Ursuppe gestern und heute!

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Autor: fee
Vor über 50 Jahren startete Stanley Miller, damals gerade mal ein 23-jähriger Student, eine Reihe von Experimenten, die Geschichte schreiben sollten. Er befand sich damals im Labor des Nobelpreisträgers Harold Urey und wollte der Entstehung des Lebens auf den Grund gehen. Gar nicht so einfach, da das ganze schliesslich schon ein paar milliarden Jahre her war. Also baute er sich einen Aufbau aus Glaskolben und Verbindungsröhren und füllte das ganze mit einem wenig hermachenden Gemisch aus Methan, Ammoniak, Wasserstoff und Wasser. Dieses Gemisch, ein Vorläufer des später auch als Ursuppe bekannten Gebräus, wurde verschlossen und mit elektrischen Entladungen beschossen, da man grundsätzlich davon überzeugt war, das dies in etwa dem Zustand der Erde zur entsprechenden Zeit, dem Azoikum (Archaikum) entspricht.

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Was Miller damals beobachten konnte, war ein Farbwechsel von farblos nach rot, und über gelb zu braun und nach einigen Tagen konnte er tatsächlich einen Satz Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, in der Brühe nachweisen. Was zu beweisen war! Diese Ergebnisse zeigten anschaulich, das eine spontane Entstehung von essentiellen Bausteinen des heute bekannten Lebens prinzipiell möglich ist. Das ganze wurde dann in einem kurzen aber einprägsamen Artikel in Nature publiziert.
Dieses Jahr und ziemlich genau 55 Jahre später stiess ein ehemaliger Student Millers, Jeffrey Bada, auf einige Reaktionsgefässe mit Lösungen aus einem ähnlichen Experiment von damals. Da nach dem Tod MIllers im Mai letzten Jahres, all seine Laborutensilien an Brada übergingen, hatte dieser fortan die Schätze in seinem Besitz. Anhand der Beschreibung eines weiteren Kollegen und den über fünfzigjährigen akribischen Aufzeichnungen Millers konnten die Präparate eindeutig einem Experiment zugeordnet werden. Zusätzlich zu der oben genannten Anordnung hatte Miller noch eine Düse appliziert, die einen Strahl Wasserdampf in das Gemisch pustete, um die Einflüsse vulkanischer Aktivität zu immitieren. Die Untersuchung der alten Proben mit modernen Methoden lieferte, zusätzlich zu den schon von Miller beschriebenen Aminosäuren einen ganzen Satz neue und zum Teil wichtigere Aminosäuren, in Betracht auf die Entstehung von Leben. Auch entsprechende Aufzeichnungen zu den, nicht ganz so genauen, Ergebnissen Millers, fanden die detektivistischen Forscher, die jedoch niemals publiziert wurden.
Da diese neuen Ergebnisse die Aussage ermöglichen, dass auch Vulkane an den grundlegenden Prozessen beteiligt gewesen sein könnten, wurde ein neuer Artikel verfasst und auch dieser schaffte es, in Science publiziert zu werden. Also ein Paar Schwesterartikel, die nur schlappe 55 Jahr Altersunterschied aufweisen.

S. L. Miller (1953). A Production of Amino Acids Under Possible Primitive Earth Conditions Science, 117 (3046), 528-529 DOI: 10.1126/science.117.3046.528

A. P. Johnson, H. J. Cleaves, J. P. Dworkin, D. P. Glavin, A. Lazcano, J. L. Bada (2008). The Miller Volcanic Spark Discharge Experiment Science, 322 (5900), 404-404 DOI: 10.1126/science.1161527

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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