Verringerte Serotonin-Level bei plötzlichem Kindstod?

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Der plötzliche Kindstot oder Krippentod ist eine Definition für eine Situation des Säuglingstod, bei dem bekannte ursächliche Gründe ausgeschlossen werden konnten. Diese Definition ist in manchen Punkten fraglich, da es sich die Todesursache retrospektiv oft nicht zweifelsfrei klären lässt, doch das Auftreten eines solchen Ereignisses ist verheerend für die betroffenen Eltern, da die Gesellschaft trotz der Anerkennung der Sachlage immer noch oft vorverurteilend vorgeht.

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Bild: Wikipedia

Das Auftreten von SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) ist regional unterschiedlich und betrifft zwischen 0,09 und 0,8 Babys pro 1000 Geburten und tritt am häufigsten zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat auf. Trotz enormen Forschungsanstrengungen ist die Ursache nach wie vor unerklärt. Man hat mit einer grossangelegten Kampagne vor einigen Jahren enorme Verbesserungen erreicht. Dabei wurde über die bis dahin bekannten Risikofaktoren aufgeklärt und ein verändertes Verhalten der Eltern angeregt. Diese Faktoren sind unter anderem die Schlafposition auf dem Bauch, eine rauchbelastete Umgebung, überhitztes Raumklima und Fremdkörper wie Decken, Kissen, Felle, Kopfbedeckungen im Bettchen.
Die amerikanische Pathologin Hannah Kinney from Children’s Hospital in Boston hat bereits 2006 eine Untersuchung publiziert, bei der verringerte Mengen des Serotoninrezeptors im Hirnstamm von an SIDS verstorbenen Säuglingen entdeckt wurden. Nun erscheint die Nachfolgestudie, bei der auch die Konzentration des Neurotransmitters Serotonin selbst verringerte Werte aufwies. Serotonin ist an der Steuerung des Herzschlags, der Atmung und dem Aufwachen beteiligt. Eine Theorie besagt, dass die betroffenen Kinder nicht ordnungsgemÄss auf eine Erstickungssituation reagieren, weil ihnen die Serotoninkonzentrationen für ein Aufschrecken oder einen Positionswechsel fehlen. Doch das ist bisher nur eine Hypothese.
Nur mit weiterer Forschung kann dieser verheerende und für die Hinterbliebenen traumatisierende Vorgan weiter aufgeklärt werden, mit der Hoffnung eine Therapie oder eine Frühwarnung zu entwickeln.

Autor: Fee

Paterson, D., Trachtenberg, F., Thompson, E., Belliveau, R., Beggs, A., Darnall, R., Chadwick, A., Krous, H., & Kinney, H. (2006). Multiple Serotonergic Brainstem Abnormalities in Sudden Infant Death Syndrome JAMA: The Journal of the American Medical Association, 296 (17), 2124-2132 DOI: 10.1001/jama.296.17.2124

Duncan, J., Paterson, D., Hoffman, J., Mokler, D., Borenstein, N., Belliveau, R., Krous, H., Haas, E., Stanley, C., Nattie, E., Trachtenberg, F., & Kinney, H. (2010). Brainstem Serotonergic Deficiency in Sudden Infant Death Syndrome JAMA: The Journal of the American Medical Association, 303 (5), 430-437 DOI: 10.1001/jama.2010.45

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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