Zwangsstörungen können durch Knochenmarkstransplantation geheilt werden!

Zwangsstörungen (Zwangshandlungen) beschreiben ein Krankheitsbild, bei dem sich eine bestimmte Handlung, gegen den Willen des Betroffenen immer wieder aufzwängt und somit dessen “normalen” Lebenswandel stört. Einige Beispiele sind Wasch- oder Putzzwang, aber auch Kontrollzwang oder Kleptomanie zählen zu dieser Gruppe von Störungen. Bisher war man der Meinung, dass eine Entwicklungsstörung des Gehirns zu Grunde liegt und zu der Ausprägung dieser Krankheit beiträgt. Doch neue Studien weisen in eine andere Richtung. Forschern ist es an einem Tiermodell gelungen, die Zwangshandlungen und deren Auslöser einzugrenzen. Bei diesem Modell handelt es sich um eine Maus, die eine Mutation im Gen Hoxb8 trägt. Dieses Gen gehört zu einer Gruppe von Genen, die den Körperbauplan im sich entwickelnden Embryo definieren und an der Organisation von Organen und Geweben beteiligt sind. In diesen Mäusen kommt es aber auch zu einem gehäuften Entfernen von Körperbehaarung, was zu kahlen Stellen und Wunden führt. Dies ist durchaus mit einer Zwangshandlung vergleichbar.

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Bei der Untersuchung der Tiere stellten die Forscher fest, dass das Hoxb8 Gen im Gehirn von Mikrogliazellen exprimiert wird. Diese spezialisierten Immunzellen patroullieren das Gehirn auf der Suche nach Zellabfällen und Pathogenen, doch mit Verhaltensstörungen wurden sie bisher noch nicht in Verbindung gebracht. Ausserdem zeigten die Mutantenmäuse eine Veringerung der Mikrogliazellen im Gehirn. Um dem Prozess auf den Grund zu gehen verfolgten sie den Ursprung der Mikrogliazellen ins Knochenmark zurück, den Entstehungsort aller Immunzellen und da kam ihnen die zündende Idee. Wie bei einem Leukämiepatienten, dessen entartete Immunzellen abgetötet und danach durch die Transplantation gesunder Zellen ersetzt werden,könnte man in diesem Fall denselben Therapieansatz anwenden. Gesagt getan, und das Ergebnis war Úberzeugend. Die Tiere wurden durch den Austausch ihrer mutierten Mikrogliazellen von ihrer Zwangshandlung befreit.

Ob sich daraus eine für den Menschen anwendbare Therapie ableiten lässt bleibt abzuwarten, aber eine vielversprechender Ansatz könnte es schon sein.

rb2 large gray Zwangsstörungen können durch Knochenmarkstransplantation geheilt werden!
Chen, S., Tvrdik, P., Peden, E., Cho, S., Wu, S., Spangrude, G., & Capecchi, M. (2010). Hematopoietic Origin of Pathological Grooming in Hoxb8 Mutant Mice Cell, 141 (5), 775-785 DOI: 10.1016/j.cell.2010.03.055

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RSSKommentare (1)

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  1. Joe Dramiga sagt:

    Eine faszinierende Entdeckung. Wer hätte jemals daran gedacht im Knochenmark nach der Ursache eines Hirnleidens zu suchen? Jetzt kann man auch bei anderen Krankheiten in dieser Richtung forschen, denn Makrophagen wandern noch in andere Organe.

    [Antwort]

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