“Alpha-Male Gen” im Menschen.

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Autor: fee
Was macht manche Männer zu häuslichen Monogamer-Vater-Typen und andere zu umtriebigen Polygamisten? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, da mit Sicherheit die Gesamtheit der Umwelteinflüsse und Erziehungsvorbilder zu einer entsprechenden Entwicklung beitragen. Doch auch in der Natur gibt es sowohl Beispiele für die eine wie auch die andere Ausprägung. So binden sich manche Vögel, wie zum Beispiel der Schwan, fürs ganze Leben. Beim Schwan jedoch, kann man die erlernten und kopierten Verhaltensregeln grösstenteils ausklammern, da er sich mehr oder weniger auf angeborene Instinkte verlässt. Die meissten Säugetiere dagegen, tendieren eher zur Promiskuität.

Ein Gen, das sogenannte AVPR1a wurde in verschiedenen Tieren, unter anderem, in Chimpansen und Bonobos mit der Intensität der Bindung zum Partner in Verbindung gebracht und in einem Versuch mit polygamen Wiesenwühlmäusen (Familie der Arvicolinae) zeigte die zusätzliche Expression des Genproduktes, ausgehend von einer Extrakopie des Genes, eine klare Veränderung im Verhalten. Die Tiere verbrachten mehr Zeit mit Partner und Nachwuchs und ähnelten nun den monogamen Präriewühlmäusen. Das Genprodukt von AVPR1a reguliert einen Rezeptor, der die Produktion von Vasopressin steuert, ein Hormon, das für die Bindung an den Partner und den Nachwuchs verantwortlich ist.

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Die Existenz eines solch einfachen Mechanismus auch im Menschen nachzuweisen, war das Ziel einer Gruppe um Hasse Walum am Karolinska Institut in Stockholm, Schweden. Um dies zu beweisen, sequenzierten sie das entsprechende humane Gen AVPR1a in ca. 500 eineiigen Zwillingspaaren. Die Probanden waren alle verheiratet oder lebten in einer Lebensgemeinschaft von mindestens 5 Jahren. In der Auswertung der Sequenzdaten fanden sie eine Variante (Allel 334) des Gens, die relativ häufig auftrat. 40% der untersuchten Männer trugen eine oder zwei Kopien. Durch definierte Befragungen wurde nun ein Bindungs-Index erstellt, der auf Fragen wie: “Wie häufig küssen sie ihren Partner? oder Wie Häufig unternehmen sie etwas mit ihrem Partner ausserhalb der Familie?” beruhte. Mit den Ergebnissen diese Index verglichen zeigte sich für das 334-Allel eine klar statistisch signifikante Korelation zwischen dem Vorhandensein der Variante und dem Bindungsverhalten in der Partnerschaft. Der höchstmögliche Index betrug 66 und Probanden ohne das Allel erreichten im Schnitt 48, während Probanden mit einer Kopie nur 46,3 und Träger von zwei Kopien nur 45,5 erreichten. Dies klingt nach einem geringen Unterschied, doch in den untersuchten Frauen zeigte sich keine solche Korelation.
Also wer einen treuen und kinderlieben Mann sucht, sollte in Zukunft einfach auf molekularbiologische Methoden zurückgreifen und ihn sich selbst basteln! Viel Spass dabei.

H. Walum, L. Westberg, S. Henningsson, J. M. Neiderhiser, D. Reiss, W. Igl, J. M. Ganiban, E. L. Spotts, N. L. Pedersen, E. Eriksson, P. Lichtenstein (2008). Genetic variation in the vasopressin receptor 1a gene (AVPR1A) associates with pair-bonding behavior in humans Proceedings of the National Academy of Sciences DOI: 10.1073/pnas.0803081105

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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RSSKommentare (4)

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  1. Ingo B. sagt:

    Vor einem Jahr hat der britische Anthropologe Robin Dunbar über viele Zweige des Säugetierstammbaumes hinweg eine Korrelation gefunden zwischen Stärke der monogamen Lebensweise und – - – Intelligenz.

    Während nämlich bei Primaten Intelligenz (grob Gehirngröße relativ zur Körpergröße) mit Gruppengröße korreliet (social brain Hypothese) fand Dunbar diesen Zusammenhang bei Nicht-Primaten nicht, stattdessen den genannten Zusammenhang mit Monogamie.

    Ich hab darüber hier mal was verzapft:
    http://studgendeutsch.blogspot.com/2007/11/ist-die-monogame-bindung-der-kern-aller.html

    Jetzt ergibt sich natürlich die naheliegende Frage: Findet man eine Korrelation zwischen diesem Gentypen und IQ? bin gespannt, wann das unter die Lupe genommen wird – oder ob es dazu vielleicht sogar schon Hinweise gibt.

    [Antwort]

  2. fee sagt:

    Hallo Ingo,
    wirklich auch ein sehr interessanter Artikel. Da müsste doch eigentlich eine Verbindung bestehen!
    Bin auch gespannt wann das publiziert wird.
    Gruss

    [Antwort]

  3. paco sagt:

    Dann muss der maennliche Tiefsee-Anglerfisch aber das AVPR1a Gen in Unmengen produzieren! Das nenne ich mal wirkliche Hingabe!
    siehe hier:
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/5/308946/text/

    [Antwort]

  4. fee sagt:

    O.K. der hat wahrscheinlich 28 Kopien des Rezeptors! Aber bei so einem Lebensraum überlebt man eben manchmal nur mit extremen Massnahmen! Evolution!
    Grüsse Fee

    [Antwort]

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