Vegetarische Springspinne in Mexiko

Autor: fee
Spinnen: Kaum ein Tier verursacht Panik wie diese meist doch recht posierlichen Gliederfüsser, die mit sehr wenigen Ausnahmen völlig ungefährlich für uns Homo sapiens sind. Doch nichtsdestotrotz gelten sie als gnadenlose Killer und diverse geschriebene oder verfilmte Geschichten untermauern diese Urangst vor den oktopodischen Krabblern, die gestandene Männer zu unkontrollierbaren Panikausbrüchen verleiten können. Diesem Image des hintelistigen Jägers wurde nun etwas entgenet: die erste vegetarische Spinne wurde in Mexiko entdeckt (Vortrag von Christopher Meehan von der Villanova University in Pennsylvania während dem 12th International Behavioral Ecology Congress).
Spinnen, die gelegentlich Blütennektar als Energiebombe während der kräftezehrenden Paarungszeit vertilgen, waren schon bekannt, und Jungspinnen, die sich zeitweise von im Netz gefangenen Pollen ernähren auch. Doch bei dieser neuen Spezies handelt es sich um die erste tatsächlich vollkommen vegatarisch lebende art. Der Name, Bagheera kiplingi geht auf den Panther aus der Urwald-Survival-Geschichte eines kleinen Waisenkindes von Rudyard Kipling zurück, die mehrmals verfilmt und als “Das Dschungelbuch” bekannt wurde. Bagheera kiplingi gehört zu den Grossaugenspringspinnen, sehr beweglichen Predatoren, mit sehr guten visuellen Fähigkeiten.

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Doch bei dieser Spezies handelt es sich keineswegs um einen Weichling seiner Art. Sie verbringt ihr Leben auf Akazienbäumen und stielt ihr Futter von den dort symbiontischen Ameisenpatrouillen. Diese Symbiose zwischen Insekct und Pflanze ist ziemlich eng. Die Pflanze stellt den Unterschlupf, verdickte ausgehöhlte Dornen, die sogenannten Donatien zur Verfügung und versorgt die Ameisen desweiteren mit Nahrung in Form von Nektar und kleinen Protein-Fett-Klümpchen, die von den Blättern ausgeschieden werden. Als Gegenleistung sind die Ameisen ziemlich rigoros gegenüber Fressfeinden und beschützen “ihre” Akazie mit massiven Gegenschlägen. Bei einigen Arten kommt es sogar zu regelrechten Aufräumtrups, die den Boden in einem grossen Umkreis von auskeimenden potentiellen “Konkurenten” befreien.
Und in dieser relativ feindlichen Umgebung ist Bagheera kiplingi also unterwegs um den “Bodyguards” ihre verdiente Belohnung abspenstig zu machen – Respekt!
Um diese Lebensweise zu untermauern, wurde die Verteilung der schweren Stickstoff-15 und Kohlenstoff-13 Isotope gemessen, und das relative geringe Vorhandensein von Stickstoff im Gegensatz zu hohen Konzentrationen von Kohlenstoff spricht eindeutig auf die herbivore Ernährung.

Die Evolution hatt immer eine Überraschung auf der Hand.

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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RSSKommentare (2)

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  1. fee sagt:

    Danke, ist verbessert!

    [Antwort]

  2. didi sagt:

    Interessante gesschichte…hab mal ein bischen weiter recherchiert…hab nix darüber rausgefunden ob die spinne auch ein chemisches mimikri hat oder einfach nur gut ausweichen kann…

    viel interessanter aber finde ich die frage, ob die spinne wirklich die pflanzliche nahrung isst oder nicht doch die ameisen…ich meine wenn davon ausgegangen wird, dass die spinne die beltschen körperchen der bäume isst, weil die isotopenverhältnisse ähnlich sind, dann müssten die isotopenverhältnisse von ameisen und körperchen ja auch ähnlich sein und somit die ähnlichkeit zwischen spinne und körperchen auch festgestellt werden, wenn die spinne den umweg über die ameisen geht?

    ich denke es ist etwas vorschnell geschlussfolgert, dass sie wirklich direkt die pflanzliche nahrung frisst!

    [Antwort]

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