Des Neandertalers Ende war also doch kein Krimi!

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Autor: Fee
Viel wurde in den letzten Jahren darüber hypothetisiert, was wohl der Grund für das Aussterben des Neandertalers (Homo neanderthalensis) war. Bis hin zu wahnwitzigen Theorien, der moderne Mensch (Homo sapiens) hätte seinen unterlegenen Verwandten schlichtweg verspeist! In den letzten Jahren wurden die Techniken der Genomanalyse so weit verfeinert, dass man nun auch die DNA Sequenz alter und degradierter Proben auslesen kann. Dies wird zur Zeit auch mit diversen Neandertalerfunden unternommen. Doch bis diese soweit verfollständigt sind, haben sich Forscher des Leipziger Max-Planck-Institutes für Evolutionäre Anthropologie mit einer sehr viel einfacheren und auch billigeren Methode an die Sequenzierung des mitochondrialen Genoms dieser Proben gemacht.

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Bild: Wikipedia

Die Mitochondrien sind Zellorganellen, die hauptsächlich für die Energiegewinnung der Zelle zuständig sind und da diese laut Endosymbiontentheorie vor langer Zeit als eigenständige Bakterienähnliche Zellen existierten, besitzen sie ein eigenes ringförmiges Genom. Ausserdem werden sie als Organellen ausschliesslich von der Mutter vererbt und sind somit keinen Rekombinationsprozessen, wie sie bei der Reifeteilung (Meiose) auftreten unterworfen. Bei dieser sogenannten Primer-Extension-Capture Methode, die spezifisch das gesuchte mitochondriale Genom analysiert, zeigte sich eine bei weitem geringere Diversität, als man das erwartet hätte. Da der Diversitätsvergleich von zwei Individuen wie eine Zeitskala angewandt werden kann, nach dem Prinzip, je verschiedener, desto länger ist es her, dass ein gemeinsamer Vorfahre existierte, ergab sich ein Bild der Populationsdichte der Neandertaler. Und das war eher erstaunlich, so ergab die Analyse, dass in der Zeit von vor 38000 bis vor 70000 Jahren maximal 3500 zeugunsfähige weibliche Neandertaler in Europa lebten. Wenn man dann noch deren geographische Ausbreitung betrachtet ergibt sich daraus wahrscheinlich eine Neandertalerpopulation, die in kleinen und sehr weit voneinander entfernten Gruppen lebte. Eine solche Einschränkung des genetischen Pools kann für eine Population verheerend sein und man geht von einem gehäuftem Auftreten von Erbkrankheiten aus. Dieser sogenannte Gründereffekt könnte also womöglich das Aus für den Neandertaler gewesen sein. Und nicht der übermässige Hunger seines überentwickelten Verwandten.

Briggs, A., Good, J., Green, R., Krause, J., Maricic, T., Stenzel, U., Lalueza-Fox, C., Rudan, P., Brajkovic, D., Kucan, Z., Gusic, I., Schmitz, R., Doronichev, V., Golovanova, L., de la Rasilla, M., Fortea, J., Rosas, A., & Paabo, S. (2009). Targeted Retrieval and Analysis of Five Neandertal mtDNA Genomes Science, 325 (5938), 318-321 DOI: 10.1126/science.1174462

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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