Bärtierchen sind Überlebenskünstler!

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Autor: fee
Bärtierchen (Tardigrada) sind mikroskopische achtbeinige Lebewesen, die es eigentlich gerne feucht mögen. Sie sind nahe mit den Arthropoden verwandt und werden bis zu einem Milimeter groß. Und daß diese Tiere hartnäckig am Leben hängen war schon bekannt. Sie kommen so ziemlich mit allen Widrigkeiten des Lebens auf unserem Planeten wunderbar zurecht (Anoxybiose: Sauerstoffmangel; Osmobiose: starke Veränderungen im Salzgehalt; Kryobiose: starke Schwankungen in der Temperatur bis hin zu extremen Minusgraden; Anhydrobiose: Wassermangel bis hin zur totalen Austrocknung). Eine Anpassung an all diese “Biosen” ist die Kryptobiose, ein scheintoter Zustand, indem praktisch keine Stoffwechselaktivität mehr nachweisbar ist, und der den Tieren erlaubt, solche “schlechten Zeiten” zu überdauern.

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Bild: Wikipedia

Doch nun wollten Forscher den ultimativen Beweis für die Hartnäckigkeit dieser Tiere und schossen sie kurzerhand mit einem Sateliten in einen Erdorbit (Current Biology, Sep 2008). Dort angekommen wurden die Tiere bis zu zehn Tage, den Widrigkeiten des Weltraums ausgesetzt. Neben dem dort herrschenden Vakuum, das eine Dehydration verursacht, wurden einige der Proben auch noch ungefilterter solarer/kosmischer Strahlung ausgesetzt. Diese Strahlung wäre für einen Menschen normalerweise ein tödlicher Cocktail aus UV- und radioaktiver Strahlung.
Ähnliche Versuche gab es bereits mit Bakterien, um die Panspermie-Hypothese zu überprüfen, nach der Lebewesen die Reise Huckepack auf einem Meteoriten durchs All auf einen neuen Planeten überleben können. Und die Bakterien überlebten.
Doch ein Bärtierchen ist in punkto Komplexität einem Bakterium weit voraus, und deshalb ist diese Meldung auch so interessant. Doch die ganz besonderen Anpassungen an sich verändernde Lebensräume, die die Evolution hier geleistet hat, ermöglichen es sogar einem höheren, mehrzelligen Organismus, wie dem Bärtierchen, diese extremen Umweltbedingungen zu tolerieren. Nach der Rückkehr zum Mutterplaneten, und nach Einstellung von etwas lebensfreundlicheren (d.h. feuchteren) Bedingungen, zeigten sich in den meisten Proben Überlebende. Da fällt mir doch direkt eine Anwendung ein: die Aufbewahrung und der Transport von Spenderorganen zur Transplantation ist stark begrenzt und nur wenige Stunden möglich. Dieses Problem könnte von solchen Erkenntnissen sicherlich profitieren.
Und jetzt noch etwas in eigener Sache und weil es gerade so gut passt: Organspendeausweise retten Leben!

K. Ingemar Jönsson, Elke Rabbow, Ralph O. Schill, Mats Harms-Ringdahl, Petra Rettberg (2008). Tardigrades survive exposure to space in low Earth orbit Current Biology, 18 (17)

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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