Pränatale Warnungen vor räuberischen Spinnen beeinflussen Grillennachwuchs

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Grillen kamen hier schon einmal vor in ihrer Rolle als Bestäuber einer Orichidee auf Madagskar. Anscheinend stehen sie im Moment in einer Art globalem Forschungsbrennpunkt. Nun haben Verhaltensforscher herausgefunden, dass die trächtigen Weibchen von Gryllus pennsylvanicus ihren ungeschlüpften Eiern transgenerationelle Informationen über das Vorkommen von räuberischen Wolfspinnen in der Umgebung mit auf den Weg geben.

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Wolfsspinne (Hogna spec.) Bild: Wikipedia

Um dies zu entdecken, wurden einige recht grausam anmutende Terrarienversuche angestellt, bei denen schwangere Grillenweibchen zusammen mit Wolfsspinnen (Hogna helluo) gehalten wurden. Diesen Spinnen wurden die Fänge mit Wachs verklebt, so dass sie die bedauernswerten Grillen zwar attackieren,  nicht aber erlegen konnten. Ganz schön traumatisierend, denke ich. Nach der Eiablage und dem Auschlüpfen der Jungtiere, dass ohne mütterliche Vorsorge stattfindet, wurde das Verhalten der Grillen studiert. Dabei zeigte sich, dass sich die pränatal traumatisierten Tiere signifikant anders verhielten. Sie suchten öfter und länger (insgesamt 113% länger) geeignete Unterschlüpfe auf. Ausserdem neigten sie auch eher dazu zu erstarren, wenn sie mit Spinnfäden oder Spinnenexkrementen in Brührung kamen, was die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung durch eine sich in der Nähe aufhaltende Spinne veringert.

Dass dies kein einfaches Laborphänomen ist, zeigten die Forscher durch Wiederholung des Experimentes mit in der Wildnis gefangenen trächtigen Weibchen, die aus unterschiedlichen Habitaten mit oder ohne Spinnenbedrohung stammten. Die von diesen Individuen gelegten Schlüpflinge verhielten sich identisch wie die im Terrarium konditionierten. Wie die Grillenmütter diese Informationen genau weitergeben bleibt unerklärt. Die Forscher hypothetisieren, dass durch den Stress der Bejagung ein Hormon freigesetzt werden könnte, dass Einfluss auf die Eier im Mutterleib ausübt.

Storm, J., & Lima, S. (2010). Mothers Forewarn Offspring about Predators: A Transgenerational Maternal Effect on Behavior The American Naturalist, 175 (3), 382-390 DOI: 10.1086/650443

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  1. Faszinierend wozu die Natur in der Lage ist.Als ich das gelesen habe,bin ich auch automatisch auf die Konsistenz von Spinnenfäden gekommen,die konzentriert ja auch extrem reißfest sind.
    Da kann man immer wieder sehen,dass wir Menschen noch lange nicht alles verstehen,geschweige denn beherrschen.

    Was ich mich abber dennoch immer und immer wieder frage:
    Wie kommt man darauf,sowas zu überprüfen?

    Beste Grüße

    [Antwort]

  2. Grillenfan sagt:

    Glücklicherweise beschränkt sich die Spinnenbedrohung in unseren heimischen Gärten auf ungefährliche Zeitgenossen. Respekt vor räuberischen Wolfspinnen muß Mutti Grille ihren Kindern also nicht beibringen.

    [Antwort]

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