Die Haut hört mit!

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Autor: Fee
Der Hörsinn beruht massgeblich auf den funktionellen Einheiten des Ohres, also Aussenohr, Mittel- und Innenohr. All das zusammen ermöglicht es uns Schwankungen im Luftdruck wahrzunehmen und in unserem Gehirn in Musik oder gesprochenen Text, aber auch Lärm zu verrechnen. Schon vor einigen Jahren wurde festgestellt, dass neben dem Hauptakteur auch das Sehen eine Rolle spielt. So wurde Probanden eine Videoaufzeichnung des gesprochenen Lautes “GA” vorgespielt. Gab der Audiokanal dabei aber den Laut “BA” zum besten führte das zu ziemlicher Verwirrung bei den Probanden, die sich schliesslich sicher waren den Laut “DA” gehört zu haben. das ganze wird als McGurk-Effekt bezeichnet (jetzt bitte nicht lachen!).

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Ähnliches wurde nun durch das Vermischen von Audiosignalen mit der taktilen Wahrnehmung von Luftströmen entdeckt. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Wahrnehmung bestimmter Laute zum Teil vom “Fühlen” derselben abhängt.
Beim Aussprechen von Worten, die die Buchstaben “P”, “T” und “K” beinhalten, produziert unsere Sprechapparatur einen Luftstoss, der diese Buchstaben klar von Buchstaben mit ähnlichem aber weichem Klang, wie “B”, “D” und “G” unterscheidet, obwohl der Stoss so subtil ist, dass der Durchschnittsmensch gar nicht merkt was er gerade bemerkt hat. Das ganze wurde in Nature publiziert und hat den wohlklingenden Titel: Aero-tactile integration in speech perception (Aerotaktile Integration in der Sprachperzeption).
Um dies zu untersuchen wurden Probanden mit Kopfhörern Laute wie “PA” und “TA” und “BA” und “DA” vorgespielt, die entweder passend oder eben unpassend von feinen Luftstössen aus einem Röhrchen an den Händen, dem Nacken oder direkt ins Ohr begleitet wurden. Da die Probanden die Augen verbunden hatten, konnten sie den Ort des Luftstosses dabei nicht sehen. Ausserdem besass der Luftstoss etwa die halbe Intensität eines gesprochenen Luftstosses und wurde in den meisten Fällen überhaupt nicht wahrgenommen.
Bei diesem Versuchsaufbau zeigte sich, dass der Luftstoss einerseits das Erkennen der harten Laute “PA” und “TA” verbesserte, in Begleitung der weichen Laute “BA” und “DA”, deren Fehlerkennung aber steigerte. Die Trefferquote verbesserte sich von der Hand zum Nacken und blieb gleich bei den Ohren, was als Beweis gewertet wurde, dass der Luftstoss nicht einfach nur gehört wurde. Dies macht sich vor allem bei Worten mit demselben Klang bemerkbar, wie “Till” und “Dill” oder im englischen “tall” und “doll”.
Natürlich kann man auch ohne diese taktile Wahrnehmung Gesprochenes verstehen und der Effekt dürfte nur bei einer Entfernung bis zu 30cm wirksam sein. Es könnte sich dabei aber um eine Verständnishilfe für sehr leise Gesprochenes oder um einen Mechanismus zum Ausgleich lauter Umgebungsgeräusche handeln.
Ich kann mich noch gut erinnern wie schwierig es teils in völlig überschallten Tanzhöhlen mit der Verständigung war. Jetzt weiss ich wie ich wohl doch das eine oder andere Wort verstehen konnte.

Gick, B., & Derrick, D. (2009). Aero-tactile integration in speech perception Nature, 462 (7272), 502-504 DOI: 10.1038/nature08572

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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