Sex, Lügen und Medikamente

Wie krank bin ich? Bin ich überhaupt krank? Ist meine Krankheit erfunden – von mir oder gar der Pharmaindustrie? Benötige ich Medikamente um meine Beschwerden zu therapieren?

Der Umgang mit Medikamenten ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Während der Eine sofort zu irgendwelchen Pillen und Wässerchen in grellen Farben und mit scheusslichem Geschmack greift, versucht es der Andere lieber mit einem Spaziergang an der frischen Luft, ein bisschen Bettruhe. Zwischen diesen Extremen gibt es die ganz bunte Mischung von `kranken´die es vielleicht gar nicht sind, von Hypochondern denen es gut tut sich mit sich zu beschäftigen und sich zu bedauern, bis hin zu denjenigen die echt mal zum Arzt gehen sollten, denn die moderne Medizin kann einiges und man sollte ihr auch vertrauen.

Ray Moyinihan geht es allerdings weniger um die Einstellung des Kranken, sonden vielmehr um das was die Ärzte und die Pharmaindustrie einem als `krank´bzw. als `nicht krank´ Definitionen liefern. Dieser investigative Journalist weiss dass man nicht all dem Glauben schenken kann was man von ihnen hört.

Glaubt man kritischen Stimmen, so sind Ärzte nicht so frei in ihrem Einschätzungsvermögen wie sie es sein könnten und sollten, lassen sich von Produkten der Pharmafirmen hinreissen die sie kostenlos gestellt bekommen, oder für deren Verabreichung sie irgendeine Art von Bonus bekommen.

Es wird noch schlimmer:  Pharmafirmen erfinden Krankheiten!

So ähnlich äussert sich zumindest der Pharmafirmen-kritiker Ray Moyinihan in seinem aktuellen Buch das sich mit `Sex, Lügen und den Medikamenten´ beschäftigt.

Ray Moyinihan ist Journalist, Autor, Dokumentarfilmersteller, akademischer Forscher und Preistager, der eine weltweiten Bekanntheitsgrad geniesst. Er steht der Pharmaindustrie sehr kritisch gegenüber, die die Menschen nicht unbedingt gesund, sondern sogar krank machen.

Ray M1 Sex, Lügen und Medikamente

Ray Moyinihan während seines Vortrages im PRBB in Barcelona

In seinem Vortrag vor wenigen Stunden berichtet er über seine Recherchen und wie stark die Pharmaindustrie in Studien involviert ist, die bei der Ermittlung  von Krankheiten eine Rolle spielen, bei der Wirksamkeit von Medikamenten und bei Wissenschaftlich/Medizinischen Kongressen zu diesem Thema. Überall sitzt die eine oder andere Pharmafirma als Sponsor mit im Team, wird die Studie von einer Pharmafirma finanziert, der Fragebogen gar von der Pharmafirma selber gestellt und ausgewertet… wo bleibt die Unahängigkeit, die Objektivität? Wie kann man diesen Daten Glauben schenken?

Ausserdem kritisiert er zu recht die nicht ganz freie Haltung von Medizinern, die sich oft sicher ungewollt von Angeboten der Pharmaindustrie beeinflussen lassen. Das Produkt wird eher weiterempfohlen, für das man noch ein paar Boni bekommt, oder der Anbieter ist beliebter, von dem man mit mehr Aufmerksamkeit bedacht wird. Um dem ein Ende zu setzen hat Ray Moyinihan als Coautor bereits 2009  diesen Artikel in PLos Medicine geschrieben, indem er an die Ärtze appeliert sich von den Pharmafirmen loszusagen.

Erfundene Krankheiten, das ist das nüchterne Resümé von Ray Moyinihan, der als Beispiel einen Einführungsfilm bringt über das Syndrom der fehlenden Motivations (Motivation Deficientcy Disorder), welches sich darin äussert, dass die Betroffenen nur am Strand oder auf dem Sofa rumlungern und vor allem Montag morgens höchst unmotiviert sind. Dieses Syndrom wurde am 01.04.2006 entdeckt und beschrieben und auch wenn ein jeder 5 daran leiden soll, so sprach das Gelächter im Auditorium für sich.

In seinem Vortrag konzentriert er sich auf eine Krankheit, die je nach Studie zwischen 10-63% aller Frauen betrifft! Alarmierende Werte, aber es gibt ja eine Vielzahl an Medikamenten die zur Behebung der Symptome eingenommen werden können. Bei der Krankheit handelt es sich um eine akute sexuelle Dysfunktion der Frauen, die nicht mehr im Stande sind Lust an Sex zu empfinden, gar Schmerzen leiden müssen. So erfolgreich das Zaubermittel Viagra in der Männerwelt Karriere gemacht hat, so wunderbar wäre es doch auch für die Frau ein alleskönnendes Medikament zu finden, das Lust und Freude am und beim Sex ermöglicht, sollte sich dieser nicht von Sleber einstellen. Doch seit wann haben denn Frauen ein Problem mit Sex? Seit jemand auf die Idee kam, dass dem so sein könnte und somit ein Markt generierte um Medikamente für dieses Syndrom anzubieten. Interessanterweise liegt die Ursache dieser Fehlfunktion mal im Gehirn , will man einen Neurotransmittel als Zaubertrank verkaufen, mal ist es eine hormonelle Störung, gegen die auf jeden Fall Testosteron eingenommen werden sollte etc. etc.

Sicher gibt es Frauen, die alle Symptome der FSD (Female Syndrome Dysfunktion) aufweisen, Doch heisst das noch lange nicht dass es A) diese Krankheit gibt und B) ein ohne jegliche wissenschaftliche Basis generiertes Medikament gegen diese Symptome helfen sollten. Sehr anschaulich wird es nämlich wenn ein 5-Minuten Test zur Ermittlung von FSD, auch für Ärzte die keine Experten in dem Gebiet sind, angeboten wird. Dieser 5-Miinuten Test erlaubt dem ungeschulten Arzt nämlich mit wenigen Fragen in den genannten 5 Minuten herauszufinden ob die Frau vor ihm FSD hat oder nicht. Zum Glück sind sexuelle Dysfunktionen so einfach einzustufen und zu kategoriseiren, obwohl, warum dann noch solch einen Test benutzen…?

Mehr Kritik von ihm in seinem aktuellen Buch mit dem schönen Titel `Sex, lies and pharmaceuticals´und auch von `new views´die eine Kampagne mit dem slogan `sex for our pleasure or their profit´zu diesem Thema führen.

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RSSKommentare (2)

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  1. Claudia sagt:

    Schöner Artikel!
    Ja, diese 5min. Tests zur Diagnose sind super, wird von manchen Ärzten bei ADHS leider auch so durchgeführt. Die verschreiben Ritalin bei noch nicht mal 1jährigen! Und was haltet Ihr von einem Kinderarzt, der gar ein Ritalin-Werbeplakat im Wartezimmer hängen hat???!!! Ohne Worte….

    [Antwort]

    Frank Antwort vom September 18th, 2010 2:37 pm:

    Hey Claudia.
    Ja genau so einen Arzt kenne ich auch und hat nun eine Anzeige an der Backe wegen einem unmorlaischen Deliktes. Den genauen Ausdruck kenne ich jetzt nicht mehr… aber dass es unmoralisch ist, steht schonmal fest. Einfach nur geldgeil…

    [Antwort]

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