Malaria sprang vom Schimpansen auf den Menschen!

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Autor: Fee
Plasmodium falciparum, der Erreger der Malaria tropica, ist einer der schwerwiegensten und gefährlichsten Krankheitserreger mit mehr al 500 Millionen Infizierten und ca. 1 Millionen Todesopfern pro Jahr. Alle Versuche, Vakzinierungen gegen die verschiedenen Malariaerreger zu entwickeln sind bisher fehlgeschlagen. Nun gibt es Neuigkeiten zur Ko-Entwicklungsgeschichte von Mensch und Plasmodien.

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Bild: Wikipedia

Bisher war nur eine einzige Art von Plasmodien in Schimpansen bekannt und die Forschergemeinde war einhellig der Meinung, dass unsere Vorfahren die Plasmodien bereits im Gepäck hatten, als sich die gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen und Menschen vor ca. 7 Millionen Jahren trennten. Doch diese Theorie (die sogenannte Co-Speciation Theory) wird nun durch neue Forschungsergebnisse in Frage gestellt. Forscher von den Universitäten von Masachusetts und Stanford haben in einer umfassenden Studie an 100 Schimpansen in Zentralafrika das Vorkommen von Plasmodien untersucht und sind dabei auf eine Überaschung gestossen.

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Bild: Wikipedia

Sie fanden 8 neue und bisher unbekannte Stämme von P. reichenowi, den in Schimpansen vorkommenden Malariaerregern. Dies ermöglichte nun eine vergleichende Genanalyse dieser Plasmodien mit den vier im Menschen vorhandenen Erregern. Die bei solch einer Analyse gemessenen Unterschiede in der DNA-Sequenz ermöglichen die Erstellung eines phylogenetischen Stammbaumes, der ebenfalls eine Abschätzung der entwicklungsgeschichtlichen Distanz der einzelnen Individuen voneinander ermöglicht. Dies ergab, dass die im Menschen vorkommenden Plasmodienstämme auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, der spätestens vor 10 000 und frühestens vor 2-3 Millionen Jahren vom Schimpansen durch einen einzigen Transfer auf uns übertragen wurde. Und auch eine mögliche Erklärung für diese relativ späte Übertragung des Parasiten lässt sich aus der Analyse ableiten. Zuerst kam es im Menschen zu einer Mutation, die zur Inaktivierung des Genes CMAH führte. Dadurch wurde die Synthese der Sialinsäure Neu5Gc, dem Bindungsrezeptor der Schimpansen-Plasmodien, aus ihrem Vorläufer Neu5Ac verhindert wurde, was zu einer Resistenz gegenüber P. reichenowi im Menschen führte. Später kam es dann zu einer Mutation des dominanten Invasionsrezeptors in P. falciparum, was den Parasiten befähigte, den viel häufiger vorkommenden Vorläufer Neu5Ac zu binden, was auch die gesteigerte Pathogenität des humanen Parasiten erklären könnte.
Dies ist ein vollkommen neuer Einblick in die Entwicklungsgeschichte des tödlichsten aller Krankheitserreger, der auch neue Hoffnungen weckt. So könnte einer der Schimpansenerreger, die zwar kein Malaria im Menschen auslösen, aber durchaus eine Immunantwort stimulieren, als möglicher Vakzinierungskandidaten für den Menschen dienen.
Manche Fragestellungen der Wissenschaft lassen sich eben doch nur im grossen Freiluftlabor der Natur gewinnbringend untersuchen.

Rich, S., Leendertz, F., Xu, G., LeBreton, M., Djoko, C., Aminake, M., Takang, E., Diffo, J., Pike, B., Rosenthal, B., Formenty, P., Boesch, C., Ayala, F., & Wolfe, N. (2009). The origin of malignant malaria Proceedings of the National Academy of Sciences DOI: 10.1073/pnas.0907740106

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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RSSKommentare (3)

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  1. Jana sagt:

    Danke für diesen Beitrag! Muss nächste Woche ein Referat zum Thema Malaria halten und habe noch nach einem aktuellen Bezug bzw. nach Infos zum aktuellen Entwicklungsstand gesucht.

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  2. Alvar sagt:

    soweit ich weiß haben wissenschaftler auch ein neue from des aids virus gefunden. http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/8175379.stm

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  3. Lucy sagt:

    Ja, ich finde auch, dass dir da ein wirklich toller Beitrag gelungen ist.
    @Alvar: Danke für den Link zum BBC Artikel. Das Thema finde ich auch sehr spannend.

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