Die Zwickmühle des Alterns

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Autor: fee
Anti-Aging, heute ein überaus geflügeltes Wort, beschreibt die Anstrengungen, die die Menschheit unternimmt, um den natürlichen Alterungsprozess zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Schon seit Menschengedenken träumt der Mensch von der Unsterblichkeit und in vielen Mythen und Geschichten ist davon die Rede. In den letzten Jahrzehnten, hat die Forschergemeinde auch Bahnbrechendes herausgefunden, die Funktion der Telomere bei der Replikation der Chromosomen, den positiven Einfluss von Kalorienreduktion und gesunder Lebensweise und die zerstörerischen Eigenschaften der reaktiven Sauerstoff-Spezies.
Neue Ergebnisse, die auf Experimente mit Hefen zurückgehen, zeigen nun in Säugetieren, dass eine “Zwickmühle” massgeblich an den Prozessen der Zellalterung beteiligt ist.
Aber nun von Vorne. Vor einigen Jahren entdeckten Forscher, dass das Protein Sir2 bei DNA-Strangschädigungen zu Hilfe eilt und sich sofort daran macht, diese zu reparieren. Doch dies hat unglücklicherweise zur Folge, dass die eigentliche Aufgabe des Proteins, nämlich die Inhibition eines Sterilitätsgens an enderer Stelle im Genom, vernachlässigt wird. Dies führt zu einem durch Reparatur intakten Genom, bringt aber auch Sterilität mit sich. Ein typischer Alterungseffekt in Hefen.
Das warf natürlich die Frage auf, ob das Säugetieranalog zu Sir2, SIRT1 gleiche oder vergleichbare Effekte in Säugetieren bewirkt.
Als erstes zeigten die Forscher um David A. Sinclair, dass sich SIRT1, in embryonalen Mausstammzellen, in der Umgebung von inaktiven DNA-Abschnitten aufhält, ein Hinweis auf seine inhibierende Funktion.
Als nächstes wurde oxidativer Stress durch Wasserstoffperoxid imitiert, und nach ca. einer Stunde hatten über 90% der SIRT1 Proteine ihren angestammten Platz verlassen und sich in der Umgebung der induzierten DNA-Bruchstellen eingefunden. Dies resultierte in transkriptionellen Veränderungen, die mit Untersuchungen an alternden Mausgehirnen vergleichbar waren.
Der vorläufige Beweis wurde an einem Mausmodell für genomische Instabilität erhoben, indem eine gesteigerte SIRT1-Expression eine deutliche lebensverlängernde Funktion (+25 Tage) bewirkte.
Neuer Brennstoff für die ernstgemeinte Altersforschung, aber bestimmt auch für durchgeknallte Anti-Aging-Anhänger.

Philipp Oberdoerffe1,Shaday Micha1,Michael McVa1,Raul Mostoslavsk,James Vann,Sang-Kyu Park,Andrea Hartlerode,Judith Stegmuller,Angela Hafner,Patrick Loerch,Sarah M. Wright,Kevin D. Mills,Azad Bonni,Bruce A. Yankner,Ralph Scully,Tomas A. Prolla,Frederick W (2008). SIRT1 Redistribution on Chromatin Promotes Genomic Stability but Alters Gene Expression during Aging Cell, 135 (5), 907-918

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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RSSKommentare (2)

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  1. Fischer sagt:

    Die spannende Frage hier: Wenn es eine so klare Dosis-Wirkungs-Beziehung bei SIRT1 gibt, warum wird nicht einfach mehr davon hergestellt? Welche Faktoren beeinflussen die Menge?

    [Antwort]

  2. fee sagt:

    Super Frage, aber mit Sicherheit gibt es da einen Grund! Ich glaube ja immer, dass das Altern oberhalb der Fortpflanzungsfähigkeit evolutiv eher unwichtig ist, da ein Organismus nach erfolgreicher Weitergabe seiner Gene nicht mehr wirklich daseinsberechtigt ist.
    Ist vielleicht eine etwas krasse Sicht!

    [Antwort]

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