Wo ist bloss die DNA geblieben?

rb2 large gray Wo ist bloss die DNA geblieben?
Autor: Fee
Neunaugen sind ziemlich seltsame Tiere und haben sich in den letzten 500 Millionen Jahren kaum verändert. Die Kieferlosen Wirbeltiere bilden eine eigene Klasse und gehören damit nicht zu den Fischen. Viele vertreter ernähren sich jedoch parasitisch blutsaugend von denselben und teilen deren Lebensraum. So auch das Meerneunauge (Petromyzon marinus).

180px Petromyzon marinus2 FWS Wo ist bloss die DNA geblieben?

Bei dem Versuch, das Genom dieses Tieres zu entschlüsseln stiessen Wissenschaftler nun auf eine weitere Absonderlichkeit. Als lebende Neunaugenzellen mit einem Farbstoff, der beschädigte DNA markiert, angefärbt werden sollten, zeigte sich praktisch das gesammte Genom markiert. Da dies nicht üblich ist, untersuchten sie das Phänomen etwas genauer und kamen zu dem Schluss, dass ein grosser Teil, der im Spermium und im Ei noch vorhandenen Gene im Verlauf der Embryonalentwicklung verloren geht. Im Vergleich zu den Keimzellen besass das adulte Genom mehere MIllionen Basenpaare weniger. Um diesen Vorgang genauer zu untersuchen richteten die Forscher ihre Aufmerksamkeit auf eine hochrepetitive Sequenz, die Germ1 genannt wird. Anhand dieses Beispiels konnten sie nun die Deletion während der Embryonalentwicklung nachvollziehen. Dabei entdeckten sie, dass Germ1 zum Zeitpunkt der Befruchtung in voller Zahl vorhanden war, doch zum Zeitpunkt als sich das “neue” Genom “anschaltete”, begann die Degradierung. Und zum Zeitpunkt des Schlüpfens war Germ1 annähernd verschwunden.
Dies stellt eine völlig neue Vorgehensweise beim stummschalten von Genen in Vertebraten dar. Bisher ging man davon aus, dass epigenetische oder regulatorische Prozesse dies bewerkstelligen. Eine hypothetische Erklärung wäre das entfernen von keimzelltypischen Genen, diezum Beispiel die Prolierationskontrolle durch Mutation in den späteren spezialisierten Zellen ausschalten könnten. Doch ob dies eine Krebsvorsorge sein könnte ist rein spekulativ.
Dieser Vorgang, die “genomische Reduktion” kommt auch in anderen, “einfacheren” Organismen vor, doch dies ist die erste Beschreibung in Wirbeltieren. Den Mechanismus und die daran beteiligten Spieler zu identifizieren, wird sicherlich eine interessante Geschichte ergeben.

Smith, J., Antonacci, F., Eichler, E., & Amemiya, C. (2009). Programmed loss of millions of base pairs from a vertebrate genome Proceedings of the National Academy of Sciences DOI: 10.1073/pnas.0902358106

Popularity: 2% [?]

Keine ähnlichen Artikel vorhanden.

Kategorie: Wissenschaftsnews

Tags:

RSSKommentare (1)

Einen Kommentar hinterlassen | Trackback URL

  1. [...] Wo ist bloss die DNA geblieben? | Science meets Society [...]

Einen Kommentar hinterlassen