehören zu den teuresten Nahrungsmitteln der Welt, obwohl diese unscheinbaren symbiotisch lebenden Pilze auf den ersten Blick starke Gemeinsamkeiten mit Tierausscheidungen von der festen Konstistenzsorte hat.

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Doch wenn man einmal an einem schnuppert verfliegt diese erste Analogie und ein unvergleichliches Aroma von Düften stürmt auf die Riechrezeptoren ein. Und gerade wegen diesem Aroma werden sie in der “Haute Cuisine” weltweit als Delikatessen gepriesen und anhand der hohen Nachfrage entstehen die unglaublichsten Preise. Man ist schnell mal 1000 € los wenn man ein richtig schönes Stück ergattern möchte. Im Gegensatz zum weissen Trüffel, ist es französischen Forschern im 19. JH geglückt den schwarzen Trüffel in Obstgärten zu kultivieren, doch auch die geographische Herkunft spielt hier eine Rolle. In Anbetracht der Wichtigkeit der kultivierten Ernährung für Franzosen und Italiener, ist es nicht wunderlich, dass eine französich/italienische Kolaboration sich nun daran gemacht hat und das Erbgut Tuber melanosporum entschlüsselt hat und das Genom von T. magnatum ist in Bearbeitung. Als erste Anwendung ergab sich daraus ein genetischer Fingerabdruck anhand von hoch variablen repetitiven Sequenzen. Dieser kann nun verwendet werden um billige von teueren oder gar von ganz falschen chinesischen Trüffeln (T. indium) zu unterscheiden und damit dem Schwarzmarkt eins auszuwischen.
Doch von diesen “praktischen” Anwendungen abgesehen haben sich die Wissenschaftler auch mit evolutiven und phyllogenetiscehn Fragestellungen beschäftigt und dabei stiessen sie auf eine Handvoll Überaschungen. So ergab der Vergleich der verschiedenen geographischen Populationen zum Beispiel, dass nach der letzten Eiszeit, nur zwei kleine Populationen von schwarzen Trüffeln in Italien und Spanien existierten, die sich im tauenden Europa ausbreiteten und die Alpen überquerten. Die weissen Trüffel dagegen, kamen damals nur in Zentralitalien vor und breiteten sich nur Richtung Balkan aus. Warum kam es hier nicht zu einer Alpenpassage? Diese Unterschiede könnten zusammen mit der klimatischen Veränderung zu einem nördlichen Abwandern der schwarzen Trüffel führen, während die weissen Trüfel, die ja sichtlich nicht für eine Alpenpassage ausgestattet sind aussterben könnten.
Mal abgeseehn von der nicht nachgewiesenen aphrodisierenden Wirkung dieser Knollen auf den Menschen konnte das sexuelle Treiben der Trüffel nun aufgeklärt werden. Dachte man bisher, dass die diploiden Sporenzellen in den Fruchtkörpern (die essbaren Knollen) von ein und demselben Individuum abstammen, konnte nun nachgewiesen werden, dass deis nicht der Fall ist und die beiden Genome von unterschiedlichen Pilzen stammten. Es musste also zu einer unterirdischen sexuellen Handlung gekommen sein.
(Mitteilung auf dem 3rd International Truffle Congress, Spoleto, Italy, 24-28 November 2008).
Und dieses Projekt war nicht das erste seiner Art, dass es auf die genetischen Geheimnisse eines delikaten Nützlings abgesehen hatte. Im Jahr 2008 publizierte eine französische Gruppe das vollständig sequenzierte Erbgut der Weintraube.

J. Travis (2008). Uncorking the Grape Genome Science, 320 (5875), 475-477 DOI: 10.1126/science.320.5875.475

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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