Traumatische Epigenetik

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Autor: fee
Traumatische Erinnerungen könnten epigenetisch “gespeichert” werden.
Epigenetik ist eine massiv beforschte Disziplin und seit ihrer Entdeckung wird Sie von Erkenntnis zu Erkenntnis interessanter. Der Begriff wurde durch den Biologen Conrad Hal Waddington geprägt, als der zugrundeliegende Mechanismus noch unbekannt war. Bei der epigenetischen Regulation werden genetische Einheiten, die Cytosine in den sogenannten CpG-Inseln im Promotor oder in anderen regulatorischen Bereichen eines Genes durch Anbringen oder Entfernen eine Methylgruppe verändert. Dies Aktiviert (Demethylierung) oder Inhibiert (Methylierung) die Expression des entsprechenden Gens.

800px Cloned mice with different DNA methylation Traumatische Epigenetik
Epigenetik kann wie hier bei eineiigen Zwillingen unterschiedlich Ausprägungen (Schwanz) bewirken.

Soviel zur Theorie.
Das besondere dieser Erkenntnis war, dass die enormen Mengen nichtkodierender DNA damit eine mögliche neue Bedeutung bekommen. Ausserdem wurde gezeigt, dass eine epigenetische Regulation als Anpassung an veränderte Umweltbedingungen, direkt an die Nachkommen weitergegeben werden kann. Dies stellt eine unglaubliche Beschleunigung im Gegensatz zu der doch recht langwierigen evolutionären Anpassung dar, die viele zufällige Mutationsereignisse und Generationen benötigt.
Das Neueste Ergebnis dieser Forschungsrichtung ist geradezu sensationell. Die Wissenschaftler um Moshe Szyf an der McGill University in Montreal beobachteten Ratten und stellten fest, dass Tiere, die nicht von der Mutter versorgt und gehegt wurden sich zu schreckhaften und ängstlichen Artgenossen entwickelten (Weaver IC et al. Proc Natl Acad Sci, 2006). Für diese Verhalten fanden die Forscher einen epigenetischen Fingerabdruck im Gehirn. Natürlich will man als Forscher solch ein Ergebnis im Menschen reproduzieren. Doch das ist gar nicht so einfach. Letztendlich überlegten sich die Wissenschaftler einen experimentellen Ansatz, der geradezu unglaublich klingt: Sie sezierten die Gehirne von 13 Selbstmördern, die in ihrere Kindheit misshandelt oder vernachlässigt wurden und untersuchten die epigentische Manifestierung im Hippocampus. Diese verglichen sie mit psychologisch gesunden Unfallopfern. Was sie fanden war die klare epigenetische Inhibition eines Botenstoffrezeptors, er war “ausgeschaltet” (PLoS ONE, 2008).
Dies öffnet nun eine Menge Raum für Spekulationen für potentielle Anwendungen, doch denkbar ist ein diagnostischer Test für gefährdete Patienten bestimmt und da sich die epigenetische Regulation auch rückgängig machen lässt wäre auch eine Therapie denkbar.
Für Leute die mehr zum Thema lesen wollen empfehle Ich den Artikel in der FAZ von Sonja Kastilan (mehr).

I. C. G. Weaver (2006). Maternal care effects on the hippocampal transcriptome and anxiety-mediated behaviors in the offspring that are reversible in adulthood Proceedings of the National Academy of Sciences, 103 (9), 3480-3485 DOI: 10.1073/pnas.0507526103

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