iPS Reprogrammierungstechnik entschärft

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Autor: fee
Ich habe hier schon über die Erfolge beim Umprogrammieren sogenannter induzierter pluripotenter Stammzellen (iPS) berichtet, doch der Hauptkritikpunkt, nämlich die Verwendung eines retroviralen Vektors für die Tranduktion der erforderlichen Faktoren, der durch Insertionsmutagenese grosse Schäden bis hin zu Krebs auslösen kann, blieb bisher bestehen. Nun ist es Forschern um Konrad Hochedlinger an der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts gelungen, dies zu ändern. Für ihre Versuche, die in Science publiziert wurden, verwendeten sie stattdessen adenovirale Vektoren und transduzierten murine Schwanz- und Leberzellen. Diese wiesen daraufhin vergleichbare Eigenschaften auf und verhielten sich wie die bereits hergestellten iPS.

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Zu diesen Eigenschaftender iPS gehört die Ausbildung sogenannter Teratome, Keimzelltumore, bestehend aus Zelltypen eines, zweier oder typischerweise der drei Keimblätter des Körpers. Ausserdem konnten sich die iPS nach Injektion in eine Blastozyste, eine frühe Embryoform, in alle drei Gewebetypen entwickeln. Dies ist ein typischer Test für die Pluripotenz potentieller Stammzellen.
Ein wichtiger Nachweis war die Untersuchung der Genom-Insertion, die durch die Verwendung des Adenovirus komplett verhindert werden konnte und somit keine Gefahr durch Insertionsmutagenese besteht.
Doch die Methode hat natürlich auch ihren haken. Die Effektivität der Umprogrammierung mit dieser Methode ist stark erniedrigt und es kam nur in 0.0001% bis 0.001% der Fälle zu einer erfolgreichen Vermittlung der benötigten genetischen Faktoren. Doch eine bewiesenermassen funktionierende Methode zu optimieren ist meisstens das geringere Problem. Und Wissenschaftler kennen noch weitere Vektorsysteme, die gerade wegen ihrere nicht-integrierenden DNA gerne als “sicherer” eingestuft werden, und deren teilweise sehr enger Tropismus durch Veränderungen der viralen Eigenschaften erweitert werden soll, um ein breiteres Spektrum an Zielzellen Transduzieren zu können.
Mit Sicherheit wird nach dieser Veröffentlichung ein erneuter Aufschrei nach dem Stop aller Versuche mit embryonalen Stammzellen (ES) durch die Reihen der Ethik-Fanatiker gehen, doch dafür ist es mit Sicherheit noch zu früh. Denn ob die iPS auch tatsächlich alle Hoffnungen erfüllen werden, die in sie gesetzt werden und sie in langer Sicht tatsächlich ES ersetzen können bleibt abzuwarten.

M. Stadtfeld, M. Nagaya, J. Utikal, G. Weir, K. Hochedlinger (2008). Induced Pluripotent Stem Cells Generated Without Viral Integration Science DOI: 10.1126/science.1162494

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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  1. [...] Fee Schon viel wurde hier und anderswo über die induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) berichtet, und auch schon [...]

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