Selbstopfer ohne direkte Bedrohung

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Autor: fee
Ameisen gehören zu den staatenbildenden Insekten und leben oft in sozialen Strukturen die tausende von Individuen enthalten. Erst kürzlich ging es hier um eine Ausnahme dieses Prinzips, die alleine lebende “Marsianerin”. In einer neuen Publikation im American Naturalist von Adam Tofilski von der Universät Krakow wird eine Ameisenart in Brasilien beschrieben (Forelius pusillus), die in sandigen Böden lebt und ihren Bau am Abend versiegelt. Der Eingang des Baus wird dabei so perfekt mit Sand getarnt, dass eine Unterscheidung vom umgebenden Untergrund praktisch nicht mehr möglich ist (Video).

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F. pusillus Ameise beim Versiegeln des Nestes (photograph by T. Wenseleers ©)

Doch dafür bringt der Staat ein Opfer, denn einige Tiere (bis zu 8 Individuen) verbleiben ausserhalb des Baus um dieses “Camouflage” technisch auszuführen. Und diese Ameisen überleben die Nacht nur in wenigen Aussnahmen, wie das Einsammeln der “Tarnspezialisten” zeigte. Möglicherweise verbrauchen diese Tiere all ihre Energiereserven und dehydrieren, was dann in der Nacht zu ihrem Tod führt. Der Grund für dieses Verhalten ist mit Sicherheit ein evolutiver Vorteil für den Staat und möglicherweise werden sich alte Arbeiterinnen automatisch für diese Aufgabe zur Verfügung stellen. Doch auch der Verlust einiger junger und gesunder Tiere ist für den mehrere tausend Tiere umfassenden Insektenstaat ein akzeptabler Preis, für die Verhinderung einer potentiellen Auslöschung des gesamten Staates. Die Forscher hypothetisieren, dass es sich bei diesen Massnahmen um eine Tarnung vor Konkurenten derselben Art handeln könnte, oder aber das Eindringen von Wasser durch plötzliche heftige Regenfälle verhindert werden muss.
Selbstopferndes Verhalten kommt bei staatenbildenden Insekten öfter vor, wurde bisher aber nur in Situationen direkter Bedrohungen beschrieben. So sterben zum Beispiel Honigbienen nach einem Verteidigungsstich, da der Stachel im Gegner verbleibt und ihre Eingeweide herausreisst, wenn er entfernt wird. Bei diesem Verhalten handelt es sich um eine vorbeuende Massnahme, was eine völlig neues Licht auf ein solches Verhalten und seine Entstehung wirft.
Eine genauere Untersuchung der Entwicklung altruistischen Verhaltens (dazu hier ein Post in Weissbier&Wissenschaft), könnte Anhand dieser Entdeckungen ermöglicht werden.

Adam Tofilski (Agricultural University, Krakow), Margaret J. Couvillon (University of Arizona), Sophie E. F. Evison (University of Sheffield), Heikki Helanterä (Helsinki University and University of Sussex), Elva J. H. Robinson (University of Bristol), a (2008). Pre-emptive defensive self-sacrifice by ant workers American Naturalist, 172

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Kategorie: Wissenschaftsnews

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