Asexuelle Ameisen haben doch Sex

Die meissten uns bekannten Tier-und Pflanzenarten verlassen sich auf die sexuelle Fortpflanzung um eine grösstmögliche genetische Vielfalt zu erzeugen. Doch es gibt Ausnahmen von dieser Regel, Parthenogenese genannt, zum Beispiel die Pilzzüchterameise Mycocepurus smithii. Doch nun wurden einzelne Populationen dieser Ameisen dabei ertappt, ES doch zu tun. Sie haben Sex.

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Mycocepurus smithii (Bild: Wikipedia)

Wissenschaftler der Univerität von Texas in Austin haben sich genetische Marker in 35 Populationen von M. smithii aus Zentral- und Südamerika angeschaut. Dabei stellten sie fest, dass in vier der Populationen Unterschiede zwischen den Königinnen und den Arbeiterinnen zu finden waren. Bei einer asexuellen, klonalen Vermehrung kann das nicht auftreten, alle Nachkommen wären Klone der Königin und damit genetisch identisch mit ihr.

Ausserdem fanden die Forscher in diesen besagten Königinnen Sperma, dass die Tiere in sogenannten Samentaschen (Receptaculu seminis) aufbewahrten und dessen genetische Marker mit den von der Königin abweichenden Markern der Arbeiter übereinstimmte. Das erbrachte den Beweis, dass die Königinnen Sex hatten und das genetische Material an ihre Arbeiternachkommen weitergegeben haben.

Eine geographische Analyse erbrachte weitere erstaunliche Ergebnisse. So waren die Populationen, die sich sexuell vermehrten an den Flussläufen des Amazonas und des Rio Negro konzentriert und könnten als Quelle der weiter verbreiteten asexuellen Populationen dienen. Vielleicht stellt eine solche Verbreitungsstrategie in der ganz speziellen Nische der Ameisen auch die am besten angepasste Lösung dar und bedeutet eine Fitnessvorteil gegenüber rein sexuellen Pilzzüchterameisen.

Das Problem ist jetzt nur, dass noch niemand jemals ein Männchen dieser Art zu Gesicht bekommen hat. Und bei 4 aus 35 Fällen sind das gerade mal 11%. Das dürfte Schwierig werden, doch jetzt, da man weiss, dass es diese Versteckten Männchen geben muss, kann die Suche ja beginnen. Vielleicht “leihen” sich die Königinnen das Sperma ja auch von einer verwandten Art, ist so etwas möglich? Hier sind die Ameisologen unter den Lesern gefragt!

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Rabeling, C., Gonzales, O., Schultz, T., Bacci, M., Garcia, M., Verhaagh, M., Ishak, H., & Mueller, U. (2011). Cryptic sexual populations account for genetic diversity and ecological success in a widely distributed, asexual fungus-growing ant Proceedings of the National Academy of Sciences DOI: 10.1073/pnas.1105467108

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RSSKommentare (3)

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  1. Bastian sagt:

    Bei Fröschen und Fischen kennt man die sogenannte Hybridogenese. Da werden bei Hybridarten die Spermien aus Art 1 “ausgeliehen” und in die Nachkommen verbaut. Es werden aber für die Gameten der Hybridart immer nur die Chromosomen aus Art 2 verbaut. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hybridogenese

    Theoretisch könnte man so etwas natürlich auch bei Ameisen finden.

    [Antwort]

    fee Antwort vom Juli 20th, 2011 9:36 am:

    Danke Bastian,
    sehr interessant! Die ganzen Feinheiten waren mir da noch nicht geläufig. Wir hatten das Thema im Grundstudium, aber wenn ich mich recht erinnere am Beispiel einer rein asexuellen Eidechse. Ist das dein Fachgebiet?
    Grüsse

    [Antwort]

  2. Bastian sagt:

    Bei den Salamandern war mir bislang nur die Gynogenese (http://en.wikipedia.org/wiki/Parthenogenesis#Gynogenesis) bekannt. Da wird das Genom des Spermiums nur als Starter missbraucht, nicht aber in die so entstehenden Nachkommen eingebaut.

    Mein Fachgebiet ist das aber auch nicht, wir hatten das Thema nur auch gerade im Master-Studiengang :)

    [Antwort]

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