Wenn der Mann schwanger ist

Wäre es nicht schön wenn die Natur es so eingerichtet hätte dass das Männchen auch mal schwanger ist? Wie oft hat man sich das schon gefragt. Doch natürlich gibt es ein Beispiel in der Natur in der tatsächlich die Männchen schwannger sind. Zwar nicht im herkömmlichen Sinn, denn das Weibchen liefert immer noch die Eier und er die Spermien, aber immerhin ist er es der die Kleinen ausbrütet und behütet, beschützt und ernährt: Die Seepferdchen handhaben die Schwangerschaft so.

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Hippocampus whitei, Quelle Wikipedia

Auf der Nature Seite ist ein wunderbarer Film darüber wie die Schwangerschaft von statten geht und was das Gehimnis der Selektion bei Seepferdchen ist. Wissenschaftler wollen sich das Phänomen nämlich genauer ansehen und haben die kleinen Tierchen eingesammelt und ihr Verhalten unter reproduzierbaren Laborbedingungen untersucht. Sie wollten mehr über die besten aller Väter erfahren, die den ganzen Job übernehmen, von der Befruchtung im aussen gelegenen Brutsack bis zum Schlüpfen der Jungtiere.
Es läuft so ab, dass das Männchen in dem Brutsack die Eier des Weibchens empfängt und mit seinen Spermien befruchtet, die Kleinen beschützt, ernährt und durch die `Schwangerschaft´bringt. Der eigentliche Job des Weibchens – nur eben mit umgekerhter Rollenverteilung. Doch die Wissenschaftler haben noch mehr gezeigt. Sie fragten sich nämlich in wiefern Darwins Theorie des Selektionsdruckes hier zutrifft. Darwin postulierte, dass das Weibchen aufgrund ihrer Fähigkeit Nachwuchs zu gebären den wirklichen Selektionsdruck ausübt. Sie ist diejenige die wählerisch sein kann und muss um das Überleben der Kleinen zu sichern, ihnen die bestmöglichen Startbedinungen zu geben und die optimale Fitness zu gewährleisten. Sprich sie kann durch wahl des Partners beeinflussen welche Merkmale an den Nachwuchs weiter gegeben werden und passt sich so immer den Umweltbedingungen an. Die Männchen haben sich daher in der Natur die wildesten Mechanismen ausgedacht um ihre Mitstreiter zu übertrumpfen. Pfauen mit ihrem beeindruckenden Federkleid, Tänze werden aufgeführt, grossartig Nester gebaut die nur zu Vorführungszwecken dienen und vieles mehr. Doch bei den Seepferdchen ist es ja der Mann der sich die Frau aussucht… nun wird auch er das tun was sonst die Weinchen tun, und zwar sich die fitteste, den Umweltbedingungen am besten angepasste raussuchen. Nun kann es ja aber sein, dass nur ein Weibchen da ist, was im Zweifel nicht die beste Wahl ist, aber besser ein als kein Weibchen. Also kann der Eiertransfer stattfinden. Die Wissenschaftler aus Texas haben aber nun mehr über die `dunkle Seite´der Seepferdchenpapas herausgefunden. Zwar akzeptieren sie das nicht ganz so fitte Weibchen als Partner, können aber wenn sie eine bessere Kandidatin finden umdisponieren, auf Kosten des Nachwuchses! Sie resorbieren dann die Eier der ersten Brut und nehmen sich somit die investierte Energie wieder um sie dem vorgezogenen Nachwuchs zur Verfügung stellen zu können. Sprich ist das erste Weibchen nicht gut genug kommt das zweite zum Zuge, der erste Nachwuchs muss dem vorgezogenen zweiten weichen. Letztendlich hatte Darwin recht. Der fittere besser angepasste gewinnt und die Evolution nimmt ihren Lauf. Auch wenn, wie bei den Seepferdchen, mal der Mann den Job der Selektion übernimmt.

rb2 tiny Wenn der Mann schwanger istPaczolt, K., & Jones, A. (2010). Post-copulatory sexual selection and sexual conflict in the evolution of male pregnancy Nature, 464 (7287), 401-404 DOI: 10.1038/nature08861

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