Erinnerungen visualiseren durch Magnetresonanztomographie!

Eine Erinnerung, was ist das eigentlich? Eine mögliche Definition lautet: “Eine Erinnerung ist das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen.” Und was geht dabei im Gehirn vor? Bisher wurde das noch nicht exakt aufgeklärt. Wahrscheinlich kommt es zur Ausbildung eines Musters von elektrischer Aktivität, der die Synapsen eines neuronalen Netzwerkes in einer bestimmten Tomographie verstärkt und somit ein Abbild des Erlebten in dieser Verbindungmatrix imprägniert. Und theoretisch kann dieses Erregungsmuster später wieder abgerufen und als Erinnerung vor dem inneren Auge abgebildet werden. Ein neues Puzzleteil dieses komplexen Vorgangs ist nun in England aufgedeckt worden.

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Courtesy of M. J. Chadwick, D. Hassabis, N. Weiskopf and E. A. Maguire of the Wellcome Trust Centre for Neuroimaging

Probanden wurden drei verschiedene Videoclips, die einfache Szenen zeigten 15 mal vorgespielt und beim Erinnern des Gesehenen wurden die Probanden per funktioneller Manetresonanztomographie (fMRT) untersucht. Dabei zeigte sich, dass die verschiedenen Clips ganz unterschiedliche  Muster von Hirnaktivität erzeugten. Später unternahmen die Probanden, immer noch im fMRT liegend, 30 zufällige Erinnerungsversuche eines der drei Clips und die gescannten Muster wurden mit den zuvor ermitelten verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Erfolgs-Trefferquote deutlich über einer rein zufälligen Trefferquote lag. Es kann also durchaus davon gesprochen werden, dass hier Erinnerungen aus dem Gehirn der Testperson ausgelesen wurden. Des Weiteren zeigte sich, dass die Erinnerungsmuster zu demselben Clip in unterschiedlichen Probanden Ähnlichkeiten aufwiesen. Dem Ganzen könnte demnach eine Art Grundregel der Erinnerungsspeicherung zu Grunde liegen. Die Abbildung zeigt eine Art “Erinneurngs-Hotspot-Karte” in Falschfarben. Diese zeigt eindeutig eingrenzbare Areale im Hippocampus der Testpersonen. Es ist jedoch heutzutage bekannt, dass Erinnerungen, die vom Hippocampus angelegt wurden, zur Langzeitspeicherung in den frontalen Cortex verlegt werden. Ob die Erinnerungen dort immer noch zugänglich sind bleibt abzuwarten. Bestimmt ein interessantes Forschungsfeld mit ungeahnten Möglichkeiten, aber auch Horrorszenarien aus Film und Fernsehen, die einem in den Sinn kommen. Jemand hat mal gesagt, dass das 21 Jahrhundert das Jahrhundert der Dechiffrierung des Gehirns wird.

Gefunden bei Neurophilosophy

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Chadwick, M., Hassabis, D., Weiskopf, N., & Maguire, E. (2010). Decoding Individual Episodic Memory Traces in the Human Hippocampus Current Biology DOI: 10.1016/j.cub.2010.01.053

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