Der Neandertaler in uns!

250px Neanderthalensis e1273662086933 Der Neandertaler in uns!

Neandertaler (Wikipedia)

Fest steht, dass der moderne Mensch (Homo sapiens)  für mehrere tausend Jahre den Lebensraum mit den Neandertalern (Homo neanderthalensis) teilte. Doch ob es dabei zu Kreuzungen der beiden Arten kam, stand bis jetzt nicht fest. Dies verhinderte jedoch nicht, dass seit der Entdeckung der Neandertaler und ihrer zeitlichen Überschneidung des Lebensraumes mit den modernen Menschen, eine teilweise heisse Debatte zu diesem Thema geführt wurde. Immer wieder tauchten vermeintliche Beweise auf, wie zum Beispiel ein Kinderskelett in Spanien, dass morphologische Merkmale beider Arten aufwies. Doch eindeutig belegen liess sich die Kreuzung nicht. Rein anatomisch war sie bestimmt kein Hinderniss, denn auch der “moderne” Mensch muss für unsere heutige Sichtweise recht unkultiviert dahergekommen sein. Sicher ist nur, dass der Neandertaler aus irgendeinem Grund vor rund 30000 Jahren ausstarb und die Bühne an uns, Homo sapiens, überliess. Auch zum Aussterben unsere verwandten gibt es einige, zuweilen haarstreubende Theorien. Von einfachem Verdrängen durch überlegene Eigenschaften, über kriegerische Ausrottung durch die Machenschaften des modernen Menschen, bis hin zu kannibalistischchem Auffressen der unterlegenen Kontrahenten durch Homo sapiens, reicht das Spektrum.

Doch neueste und durchaus langwierige genetische Untersuchungen haben nun endgültig gezeigt, dass es zur Paarung kam. Da das menschliche Genom schon vorlag, musste “nur” noch das Neandertalergenom sequenziert werden. Klingt einfach, ist es aber nicht!

Zuallererst braucht man Knochenfossilien, die eine qualitativ ausreichende DNA-Isolierung erlauben, und auch diese Isolierung musste mühsam verfeinert werden, um die erwünschten Ergebnisse zu erzielen. Und dann kommt man erst zu einem weiteren Problem. Man darf die Probe nicht mit der DNA des Analysten verunreinigen, da man das erst am Ende der Analyse feststellen kann, und diese Analyse ist zeitaufwendig und immens teuer. Doch nach jahrelanger Arbeit ist es den Wissenschaftlern dennoch gelungen, ein ausreichendes Sequenzierungsergebnis des Neandertalergenoms vorzulegen. Insgesamt wurden 4 Milliarden Basenpaare von drei Individuen sequenziert. Beim Vergleich desselben mit dem genetischen Code von fünf modernen Menschen zeigte sich, dass 1%  bis 4% unserer Gene vom Neandertaler ererbt wurden. Das klingt nach nicht viel, ist aber einiges, und zeigt eindeutig, dass es zur Kreuzung der beiden Arten kam. Dies wirft auch auf die Theorien des Aussterbens ein neues Licht. Vielleicht kam es überhaupt nicht dazu, sondern es fand mehr eine Assimilation statt?

In welchem Ausmass es zu Kreuzungen kam ist schwer zu sagen. Die Ergebnisse könnten entweder eine kurze Phase heftiger Kreuzungen oder eine lange Phase geringer Kreuzungsaktivität zeigen. Fest steht nur, wo es dazu kam, denn der afrikanische Homo sapiens kam nicht in Kontakt mit den Neandertalern, da sich diese zu der gegebenen Zeit nur in Europa und Asien aufhielten. Wir Europäer tragen also alle ein kleines Erbe unserer ausgestorbenen Verwandten in uns, was möglicherweise die eine oder andere Verhaltensauffälligkeit in Zukunft erklären könnte!

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Green, R., Krause, J., Briggs, A., Maricic, T., Stenzel, U., Kircher, M., Patterson, N., Li, H., Zhai, W., Fritz, M., Hansen, N., Durand, E., Malaspinas, A., Jensen, J., Marques-Bonet, T., Alkan, C., Prufer, K., Meyer, M., Burbano, H., Good, J., Schultz, R., Aximu-Petri, A., Butthof, A., Hober, B., Hoffner, B., Siegemund, M., Weihmann, A., Nusbaum, C., Lander, E., Russ, C., Novod, N., Affourtit, J., Egholm, M., Verna, C., Rudan, P., Brajkovic, D., Kucan, Z., Gusic, I., Doronichev, V., Golovanova, L., Lalueza-Fox, C., de la Rasilla, M., Fortea, J., Rosas, A., Schmitz, R., Johnson, P., Eichler, E., Falush, D., Birney, E., Mullikin, J., Slatkin, M., Nielsen, R., Kelso, J., Lachmann, M., Reich, D., & Paabo, S. (2010). A Draft Sequence of the Neandertal Genome Science, 328 (5979), 710-722 DOI: 10.1126/science.1188021

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